Rendite mit Aufrüstung
Wie österreichische Unternehmen vom weltweiten Boom profitieren.
Christian Sec. Nach Jahrzehnten der Abrüstung setzt nun auch in Europa ein neues Wettrüsten ein. Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte in diesem Jahr an, die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas machen zu wollen. Und auch die EU schwenkt zunehmend auf Aufrüstungskurs ein. Der Europäische Verteidigungsfonds ist mit rund 8 Milliarden Euro dotiert und soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Rüstungsindustrie fördern – auch mit Blick auf das langfristige Ziel einer EU-Verteidigungsunion.
„War es für Unternehmen vor einigen Jahren noch verpönt, ihre Verbindungen zur Rüstungsindustrie offen zu legen, hat sich dieses Bild inzwischen gewandelt“, erklärte Andreas Klauser, CEO von Palfinger, bei einem Kongress. Palfinger ist bereits seit Langem im Defense-Bereich tätig – etwa für das österreichische Bundesheer, aber auch z.B. für Deutschland und Kanada, wie Klauser einräumt. Insgesamt liegt das Engagement des Unternehmens im Defense-Bereich derzeit bei unter 5%.
Grenzenlose Euphorie
Diese neue Offenheit gegenüber der Rüstungsbranche zeigt sich auch an den Kapitalmärkten: Die Aktienkurse der Unternehmen steigen teils sprunghaft. Im April verwies Frequentis-CEO Norbert Haslacher in einem Interview mit der deutschen Börsen-Zeitung auf die großen Wachstumsperspektiven des Unternehmens im Militärbereich. Gerade die zweistelligen Margen im Defense-Bereich sind höher als in der zivilen Luftfahrt. Seit der Ankündigung ist der Kurs der Frequentis-Aktie um rund 50 % gestiegen. Der Bereich Defense machte im Vorjahr 96 Millionen Euro aus – etwa 20 % des Gesamtumsatzes der Gruppe. Im Jahr 2023 lag der Umsatz im Verteidigungsbereich bei 85 Millionen Euro, bei ähnlichem Umsatzanteil.
„Durch die veränderte geopolitische Lage erwarten wir für die kommenden Jahre steigende Investitionen in die militärische Sicherheit – also in Flugsicherung und Luftverteidigung“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage des Börsen-Kurier. Immerhin konnte das Unternehmen einen bedeutenden Auftrag der deutschen Bundeswehr zur Modernisierung des militärischen Radardatennetzes an Land ziehen. Auch die US-Army zählt zu den Kunden: So installierte Frequentis einen digitalen Flugsicherungstower für das US-Verteidigungsministerium an der Heeresgarnison im deutschen Ansbach.
Mehr als 60 % des Umsatzes erzielt Steyr Motors im Bereich Defense. Im März gab das Unternehmen eine Rahmenvereinbarung mit der Rheinmetall Landsysteme GmbH bekannt, die eine strategische Partnerschaft für die Entwicklung und Lieferung von Motoren für militärische Anwendungen vorsieht. Die Vereinbarung führte auch zu einem deutlichen Anstieg des Auftragsbestands, der bis 2027 auf nahezu 200 Millionen Euro anwachsen soll. Nach der Veröffentlichung schnellte der Aktienkurs kurzfristig von rund 35 auf 240 Euro, um danach wieder in normale Gefilde zurückzukehren.
Auch in den USA hat Steyr Motors die Belieferung der US-Navy Seals mit Spezialmotoren weiter ausgebaut. Die Motoren des Unternehmens kommen vor allem in militärischen Spezialfahrzeugen, auf Booten sowie als Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven zum Einsatz. Für das Jahr 2025 strebt Steyr Motors ein Umsatzwachstum von mindestens 40 % gegenüber dem Vorjahr an.
Profiteure vom Spielfeldrand
Aber auch Unternehmen aus dem rein zivilen Bereich profitieren indirekt vom Rüstungsboom.
So baut die FACC für Archer Aviation, einem US-Marktführer für Urban Air Mobility, zivile Drohnen. Rund 150 dieser Geräte werden in den USA für den militärischen Einsatz umgerüstet, wie Robert Machtlinger berichtete. Grundsätzlich habe der Technologiepartner der zivilen Luftfahrtindustrie jedoch nicht vor, sein Kerngeschäft auf den Verteidigungsbereich auszuweiten.
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