Chancen abseits der Bond- und Aktienmärkte
Mit Zertifikaten können Privatanleger auch auf die Devisen- und Rohstoffmärkte setzen.
Raja Korinek. Der Staub nach dem Wahlsieg Donalds Trumps legt sich allmählich. In einer ersten Reaktion schnellten vor allem die US-Börsen nach oben. Die Erwartung ist groß, dass Trump Zölle anheben bzw. neue einheben könnte, ebenso wie die Annahme, dass davon dann zahlreiche US-Unternehmen profitieren könnten.
Auch auf den Devisenmärkten waren die Auswirkungen sichtbar. Am Mittwoch, dem 6. November, legte der US-Dollar zum Euro zwischenzeitlich um fast 2 % zu. Dabei hatten die Devisenmärkte bereits Wochen zuvor für Schlagzeilen gesorgt. Ende Juli legte der Yen erstmals seit langem zum Euro zu. Grund war die zweite Zinsanhebung der japanischen Notenbank in diesem Jahr auf rund 0,25 %.
Freilich, um auf solche Trends zu setzen, muss man kein Händler sein. So bieten Zertifikate Anlegern einen Zugang zu den globalen Devisenmärkten, die für Privatanleger meist nur schwer direkt zu erreichen seien und hohes Kapital erfordern, konstatiert Christian Glaser (Foto), Zertifikate-Experte bei der BNP Paribas, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Geringer Startbetrag
Glaser verweist auf einen weiteren Aspekt: „Weil der Startbetrag bei Zertifikaten gering ist, können Anleger die Höhe ihres Risikokapitals flexibel bestimmen.“ Doch wie können Anleger konkret vorgehen? Auch hier liefert der BNP-Paribas-Experte eine Antwort: Aufgrund der meist geringen Schwankungen auf den Devisenmärkten böten Hebelzertifikate interessante Möglichkeiten. „Damit kann überproportional an Kursbewegungen partizipiert werden, um höhere Gewinne – aber auch Verluste – zu realisieren.“
Eine weitere Besonderheit sticht ebenfalls hervor. So kann mit Hebelprodukten, einerlei ob Turbo- oder Faktorzertifikat, auf steigende sowie auf fallende Kurse gesetzt werden. Zur Erklärung: Bei Turbozertifikaten gibt es nebst dem Hebel auch eine Barriere. Wird sie berührt oder unterschritten (bzw. überschritten bei Short-Produkten), verfällt das Zertifikat. Bei Faktorzertifikaten gibt es keine Barriere. Dafür wird täglich die prozentuelle Preisveränderung mit einem konstanten Faktor berechnet. Bei länger seitwärtstendierenden oder fallenden Märkten summieren sich die Verluste, die prozentual wiederum nur schwer aufzuholen sind.
Glaser verweist auf einen weiteren Punkt: Neben klassischen Devisenpaaren kann etwa auch der „US Dollar-Index“ gehandelt werden. Der Index misst den Wert des US-Dollars mittels eines Korbs aus sechs Währungen. Dazu zählen Euro, Yen und kanadischer Dollar.
Rohstoffhandel mit Zertifikaten
Auch auf Rohstoffnotierungen kann mittels Zertifikaten gesetzt werden, sagt Glaser. Schließlich können viele Rohstoffe – wie Erdgas oder Kaffee – nur mit großem Aufwand direkt erworben und gelagert werden. Vor allem der Preis für Rohöl sorgte für Schlagzeilen, allein die Nordseemarke Brent gab vor wenigen Wochen kräftig nach. Die Erleichterung unter Öl-Spekulanten nach dem Militärschlag gegen den Iran war groß, dass dabei keine Ölraffinerien getroffen wurden.
Anleger müssen jedoch beachten, dass solche Zertifikate nicht direkt auf Rohstoffpreise setzen, sondern auf die künftig erwarteten Notierungen mittels sogenannten Futures. Sie sind eine Form Derivate und laufen regelmäßig ab – weshalb sie stets verlängert werden müssen. Aufgrund dieses Vorgangs kann es zu Abweichungen von den aktuellen Rohstoffpreisen kommen – nach oben sowie nach unten. Überhaupt können Rohstoffpreise teils stark schwanken.
Foto: BNP Paribas
