Wie Anleger ihr Depot aufrüsten können
Geopolitische Spannungen erhöhen den Bedarf an Sicherheit. Das bietet neue Investmentchancen.
Raja Korinek. Die Kriege in der Ukraine sowie im Nahen Osten toben weiter. Und so mehren sich die Schlagzeilen zur globalen Aufrüstung. Vor wenigen Tagen verkündete Dänemark sein Interesse am Kauf von Langstrecken-Präzisionswaffen. In Australien gab Verteidigungsminister Richard Marles den Ausbau einer Werft für atombetriebene U-Boote in Höhe von umgerechnet 6,8 Milliarden Euro bekannt. Frankreich hat jüngst mehrere Kampfflieger nach Polen geschickt.
Dabei hatten die globalen Rüstungsausgaben bereits 2024 mit 2,72 Billionen US-Dollar ein Rekordhoch erreicht. Dies geht aus Zahlen des „Trends in World Military Expenditure 2024“-Berichts des schwedischen Forschungsinstituts „Stockholm International Peace Research Institute“ hervor. Gut möglich, dass die Zahl heuer nochmals übertroffen werden könnte.
Unternehmen aus der Verteidigungs- und Rüstungsbranche sowie aus dem Software- und Cybersektor verdienen derzeit gutes Geld, ihre Aktienkurse sind teils stark gestiegen. Andreas Bartels, Analyst bei der deutschen Ratingagentur Scope, hebt weitere Merkmale der Branchenkonzerne hervor: Sie profitieren oftmals von staatlichen Aufträgen und seien in internationale Sicherheitsnetzwerke stark eingebunden. Auch die geopolitischen Entwicklungen haben einen Einfluss auf die Auftragslage.
Regionaler Fokus in der Produktpalette
Für Anleger, die breit gestreut in den Sektor investieren wollen, gibt es solch eine Möglichkeit mit börsengehandelten Indexfonds ETFs (Exchange Traded Funds) sowie aktiv verwalteten Fonds. Viele der Produkte wurden erst in jüngster Vergangenheit lanciert. Scope nahm die Entwicklung zum Anlass, sich die Entwicklungen anzusehen.
Eines fällt auf: „Zunächst wurden vor allem global ausgerichtete Rüstungsfonds aufgelegt, inzwischen rücken verstärkt Produkte mit europäischem Fokus nach und zuletzt auch mit jenem auf den indopazifischen Raum.“ Inzwischen gibt es 20 in der EU zugelassene Produkte mit einem gesamten verwalteten Vermögen von 13,3 Milliarden Euro (per 3.9.).
Bartels unterstreicht ein weiteres Detail. So liegen die laufenden Kosten der ETFs in einer Spanne von 0,18 bis 0,65 %, während die aktiv gemanagten Rüstungsfonds mit 1,20 bis 1,95 % jährlichen Kosten teurer sind. Die laufenden Kosten setzen die im Fonds anfallenden jährlichen Kosten, vor allem für das Management, in Relation zum Fondsvolumen.
Liquidität im Fokus
Auch der Blick auf die Volumina offenbart Interessantes, sie sind maßgeblich für die Liquidität. Die größten ETFs sind der „VanEck Defense UCITS ETF“ (5,8 Milliarden Euro) – mit einem globalen Fokus – sowie der „WisdomTree Europe Defence UCITS ETF“ (3 Milliarden Euro).
Anleger, die ihren Fokus in Richtung Asien legen wollen, können dies mit dem „Future of Defence Indo-Pacific ex-China UCITS ETF“ tun. Darin ist Südkorea mit fast 60 % am höchsten gewichtet, gefolgt von Japan und Australien. Hanwha Aerospace aus Südkorea sicherte sich etwa einen Auftrag über 270 Milliarden Korea Won von DAPA („Defense Acquisition Program Administration“, die für den Rüstungsaufbau im Land zuständig ist) zur Lieferung von Robotern, die Sprengstoff aufspüren können. Mitsubishi Heavy Industries mischt in Japans Rüstungsindustrie stark mit, der Konzern baut U-Boote sowie Raketen – etwa die H3, eine mittelschwere Trägerrakete. Bei allen Produkten und Aktien sind auch Verluste möglich, etwa dann, wenn angestrebte Friedensverhandlungen fruchten sollten.
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