Der Wertpapierbesitz in Österreich steigt signifikant

Fast ein Drittel der Bevölkerung ist aktuell in Fonds, Aktien oder Anleihen investiert.

Patrick Baldia. Immerhin 2,3 Millionen Menschen sind hierzulande in Wertpapieren investiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Aktienbarometer 2025“, die jährlich von Meinungsforscher Peter Hajek im Auftrag der Industriellenvereinigung, dem Aktienforum und der Wiener Börse durchgeführt wird. Dass mittlerweile 30 % der Österreicher Wertpapiere besitzen, kann sich jedenfalls durchaus sehen lassen. Vor allem wenn man bedenkt, dass dieser Anteil 2022, als die Umfrage erstmals durchgeführt wurde, noch bei 25 % lag.

„Der langfristige Vermögensaufbau ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Hajek am Donnerstag der Vorwoche bei der Präsentation der Studienergebnisse im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz. Mit 79 % ist das für die Österreicher auch das häufigste Motiv für den Wertpapierbesitz, gefolgt von Werterhalt bzw. Inflationsschutz (74 %) sowie Pensionsvorsorge (57 %). Dabei wird bevorzugt auf Investmentfonds bzw. ETFs (21 %) sowie Aktien (16 %) gesetzt. Eine deutlich geringere Rolle spielen dagegen Anleihen (8 %).

Besitz quer durch die Bevölkerung
Zwar besitzen, wenig überraschend, Hochschulabsolventen (51 %) und Besserverdiener (53 %) häufiger Wertpapiere. „Menschen mit geringeren Einkommen investieren zwar weniger, aber dennoch“, so Hajek. Auch zeige die Erhebung auf, dass der Wertpapierbesitz keineswegs nur Großstadtbewohnern vorbehalten ist. Besonders erfreulich ist jedenfalls ein weiteres Ergebnis der Studie: 1,4 Millionen Menschen, die aktuell keine Wertpapiere besitzen, haben Interesse daran zu investieren. „Es ist angerichtet“, so Hajek am Ende der Präsentation.

Kapitalmarkt Teil der Lösung
Auch Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), zeigt sich erfreut, dass die Österreicher die Pensionsvorsorge mit dem Kauf von Wertpapieren verstärkt selbst in die Hand nehmen. Vor allem weil der Wirtschaftsstandort vor großen Herausforderungen stehe. „Ein starker Kapitalmarkt ist essenziell – nicht nur für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes, sondern auch für die Absicherung unseres Sozialsystems und damit für unseren Wohlstand“, so Knill. In Bezug auf den Kapitalmarkt, ist das Regierungsprogramm für den IV-Chef „noch etwas vage“. Er gibt sich aber durchaus optimistisch, dass die neue Regierung die richtigen Rahmenbedingungen schaffen wird, um den heimischen Kapitalmarkt zu stärken und den Menschen die Pensionsvorsorge zu erleichtern.

Reichlich Handlungsbedarf beim heimischen Pensionssystem macht auch Angelika Sommer-Hemetsberger, die Präsidentin des Aktienforums, aus: „Der Kapitalmarkt kann aber Teil der Lösung sein.“ Sie verweist auf kapitalmarktorientierte Länder wie Dänemark oder die Niederlande. Dort würden erfolgreiche Modelle dafür sorgen, dass langfristige Investitionen in die Wirtschaft fließen, Innovationen finanziert und der Wohlstand gesichert bleibe. Mehr als 200 % des BIP würden in Dänemark und den Niederländen in kapitalgedeckten Pensionsplänen stecken, in Österreich dagegen nur 7 %. „Daher müssen wir einen weit höheren Anteil der Wirtschaftsleistung für die öffentliche Pension aufwenden“, so Sommer-Hemetsberger.

Dass der Kapitalmarkt das Potenzial hat, die sozialen Sicherungssysteme zu entlasten, steht auch für Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, außer Frage. Ebenso wie, dass es wenig Sinn macht im Pensionssystem auf Aktienrenditen zu verzichten. „Schließlich ist die Aktie langfristig die sicherste und renditeträchtigste Anlageklasse, wie auch immer mehr Menschen erkennen.“

Grafik: Peter Hayek