Nachhaltige Rendite ist machbar

VBV-Diskussion: Wettbewerbsfähigkeit ohne Nachhaltigkeit in Gefahr.

Marius Perger. Mit der Diskussionsreihe „VBV im Diskurs“ will sich die VBV-Gruppe brennenden Fragen der Gegenwart stellen und Impulse für eine nachhaltige Gestaltung unserer Zukunft setzen, heißt es auf der Website. Als neunte Veranstaltung dieser Reihe ging es in einer hochrangig besetzten Diskussion um die Frage, ob wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit ein Widerspruch sind und ob Nachhaltigkeit sogar ein Wettbewerbsfaktor sein kann.

Kurs halten in volatilen Zeiten
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass sich derzeit „alles im Umbruch“ befindet. Und die Finanzmärkte würden zum Ausdruck bringen, was sich derzeit abspielt, so Michaela Attermeyer, im VBV-Vorstand für die Veranlagung zuständig. Investoren würden sich derzeit für Zölle oder Rüstung interessieren, Nachhaltigkeit interessiere niemanden, ergänzt Walter Oblin, Generaldirektor der Österreichischen Post. Doch die Herausforderungen für die Erde seien gleichgeblieben, alle seien auch in volatilen Zeiten gefordert, Kurs zu halten: „Das Falscheste wäre es, alles über Bord zu werfen.“

Das Thema Nachhaltigkeit sei zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt, bestätigt auch Richard Stralz, CEO der Mayr-Melnhof Holz Holding. Es sei aber in der Bevölkerung und in den Betrieben angekommen, und es werde auch keinen anderen Ausweg geben, schon angesichts der vielen Regularien der EU. Und er erinnert daran, dass Rohstoffe endlich sind; wesentlicher Punkt sei es, „mehr in Re-Use zu gehen“.

„Wir spüren es alle.“ Wolfgang Anzengruber, früherer Vorstandsvorsitzender des Verbund und nun Aufsichtsratsvorsitzender der Oekostrom AG, betont, dass die Herausforderungen immer größer werden. Das Thema Nachhaltigkeit sei zwar inflationär geworden, tatsächlich seien aber beachtliche Fortschritte erzielt worden. Man dürfe nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen und nicht erst dann darüber reden, wenn es der Wirtschaft wieder gut geht.

Wettbewerbsfähigkeit sichern
Eine gut funktionierende Wirtschaft braucht eine gut funktionierende Gesellschaft und eine intakte Natur, sagt Sigrid Stagl, Universitätsprofessorin an der Wirtschaftsuniversität Wien und Wissenschaftlerin des Jahres 2024. Ohne Nachhaltigkeit würden enorme Kosten entstehen, und sie warnt vor „falschen Freunden“: Nachgelagerte Technologien wie „Carbon Capture“ seien keine generellen Lösungen und würden die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Man müsse aus dem Teufelskreis „hohe Schulden – weniger Investitionen in Infrastruktur – geringere Resilienz – höhere Kosten“ heraus, so Stagl. Bei knappen Budgets müsse man Subventionen überdenken.

Was die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs betrifft, betont Anzengruber, dass diese deshalb zurückgegangen ist, weil fossile Energie teurer wurde. „Mit mehr erneuerbarer Energie hätte uns das weniger getroffen.“ Der Preisvorteil der erneuerbaren Energien müsse sich endlich in den Energiepreisen widerspiegeln.

Intelligente Regulierung
Auch Oblin ist der Meinung, dass Nachhaltigkeit kein Grund für fehlende Wettbewerbsfähigkeit ist.

Er kritisiert vor allem die Überregulierung, wichtig wäre es, auf Dinge zu fokussieren, „die uns weiterbringen“: Er wünscht sich „mehr Fokus auf Maßnahmen, weniger auf Reporting“. Man solle Regulatorik aber nicht nur negativ sehen, ist Attermeyer überzeugt. Sie könne helfen, Dinge zu konkretisieren, notwendig sei aber eine „intelligente Regulatorik“.

Es brauche ein Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft, ergänzt Oblin. Voraussetzung sei freilich eine Stabilität der Rahmenbedingungen. Als Negativbeispiel führt er die Einführung der motorbezogenen Versicherungssteuer für E-Fahrzeuge an: Das Versprechen der Entlastung habe höhere Erstinvestitionen motiviert, nun herrsche Verunsicherung.

Nachhaltige Rendite ist machbar
Für Stagl ist es wichtig, aus der Vergangenheit zu lernen: Immer, wenn man sich entschied, auf Produktionsfaktoren – beispielsweise Sklaverei oder Kinderarbeit – zu verzichten, sei man nachher besser ausgestiegen. Man müsse nur die Übergangsphase organisieren, diese werde aber nicht lange dauern. Es gehe nun darum, nachhaltiges Handeln günstiger zu machen.

Gute Rendite mit Nachhaltigkeit ist möglich, weiß Attermeyer. Die VBV mache dies seit Anbeginn, es sei ihr Auftrag, im Interesse der versicherten Personen eine ansprechende Rendite zu generieren. Es sei kein „entweder – oder“ sondern ein „sowohl – als auch“, nimmt Moderatorin Gabriele Faber-Wiener vom Center for Responsible Management als Learning mit.

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