ATX-Aufsteiger im Börsen-Kurier-Check
Porr und Strabag haben trotz jüngster Kursanstiege weiteres Potenzial. (17.09.)
Michael Kordovsky. Die 1869 gegründete Porr AG ist das am längsten an der Wiener Börse gelistete Unternehmen, während die Geschichte der Strabag-Gruppe 1835 mit der Gründung des Familienhandwerksbetriebs Anton Lerchbaumer in Spittal, dem Ursprung der ILBAU, beginnt. Beide Aktien haben sich binnen eines Jahres im Kurs mehr als verdoppelt.
Strabag – Profiteur des deutschen Infrastrukturprogramms
Strabag zählt mit einem Leistungsvolumen von 19,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 zu den führenden Unternehmen in Zentral- und Osteuropa. 36 % davon fallen auf Transportinfrastruktur und 8 % auf den Tunnelbau. Das Unternehmen erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2025 eine im Jahresvergleich um 7 % höhere Leistung von rund 8,9 Milliarden Euro, wobei die Hälfte der Leistungssteigerung auf die Erstkonsolidierung der Georgiou Group in Australien zurückzuführen ist.
Australien trug Ende Juni 2025 bereits rund 660 Millionen Euro zum Auftragsbestand bei, der insgesamt im Jahresvergleich um 13 % auf 28,4 Milliarden Euro wuchs, was u.a. auf Projektakquisitionen in den Bereichen Bahnbau, Energieinfrastruktur, High-Tech-Bauten sowie Universitäts- und Forschungseinrichtungen zurückzuführen ist. Zu den positiven Entwicklungen sagte Erste-Group-Analyst Michael Marschallinger zum Börsen-Kurier: „Die Strabag ist am deutschen Straßeninfrastrukturmarkt unangefochtener Marktführer und sollte daher entsprechend vom angekündigten 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturpaket profitieren.“ Für die Erste Group ist Strabag der Hauptnutznießer innerhalb deren Coverage-Universums, „was vor allem auf das bedeutende Engagement des Unternehmens auf dem deutschen Markt zurückzuführen ist“. „Diese Mittel dürften Strabag in den kommenden Jahren eine hohe Kapazitätsauslastung in Deutschland sichern“, so Marschallinger.
Porr kann qualitativ wachsen
Der Schwerpunkt von Porr liegt in der DACH-Region sowie in Polen, Rumänien, Tschechien und Slowakei. Wichtige Bereiche des Unternehmens sind Tunnel-, Brücken-, Straßen- und Bahnbau. Eine deutliche Ausweitung der Infrastrukturprojekte fand im ersten Halbjahr 2025 in einem Anstieg des Auftragseingangs um 25,4 % auf 4,05 Milliarden Euro Ausdruck. Dazu Stefan Scharff, Analyst bei SRC Research in Berlin, gegenüber dem Börsen-Kurier: „Porr gewinnt zahlreiche neue Eisenbahnbau- und andere Infrastrukturaufträge, beispielsweise in Rumänien und Polen, wo im zweiten Quartal Bahnaufträge im Wert von 818 Millionen Euro lukriert werden konnten. Generell war der Tiefbau ein Wachstumsmotor, der bis Ende Juni gegenüber Jahresende 2024 einen weiteren Zuwachs des Auftragsbestands um über 10 % auf 9,4 Milliarden Euro ermöglichte.“ Das sollte sich positiv auf die Rentabilität auswirken. „Porr ist damit nämlich in der glücklichen Ausgangsposition, sich bei neuen Projekten die margenträchtigsten Aufträge aussuchen zu können, was sich positiv auf die Zielerreichung auswirken sollte. Ihr für 2030 gestecktes Ziel einer Ebit-Marge von 3,5 bis 4,0 % sollte nach unseren Schätzungen bereits 2027 (3,5 %) möglich sein, nach rund 3,0 % im laufenden Jahr“, erklärt Scharff. Mit der steigenden Rentabilität sollte auch eine Verbesserung der Eigenkapitalquote von 20,9 % im Jahr 2024 auf 25,7 % bis 2027 einhergehen. SRC Research stuft die Aktie auf „Buy“ mit einem Kursziel von 35 Euro.
Analysten sehen Strabag solide aufgestellt
Strabag konnte laut Angaben in der aktuellen Präsentation „Strabag Investment Case“ im Zeitraum von 2015 bis 2024 das Ebit von 341 Millionen Euro auf 1,06 Milliarden Euro steigern, während sich die Ebit-Marge von 2,6 auf 6,1 % verbesserte. Das Unternehmen verfolgt eine interessante Diversifikationsstrategie, was im laufenden Jahr die Übernahme der WTE Wassertechnik GmbH, Essen zeigt, durch die man zum Komplettanbieter für Wasserinfrastruktur aufsteigt (kombiniertes Portfolio mit 400 Millionen Euro Jahresleistung). WTE plant, finanziert, baut und betreibt Projekte in den Bereichen Abwassermanagement, Wasserversorgung, Klärschlammbehandlung und Energierückgewinnung in Europa und dem Nahen Osten.
