Steyr Motors AG: mehr als nur eine a.o. HV
Der Motorhersteller ließ sich unter anderem ein Aktienoptionsprogramm genehmigen.
Cornelius Pirch. Nur 20 Aktionäre sowie der Börsen-Kurier hatten den Weg ins idyllische Steyr auf sich genommen, wohin der oberösterreichische Motorenhersteller zur außerordentlichen Hauptversammlung geladen hatte. Und das, obwohl die Tagesordnung fast schon jener einer ordentlichen Hauptversammlung entsprach, lediglich Gewinnverwendung sowie die Entlastungen der Organe fehlten.
Gutes erstes Halbjahr
Nach den üblichen Präambeln ergriff Alleinvorstand Julian Cassutti das Wort und ging kurz auf das erste Halbjahr ein, wobei er betonte, dass das Ergebnis den Erwartungen entsprach: „Unser Kurs wurde klar bestätigt, die Auftragslage ist mit 300 Millionen Euro bis 2030 hervorragend.“ Dazu merkte er an, dass sehr profitable Umsätze stichtagsbedingt ins zweite Halbjahr fallen, für das er eine steigende Profitabilität erwartet.
Dazu sieht er gute Chancen für kurzfristige Aufträge, vor allem durch das Sonderbeschaffungsprogramm der deutschen Bundeswehr, das ja die Anschaffung von mehreren Hundert Rad- und Kettenpanzern vorsieht.
Neuer Aufsichtsrat und Vorratsbeschlüsse
Im Anschluss gaben er und Aufsichtsratsvorsitzender Christian Klingler einige Erläuterungen zu den sechs Tagesordnungspunkten. „Sie werden verstehen, dass unser neuer Ankeraktionär, die B&C Holding, einen Sitz im Aufsichtsrat einnehmen möchte, darum soll heute Alexander Fitzka statt Philipp Berghofer, dem ich herzlich für seine Tätigkeit danke, in den AR gewählt werden“, erklärte Klingler. Die Punkte 2 bis 4 seien reine Vorratsbeschlüsse, wobei das Aktienoptionsprogramm zunächst nur für Cassutti gelten soll, sobald ein zweiter Vorstand gefunden ist, auch für diesen und „weitere leitende Angestellte“. Top 3 (bedingte Kapitalerhöhung) und 4 (Aktienrückkauf) sind für die Erfüllung des Programms vorgesehen.
Top 5, die Überarbeitung der Satzung sei unabdingbar, da in der alten Version nicht klar gewesen sei, ob die deutsche oder englische Fassung maßgeblich ist- Außerdem wurde sie gestrafft und an die üblichen Standards angepasst. Top 6 schließlich ist nur die Ergänzung des Prüfungsauftrags durch den Konzernabschluss an den in der ordentlichen Hauptversammlung gewählten Abschlussprüfer.
Nur ein Redner
Die folgende Generaldebatte wurde von einem einzigen Redner bestritten, der anmerkte, dass er das Optionsprogramm „engagiert“ finde, es aber dafür noch zu früh sei, da „so etwas erst ab einem Umsatz von 100 Millionen Euro üblich“ sei. Hier handle es sich um einen Anreiz für den Vorstand, erwiderte Klingler. „Er hat einen hervorragenden Job gemacht, soll das Wachstum weiter steigern und schließlich auch was davon haben.“
Warum im Programm eine Behaltedauer von nur einem statt sonst zwei Jahren und dafür ein (unübliches) Pönale von sechs Monatsgehältern und 20 % Zinsen stehe, wollte der Anteilseigner auch wissen. „Wir wollen nicht, dass kurzfristig Profit gezogen wird, und da ist ein Jahr völlig ausreichend“, erklärte Klingler. „Und das Pönale gehört halt auch dazu.“
Weiters folgte die unvermeidliche, aber verständliche Kritik an der Aufnahme der virtuellen Hauptversammlung in die Satzung, da dies „die Aktionäre eh net wollen“. Das sei inzwischen Standard, antwortete Klingler, außerdem gebe es internationale Investoren, die solche Regelungen „gern sehen“. „Wir wollen grundsätzlich die Hauptversammlung in Präsenz hier in Steyr abhalten, das versichere ich Ihnen, da müssen Sie sich keine Sorgen machen“, kalmierte der Aufsichtsratsvorsitzende.
Schlussendlich gab es noch Schmunzeln im Publikum, als Klingler die Frage, wer im Aufsichtsrat für den Streubesitz zuständig sei, mit „alle“ beantwortete.
Und so kam es nach etwas mehr als einer Stunde zu den Abstimmungen, wobei es bei der Wahl von Fitzka, dem Aktienoptionsprogramm und der bedingten Kapitalerhöhung rund 20 % Gegenstimmen gab, bei der Satzungsänderung aber nur 0,0091 %, was ob der Kritik doch etwas erstaunte.
