Neid-Debatte vs. Reality Check
Studie der Anlegerschützer zum Thema Vergütung bei Austro-AGs.
Klaus Schweinegger. „Für manche verdient der Vorstand immer zu viel. Da macht es keinen Unterschied, ob dafür extreme Steuern bezahlt werden oder es weniger wird. Man stelle sich in diesem Zusammenhang nur eine analoge Kürzung bei Tarifverträgen vor. Die von uns untersuchte Transparenz der Vergütung ermöglicht jedenfalls einen Vergleich. Das ist ein wichtiger Schritt beim Thema Angemessenheit“, so IVA-Präsident Florian Beckermann im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Hintergrund ist die vom Interessenverband für Anleger regelmäßig durchgeführte Studie, in der heuer wieder 40 Unternehmen aus dem ATX Prime Market bzw. die Vergütung der 161 Vorstände untersucht wurden.
Im Schnitt weniger verdient
Für 2024 lässt sich festhalten, dass das Management der österreichischen börsengelisteten Unternehmen – losgelöst von der Performance der entsprechenden Aktien – im Durchschnitt um 7,7 % oder rund 480.000 Euro weniger verdient hat. Mit großem Abstand Spitzenreiter sowohl bei der Vorstands- wie auch bei der Aufsichtsratsvergütung bleibt die ehemalige Arbeiterbank Bawag, deren Vorstandsvorsitzender Anas Abuzaakouk fast das Doppelte erhält wie der Zweitplatzierte, Andritz-CEO Joachim Schoenback, der weltweit aber immerhin mehr als 30.000 Mitarbeiter verantwortet.
Abseits dieses Ausreißers nach oben gibt es Seitens des IVA aber wenig Kritik an der Höhe der Gehälter. Beckermann, der die heimischen Bezüge im internationalen Vergleich als gering einstuft, dazu: „Die ATX-Gehälter messen auch den österreichischen Markt für hochqualifiziertes Management. Wer nicht wettbewerbsfähig zahlt, bekommt nur zweitrangiges Personal. Kein Aktionär kann das wollen, Arbeitnehmer wohl auch nicht. Wenn wir weniger als die Hälfte bspw. deutscher Gehälter zahlen, haben wir einen Nachteil. Von internationalen Aufsichtsräten spreche ich nicht.“
Risikoaversion?
Ein Ergebnis der Untersuchung ist auch, dass der Anteil der variablen Vergütung 2024 zwar bei mehr als 40 % blieb, aber insgesamt gesunken ist. Die im Umkehrschluss gestiegenen fixen Gehälter könnten ein Indiz für eine gewisse Risikoaversion des Managements in unsicheren Zeiten sein, so der IVA. Und Beckermann gibt zu bedenken: „Wenn Vorstände weniger verdienen, ist die Lage grundsätzlich ernst: Das Unternehmen wächst nicht entsprechend, die Zielerreichung findet nicht statt und die variable Vergütung sinkt. Das ist eine Erkenntnis aus unserer Untersuchung.“
Nicht wettbewerbsfähig
Große Sorgen bereiten Beckermann die niedrigen Aufsichtsratstantiemen, auch wenn diese im vergangenen Jahr um 6,5 % auf in Summe 21,7 Millionen Euro (für die 291 Aufsichtsräte im ATX Prime, Anm.) gestiegen sind. Diese seien in Österreich lediglich Entschädigungen und vor allem „nicht wettbewerbsfähig“. Obwohl es sich etwa bei Banken und Versicherungen eigentlich um verantwortungsvolle Full Time Jobs handle, so der Branchenkenner.
Besonders eklatant tritt das Problem im staatsnahen Bereich zutage. Beckermann gegenüber dem Börsen-Kurier: „Insbesondere die Aufsichtsratshonorare in ÖBAG-Beteiligungen machen mir Sorgen. Die dahinterliegende Frage: Wie soll man unabhängiges Top-Personal in den Aufsichtsrat bekommen, wenn man nicht entsprechend zu zahlen bereit ist? Wer widerspricht für teilweise nicht mal 1.000 Euro netto im Monat?“ Sowohl die Aufsichtsrats- als auch die Vorstandsvergütungen von OMV, Post und Co. bewegen sich tendenziell im hinteren Mittelfeld, dies steht laut der Anlegerschützer aber meist in keiner Relation zur Unternehmensgröße.