Die Netto-Cash-Position stieg binnen zwölf Monaten bis Ende Juni um 15 % auf 1,87 Milliarden Euro. Das ist bei einer bilanziellen Eigenkapitalquote von 32,4 % eine solide Basis. Die Analysten der Erste Group stufen Strabag auf „Akkumulieren“ mit einem Kursziel von 93 Euro bei weitgehend unveränderten Gewinnschätzungen für 2025 und 2026. Marschallinger sagt in diesem Zusammenhang gegenüber dem Börsen-Kurier: „Allerdings hat sich der Aktienkurs in diesem Jahr annähernd verdoppelt und mit KGVs von 15,9x und 15,6x für 2025e und 2026e notiert die Strabag mit Prämien gegenüber Peer-Unternehmen. Auf der anderen Seite – und dies unterstützt unsere positive Empfehlung – steht die überragende Bilanz mit Netto-Cash-Position von geschätzt 2,6 Milliarden Euro Ende 2025e, die die EV/Ebitda-Bewertungen weiterhin attraktiv machen (4,3x und 4,0x für 2025e bzw. 2026e).“ Zudem geht er in den Jahren 2025 bis 2029 im Schnitt von 4,4 % Ebitda-Wachstum aus, während die Nettogewinne bei steigenden Umsätzen und gleichzeitig steigenden Margen im Schnitt um 6,2 % wachsen sollten. Der Schätzungskonsens von MarketScreener rechnet indessen damit, dass, der Gewinn/Aktie von 2025 bis 2027 von 5,62 auf rund 6,55 Euro steigt.
Wachstumsdynamik bei Porr
Porr konnte von 2021 bis 2024 das Betriebsergebnis (Ebit) von 95,2 auf 158,4 Millionen Euro steigern und war in der Lage die Ebit-Marge von 1,8 auf 2,6 % zu verbessern. Ein Kostensenkungsprogramm ermöglichte eine Reduktion der Overhead-Kosten von 8,2 % im Jahr 2020 bis 2024 auf 7,6 % des Umsatzes.
Patrick Speck, Senior Analyst bei Montega AG (Hamburg), stuft die Aktien von Porr auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 36 Euro. Zu den Möglichkeiten äußert er sich gegenüber dem Börsen-Kurier wie folgt: „Die größten Chancen sehe ich in Deutschland, aber auch in Osteuropa. Für Deutschland ergibt sich dies aus der Modernisierung der in die Jahre gekommenen Infrastruktur sowie weiteren strukturellen Faktoren wie der Energiewende, Urbanisierung und Digitalisierung. In Osteuropa erleben wir nach wie vor einen Auf- und Ausbau der Infrastruktur aufstrebender Länder wie Polen. All dies bringt umfangreiche und zum Teil hochkomplexe Bauprojekte mit sich, auf die Porr spezialisiert ist. In der Ukraine selbst wird Porr meines Erachtens nicht aktiv sein, könnte aber indirekt von der Bindung der Kapazitäten anderer Wettbewerber dort profitieren“. Zu den Schwachpunkten meint Speck: „Eine der Schwächen ist meines Erachtens die nach wie vor relativ geringe Profitabilität. Das amtierende Management hat in den letzten Jahren aber einen guten Job gemacht, die Marge sukzessive zu verbessern. Im Bauwesen sind zudem Projekt- und Beschaffungsrisiken immanent. Marktrisiken im Sinne einer ausbleibenden Nachfrage oder die aktuellen Zollstreitigkeiten dürften für Porr hingegen keine große Rolle spielen. Auf die Frage nach den Wachstumsraten in den kommenden fünf Jahren antwortet Speck: „Wir rechnen hier mit überproportionalem Gewinnwachstum von rund 7 % bei Ebitda bzw. 12 % beim Gewinn pro Aktie, da Porr angesichts des bereits heute vollen Orderbuchs eine sehr selektive Projektakquise betreiben kann. Hinzu kommt, dass durch die branchenweit steigende Kapazitätsauslastung sowie Spezialfähigkeiten Porrs wie das patentierte Slab.Track-System im Bahnbau sich auch die Pricing Power des Konzerns weiter verbessern sollte.“
Wirft man einen Blick auf den Schätzungskonsens von MarketScreener, dann sollte der Gewinn/Aktie von 2024 bis 2026 von rund 2,89 auf 3,60 Euro steigen.
Foto: Pixelio / Bernd-Sterzl
