Sachwerte immer öfters als Zuflucht

Immobilien, Gold und Infrastruktur als Bollwerk gegen Inflation und geopolitische Unsicherheit.

Michael Kordovsky. Der Goldpreis ist in den vergangenen fünf Jahren in Euro gerechnet um knapp 89 % gestiegen (per 17.9.); auf Jahressicht liegt das Plus sogar bei
35 %. Fakt ist, dass Gold nach den hohen Inflationsraten der beiden Jahre davor im Jahr 2024 mit einem Plus von mehr als 34 % aufgeholt hat. Nicht umsonst halten die Vermögensverwalter von Flossbach von Storch in ihrem „Multiple Opportunities II – R“, einem aktienorientierten Mischfonds, rund 10 % Gold als eine Art „Feuerversicherung“ gegen bekannte und unbekannte Risiken des Finanzsystems.

Dass dies seine Berechtigung hat, zeigt eine Publikation von Rothschild & Co mit dem Titel „Unverhofft kommt oft? Inflation und die Entwicklung von Anlageklassen“ aus dem Jahr 2022: Demnach habe Gold Im Zeitraum von 1971 bis 2021 ab Inflationsraten von 6 % die höchste durchschnittliche reale Performance gezeigt, und zwar von 17,8 % bei einer US-Inflationsrate von 6 bis 8 % und sogar von 22 % im Falle von mehr als 8 % Inflation. In einem Niedriginflationsumfeld von 0 bis 2 % habe sich Gold dagegen im Schnitt leicht negativ entwickelt. Aktien hingegen florieren in einem Umfeld niedrigerer Inflationsraten, bieten aber bei hoher Volatilität im Falle einer Hyperinflation einen realen Vermögenserhalt – so Erfahrungswerte aus Deutschland in den Jahren 1920 bis 1923.

Immobilien als Dauerbrenner
Wer Geld oder Zugang zu günstigen Finanzierungen hat, flieht in unsicheren Zeiten in Betongold – eine Entwicklung, die zwar durch höhere Zinsen 2023 und 2024 etwas gebremst wurde, aber immer noch intakt ist. Wirft man einen Blick auf den von der OeNB veröffentlichten Wohnimmobilienpreisindex, dann ist im Zeitraum 2007 bis zum 2. Quartal 2025 in Wien der Preis für gebrauchte Wohnungen um 5,3 % p.a. gestiegen. Im Falle vermieteter Wohnungen kommen dann noch laufende Mieteinnahmen hinzu. Aktuell sind bei gebrauchten Wohnungen Mietrenditen von 4 % und teilweise auch mehr durchaus erzielbar und unter freien Marktbedingungen gäbe es sogar eine Steigerung der Mieterträge im Einklang mit dem Verbraucherpreisindex. Wer hierzulande als Vermieter mit gewissen Rahmenbedingungen nicht ganz zufrieden ist, findet im Falle von geplanten Immobilienkäufen, die ausschließlich mit Eigenmitteln getätigt werden, in Ländern wie Albanien, Serbien, Rumänien und der Türkei noch lukrative Wohnungsmärkte mit Angeboten zu erschwinglichen Preisen.

Infrastruktur-Aktien
Weitere Möglichkeiten sind Infrastrukturaktien bzw. „Listed Infrastructure“. Der Vorteil: Einschlägige Fonds und ETFs ermöglichen auch kleinere Investmentsummen zur Portfoliodiversifikation. In den vergangenen Jahren ist diese Anlagekategorie wieder zu neuem Leben erwacht, da Unternehmen, die im Bereich der Infrastruktur tätig sind, je nach Segment über eine – mehr oder weniger starke – Pricing-Power verfügen. Im Einklang mit der Teuerung steigen dann die Einnahmen dieser Firmen. Der 75 Werte der Cluster Energie, Transport und Versorger enthaltende S&P Global Infrastructure Index brachte es in Euro in den vergangen zehn Jahren umgerechnet auf eine Performance (Total Return) von 8,14 % p.a. (Stichtag 16.9.). Auf Jahressicht liegt das Plus bei 10,4 %. Dabei stimmen auch die Fundamentaldaten mit einem Forward-KGV von 18,9 bei einer indikativen Dividendenrendite von 3,66 % (per 29.8.).

Schutz gegen Geldentwertung
Geldanlagen kosten Spesen und die realisierten Erträge müssen versteuert werden. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob jemand sich ausschließlich mit 1,50 bis 1,75 % p.a. auf Festgeldkonten zufriedengibt und im Umfeld von Inflationsraten um die 4 % Jahr für Jahr einen schleichenden realen Wertverlust erleidet, oder die Geldanlage selbst in die Hand nimmt und mit Aktienfonds/ETF-Sparplänen, Infrastruktur-Fonds/ETF-Investments, Goldsparplänen und im Falle größerer Summen auch Anlageimmobilien diversifiziert. In letzterem Fall wären die Cash-Reserven auf einen „Notgroschen“ beschränkt und das veranlagte Geld beginnt zu arbeiten. Die erwarteten Bruttorenditen sollten dabei insgesamt über der Inflationsrate liegen. Zwar kann nach Abzug von Kosten und Steuern auch hier niemand einen realen Vermögenserhalt garantieren, doch die Ausgangsposition ist in Form wesentlich höherer Performance-Erwartungswerte als auf dem Sparkonto eine wesentlich bessere.

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