Digitaler Zwilling: Wenn das Abbild effizienter ist
Manch ein Prozessablauf lässt sich virtuell besser optimieren. Das bietet auch Investmentchancen.
Raja Korinek. Die Digitalisierung schreitet in großen Schritten voran. Vor allem die Künstliche Intelligenz (KI) benötigt jede Menge Daten, um arbeiten zu können. Damit verbunden werden auch neue Technologien entwickelt, die etwa Planungs-, Produktions- und Optimierungsprozesse stark verändern. Verwendet wird dazu inzwischen immer öfters ein virtueller Doppelgänger, ein sogenannter Digitaler Zwilling.
Doch worum geht es? Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier liefert Patrick Kesselhut, Zertifikate-Experte bei der Société Générale, Einblicke: „Ein Digitaler Zwilling ist ein digitales Abbild eines realen Objektes. Das kann etwa ein Auto, eine Produktionsanlage, eine ganze Stadt und sogar der menschliche Körper sein.“ Dabei arbeitet der Digitale Zwilling mit Echtzeitdaten des realen Objekts, um Prozesse, etwa in der Produktentwicklung, effizienter zu gestalten als von menschlicher Hand. Auch die Herstellung sowie der Einsatz von Gütern und Dienstleistungen können damit optimiert werden.
Weniger Energieaufwand
Kesselhut präzisiert: „Denken Sie an Produktionsanlagen, die mit deutlich weniger Energieaufwand das gleiche Ergebnis erzeugen können. Oder an Windräder und Brücken die selbständig melden, wann ein Bauteil gewartet werden muss.“ Dabei stehe der Einsatz Digitaler Zwillinge erst am Anfang, die Anwendungsbereiche seien vielfältig. „Breite Einsatzgebiete sind etwa im produzierenden Gewerbe, bei der Produktentwicklung, in der Medizin aber auch im Städtebau denkbar.“
Doch wie unterscheidet sich ein entsprechendes Investment von anderen Technologiethemen? Auch hierzu liefert der Fachmann eine Antwort. Kesselhut meint, es sei umfänglicher. „Bisher konnten Computermodelle einzelne Teile etwa von Produkten abbilden und optimieren. Nun können auch sämtliche Zusammenhänge in Echtzeit ausgewertet und ein reales Objekt mit Hilfe des Digitalen Zwillings optimiert werden.“
Mehrfaches Zusammenspiel
Dabei kämen all die Entwicklungen zum Einsatz, die es erst seit Kurzem gibt: umfassende Datenbanken, leistungsstarke Übertragungswege über das Internet, entsprechende Software, Sensor-Technik sowie die KI. Kesselhut verweist in Zusammenhang mit letzterem Punkt auf eine Besonderheit und sagt, „KI kommt meist dann zum Einsatz, wenn der Digitalen Zwilling Zukunftsprognosen liefern soll“.
Dennoch dürfte man den Einsatz von KI nicht als selbstverständlich betrachten. Es sei ein Werkzeug, das richtig angewendet werden müsse. „Am Ende kommt es auch hier auf den Nutzer an.“ Die – richtige – Auswertung der global vorhandenen, riesigen Datenmengen biete der Menschheit jedoch ungeahnte Möglichkeiten. „Wenn eine Krebserkrankung sehr frühzeitig und zuverlässig erkannt werden kann, wenn sich eine Flasche Bier mit 35 % weniger Energieverbrauch herstellen lässt, dann sind das signifikante Fortschritte in der Entwicklung.“
Doch wie möchte man bei der Société Générale Chancen konkret nutzen? Im Solactive Digital Twins Indexzertifikat wird in 20 Titel – vor allem aus den USA – investiert. Auch die Eurozone ist umfasst sowie Kanada. Größte Gewichtung entfällt auf den KI-Chiphersteller Nvidia gefolgt von Metso. Das finnische Unternehmen ist in der Mineralienaufbereitung und Metallveredelung tätig. Bentley Systems aus den USA programmiert Software für Infrastrukturbetreiber. Anleger sollten beachten, dass auch Verluste bei diesem Produkt möglich sind.
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