US-Dominanz an Weltbörsen – aber Europa legt zu

Nvidia, Microsoft und Co. weiter tonangebend, Verschiebungen sind allerdings auszumachen.

EY/Red. Ungeachtet der weltweiten Zuspitzung geopolitischer Spannungen und der steigenden Zahl von Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen: Die wertvollsten Unternehmen der Welt konnten ihren Börsenwert im ersten Halbjahr weiter steigern. Der kumulierte Wert der 100 teuersten Unternehmen legte um 6,1 % auf aktuell rund 47,4 Billionen US-Dollar zu – ein neuer Rekord.

Anders als in den Vorjahren zeigten sich diesmal die US-Unternehmen im Ranking nicht als Wachstumschampions: Während die 19 asiatischen Unternehmen unter den Top-100 ihren Wert um 6,5 % steigern konnten und die 19 europäischen Unternehmen sogar einen Wertzuwachs von 8,8 % erzielten, stieg der Börsenwert der 60 US-amerikanischen Unternehmen nur um 5,8 %.

USA weiter dominant
Trotzdem: US-Firmen dominieren aber natürlich weiterhin das Ranking. Von den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt haben 60 ihren Sitz in den USA – das sind nur zwei weniger als zu Jahresbeginn. Und unter den Top-10 finden sich neun US-Unternehmen und ein saudi-arabisches: der Ölkonzern Saudi Aramco auf Platz sieben. Die Zahl der europäischen Unternehmen unter den Top 100 stieg im ersten Halbjahr von 18 auf 19, die Zahl der asiatischen von 17 auf 19.

SAP erstmals vorne
Erstmals seit Beginn der halbjährlich durchgeführten EY-Analyse im Jahr 2007 ist ein deutscher Konzern das wertvollste europäische Unternehmen: Der Softwarekonzern SAP liegt mit einem Börsenwert von 354 Milliarden US-Dollar weltweit auf Rang 27 – vor dem niederländischen Chip-Unternehmen ASML auf Rang 30 und dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk auf Rang 31.

Erste und Verbund dabei
Insgesamt ist Deutschland derzeit wie schon zu Jahresbeginn mit drei Unternehmen im Top-100-Ranking vertreten. Neben SAP sind das Siemens auf Rang 74 (Börsenwert: 199 Milliarden US-Dollar) und die Deutsche Telekom auf Rang 88 (Milliarden US-Dollar). Mit der Erste Group Rang 659) und dem Verbund (Rang 818) befinden sich auch zwei österreichische Unternehmen unter den Top 1.000.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsorganisation EY, die die Marktkapitalisierung der am höchsten bewerteten Unternehmen weltweit halbjährlich untersucht. Stichtag für die vorliegende Analyse ist der 30.6.2025 (Börsenschluss).

„Das erste Halbjahr war von einer schwachen Konjunkturentwicklung und einer zunehmenden Zahl geopolitischer Spannungen geprägt“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich, dazu. „Die neue US-Regierung hat mit ihrer Zollpolitik für erhebliche Verunsicherung gesorgt und zeitweise starke Turbulenzen an den Börsen ausgelöst. Gleichzeitig hat sich die Lage im Nahen Osten zuletzt weiter verschärft. Dennoch konnten die wichtigsten Börsenindizes außerhalb der USA im ersten Halbjahr Kursgewinne verzeichnen. Offenbar gehen Investorinnen und Investoren weltweit eher von einer Stabilisierung der Lage und einer anschließenden Rückkehr auf einen Wachstumspfad aus – trotz der nach wie vor hohen Eskalationsgefahr im Nahen Osten sowie der Sorge vor einem stark anziehenden Ölpreis und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen.“

KI-Boom hält an
Schon im Vorjahr hatte der KI-Boom für eine Rekordjagd an den Börsen gesorgt und die Bewertungen vieler Unternehmen aus dem Technologiesektor in die Höhe getrieben. Inzwischen scheinen Investoren die Perspektiven des Technologiesektors etwas zurückhaltender zu bewerten, der Boom hält aber an: Die Zahl der Tech-Unternehmen im Top 100 Ranking stieg zwar leicht von 24 auf 25, ihr Gesamtwert erhöhte sich überdurchschnittlich stark um 8 % – nach einem Wertzuwachs von 40 % im Vorjahr. Klar führend sind gerade in diesem Bereich Unternehmen aus den USA: Von den 25 Technologieunternehmen unter den Top 100 haben 17 ihren Hauptsitz in den USA.

„Künstliche Intelligenz wird auch in den kommenden Jahren eine zunehmend wichtige Rolle in zahlreichen Branchen spielen. Nach der anfänglichen Euphorie befindet sich der Umgang mit KI nun in einer Phase der praktischen Umsetzung. Dieser Übergang ist oft langwierig und mit Rückschlägen verbunden – nicht alle anfänglichen Erwartungen lassen sich in der Praxis realisieren. Dennoch bleibt KI unterm Strich einer der zentralen technologischen Trends, der mittelfristig tiefgreifende Veränderungen in vielen Bereichen bewirken wird – und damit erhebliche Wertschöpfungspotenziale mit sich bringt“, so Reimoser.

Europäische Autoindustrie unter „ferner liefen“
Ende 2023 waren noch alle deutschen Autokonzerne unter den 300 teuersten Unternehmen der Welt vertreten, derzeit schafft es hingegen keiner mehr in diese Liste. Der wertvollste Autokonzern der Welt ist zur Jahresmitte der US-Autobauer Tesla auf Rang zehn mit einem Börsenwert von 1 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Die deutschen Autohersteller Mercedes-Benz, Volkswagen, BMW und Porsche kommen zusammen auf einen Börsenwert von knapp 208 Milliarden US-Dollar und belegen die Ränge 381, 402, 405 und 484. Der französisch-US-amerikanische Autokonzern Stellantis liegt auf Rang 738, Renault nur auf Rang 1.718. Der chinesische Autokonzern BYD hingegen kann sich auf Rang 121 platzieren und damit weit vor den deutschen Autobauern, deren Marktkapitalisierung im Verlauf des ersten Halbjahres zudem gerade einmal um 0,7 % stieg.

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