Warum Österreicher (nicht) in heimische Aktien investieren
Potenzial des Kapitalmarkts bleibt für große Teile der Bevölkerung ungenutzt.
Marius Perger. „Die Aktie ist in Österreich ein Nischenprodukt“, sagt Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Marketagent.com. Der Zugang bleibe vielen verschlossen, dafür gebe es emotionale, kognitive und finanzielle Gründe: „So bleibt das Potenzial des Kapitalmarkts für große Teile der Bevölkerung ungenutzt.“
Für die Studie „Aktien und Anlageverhalten in Österreich“ hat Marketagent Ende April/Anfang Mai 1.000 Personen zwischen 14 und 75 Jahren zu ihrer Risikobereitschaft, ihren Strategien und zu Investitionsbarrieren befragt. Die Ergebnisse seien repräsentativ für die österreichische Bevölkerung, so das Institut.
Buch mit sieben Siegeln
Geldanlage sei für viele immer noch ein „Buch mit sieben Siegeln“, heißt es in der Studie. Auch seien die Österreicher risikoscheu, sie würden lieber auf die „Sicherheit des Sparbuches“ setzen. Und schließlich fehle es an Interesse und Wissen.
Gefragt nach ihrem Wissensstand zum Thema Aktien erklären 54,2 % der Studienteilnehmer, dass dieses eher oder sehr schlecht sei. Nur 19 % glauben, eher oder sehr gut über Aktien Bescheid zu wissen. Deutlich besser steht es um den Informationsstand der jüngeren Österreicher: Immerhin 30,4 % der Generation Z (laut Wikipedia Jahrgänge 1997 bis 2012) und 21,1 % der Millennials (Jahrgänge 1981 bis 1996) kennen sich demnach eher oder sehr gut mit Aktien aus. Interessant ist auch das „Gender gap“ beim Wissensstand: Fast jeder dritte Mann (27,6 %), aber nur jede zehnte Frau (10,2 %) bezeichnet das eigene Aktienwissen als gut.
Auch gefühlsmäßig haben die Österreicher laut Studie Vorbehalte gegen Aktien: Diese seien ein „Spielcasino“, sagen 27,6 %, ein sprunghafter Fahrstuhl (25,0 %) oder ein verschlossener Raum, zu dem sie keinen Zugang haben (17,3 %). Und nur knapp 7 % sehen in Aktien einen sicheren Hafen. Als attraktive Anlageformen werden vor allem Gold und Edelmetalle, Immobilien sowie Sparbücher, Sparkonten und Bausparen gesehen. Erst an vierter Stelle rangieren hier Aktien, Aktienfonds, ETFs und Anleihen.
Wie wirklich investiert wird
Tatsächlich würden 29,4 % der Österreicher Aktien, Aktienfonds, ETFs oder Anleihen besitzen, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Damit liegen Wertpapiere auf Rang zwei hinter Sparbüchern, Sparkonten und Bausparen (zusammen 53,7 %). Auch hier sind Männer (37,87 %) und die Generation Z (36,0 %) überproportional vertreten.
Entscheidend für den Besitz von Wertpapieren ist laut Studie vor allem die Risikofreudigkeit: Während deutlich mehr als die Hälfte der sehr oder moderat risikofreudigen Menschen ihr Geld so anlegen, ist es bei den Risikoscheuen nur ein knappes Viertel, bei Risikoaversen sind es überhaupt nur 4,3 %.
„Kein Geld übrig“ zu haben, ist der meistgenannte Grund dafür, nicht in Wertpapiere zu investieren – das sagen 37,5 % der Befragten, wobei Mehrfach-Nennungen möglich waren. Fast ebenso viele (36,9 %) meinen, sie hätten dafür zu wenig Wissen bzw. Erfahrung. Für 29,7 % ist das Risiko zu hoch und jeder Vierte (25,2 %) hat kein Vertrauen in die Finanzmärkte. Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit sind dagegen nur für jeden Zwanzigsten (5,4 %) ein Grund, nicht (mehr) in Wertpapiere zu investieren.
Investitionen in heimische Werte
Nur etwas mehr als ein Viertel der Aktien, Aktienfonds und ETFs in den Portfolios der Österreicher stammen von heimischen Unternehmen – exakt 27,1 %, so die Studie. „Heimatverbundener“ sind die älteren Mitbürger: So liegt der Anteil bei den Babyboomern (Jahrgänge 1946 bis 1964) bei 40,3 %, bei der Generation X (1965 bis 1980) bei 36,7 %. Wenig von österreichischen Aktien dürfte dagegen die Generation Z halten: Deren Anteil in den Portfolios der nach 1997 Geborenen beträgt nur 13,8 %.
Empfehlungen sind der meistgenannte Grund, Geld für österreichische Wertpapiere auszugeben. Insgesamt 26,5 % der Befragten sagen, dass sie deshalb Wertpapiere heimischer Unternehmen besitzen. Deutlich mehr Frauen (40,7 %) verlassen sich auf Empfehlungen als Männer (18,6 %). Regionale Verbundenheit ist für rund jeden Vierten (23,5 %) Hauptgrund für heimische Aktien, Anleihen etc., die bessere Kenntnis des österreichischen Aktienmarktes und österreichischer Unternehmen ist für 14,4 % ausschlaggebend.
Jene Studienteilnehmer, die keine österreichischen Wertpapiere besitzen, geben als Hauptgrund dafür an, dass sie bei internationalen Aktien höhere Chancen auf Kursgewinne sehen (39,8 %). Eine bessere Kenntnis der internationalen Unternehmen bzw. Märkte führen 17,7 % als Grund an. Enttäuschungen mit österreichischen Aktien in der Vergangenheit sind immerhin für 4,4 % der Grund, abgeraten von österreichischen Aktien wurde 3,9 % der Befragten.
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