Chinas Börsen starten wieder durch
Die Bewertungen sind günstig, staatliche Maßnahmen stützen: Vieles spricht für einen Aufschwung.
Raja Korinek. Derzeit vergeht beinahe kaum ein Tag ohne Meldungen zum US-Handelskonflikt oder Europas Pläne zur Aufrüstung. Dabei lohnt der Blick in den Fernen Osten, so etwa nach China. In der Region haben die Börsen in den vergangenen zwölf Monaten ein gutes Stück zugelegt. Allein der MSCI China Index verzeichnete ein Plus von rund 48 % (auf USD-Basis per 29.9.).
Dabei werde die Rallye von mehreren Faktoren angetrieben, betont Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „So lenken niedrige Zinsen auf Sparkonten mit weniger als 1 % und fallende Immobilienpreise zunehmend Liquidität in den Aktienmarkt.“ Stephan verweist in diesem Zusammenhang auf aktuelle Statistiken und meint, „die Spareinlagen chinesischer Haushalte haben sich im Juli um 0,7 % auf umgerechnet 19,6 BioE reduziert“.
Günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis
Die Bewertungen sind jedenfalls günstig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI China Index für die kommenden zwölf Monate liegt bei 12,4, somit ein gutes Stück unter dem Rekordhoch von 18, das 2021 erreicht wurde, erklärt James Donald, Leiter der Emerging-Markets-Plattform von Lazard Asset Management. Interessant ist auch der Vergleich zum MSCI Emerging Markets Index: Hier liegt das erwartete KGV bei knapp mehr als 13 und somit ebenfalls über jenem Chinas – obwohl das Reich der Mitte mit gut einem Drittel den größten Anteil darin ausmacht.
Doch es gibt auch fundamentale Treiber, die das Vertrauen wieder stärken dürften. Donald nennt die politische Unterstützung für Unternehmen. Die Regierung habe ein klares Bekenntnis zur Stabilisierung der Wirtschaft abgegeben. Tatsächlich soll der Binnenmarkt weiter angekurbelt, der Konsum ein wichtiger Wachstumsmotor werden. Zugleich wird der Fokus auf die Exportwirtschaft reduziert. Dabei sorgte der Aufschub möglicher US-Zölle bis zum 10.11. für Erleichterung in letzterem Sektor.
Langfristige Wachstumstreiber
Donald verweist auf weitere strukturelle Wachstumstreiber und nennt den Ausbau Künstlicher Intelligenz (KI) sowie die dafür notwendige Halbleiterfertigung. Auch in der grünen Wende mischt China kräftig mit. Das Land verfügt über die weltweit größten Kapazitäten in der Photovoltaik.
Anleger, die auf die weitere Entwicklung an den Börsen Chinas – vor allem im Technologiebereich – setzen wollen, können dies mit Zertifikaten tun.
Das „Solactive-China-Dragons-7-Indexzertifikat“ der Société Générale setzt auf die Kursentwicklung sieben chinesischer Technologieaktien. Dazu gehört der E-Kommerzanbieter Alibaba. Der Konzern investiert derzeit in KI, um Kunden mit Werbeinseraten zielgenauer anzupeilen. Baidu, ebenfalls Teil des Indexes, betreibt eine Suchmaschine, während Tencent trotz staatlicher Regulierung immer noch stark im Online-Spielemarkt mitmischt. Zudem betreibt der Konzern die größte Social-Media-Plattform WeChat und den Online-Bezahldienst WeChat Pay.
Das „Solactive-China-Internet-Indexzertifikat“ der Bank Vontobel umfasst sogar zehn Unternehmen, die am wachsenden Online-Konsummarkt verdienen. Dazu zählt das Reisebüro Trip.com. Das Potenzial ist groß. So springt die Reiselust in China zunehmend an und wird oftmals mit der App des Konzerns abgedeckt. Kuaishou Technology, in das ebenso investiert wird, betreibt soziale Plattformen für Kurzvideos und Livestreaming. Bei beiden Zertifikaten sind auch Verluste möglich.
Foto: AdobeStock / Argus
