Commerzbank im Abwehrkampf
Offizielles Übernahmeangebot durch den Konkurrenten Unicredit rückt immer näher.
Stefan Riedel. Für Vorstand, Belegschaft und Aktionäre der Commerzbank bahnt sich ein heißer Herbst an. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob dem Übernahmepoker von Unicredit ein konkretes Angebot folgt. 29,34 % der Commerzbank-Anteile kontrolliert das italienische Geldhaus aktuell. Wird die 30-%-Marke überschritten, wäre die Unicredit laut dem Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet, den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot vorzulegen. Ein solches Pflichtangebot müsste mindestens dem durchschnittlichen Aktienkurs der letzten drei Monate entsprechen.
Am 25. September hatte die Commerzbank ein Programm zum Aktienrückkauf zum Wert von
1 Milliarde Euro angekündigt. Insgesamt 912.937 Stück hat die Bank zum 26. September zurückgekauft. Werden die Papiere eingezogen, wird Unicredit wahrscheinlich auf einen Anteil von mehr als 30 % des Aktionariats kommen. Die Konzernspitze selbst lehnt eine Übernahme ab. Darüber hinaus hält die Bundesregierung weiter 12 % an der Commerzbank und will sich von diesem Anteil nicht trennen.
Für den Abwehrkampf hat die seit genau einem Jahr amtierende Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp die Renditeziele für die kommenden Jahre nach oben gesetzt. Zugleich lockt die Commerzbank ihre Aktionäre mit höheren Ausschüttungen – auch um sie vom etwaigen Verkauf ihrer Aktien an die Unicredit abzubringen. Und das Geschäft läuft rund: Im ersten Halbjahr 2025 hat der Dax-Konzern das beste operative Ergebnis in seiner 155-jährigen Firmenhistorie erzielt.
Riskante Kapitalmaßnahme
Durch einen „Kurs-Verdoppler“ seit Jahresanfang hat sich der Börsenwert der Commerzbank auf mehr als 36 Milliarden Euro erhöht. Die Strategie im Abwehrkampf, den eigenen Aktienkurs so hoch wie möglich treiben, um eine Übernahme so unattraktiv wie möglich zu machen, scheint also aufzugehen. Allerdings notiert die Aktie aktuell deutlich unter ihrem Ein-Jahres-Hoch bei 38,40 Euro, das sie am 22. August erreicht hatte.
Kritiker melden sich zu Wort, die dem Vorstand vorwerfen, mit dem Rückkauf eigener Aktien ein konkretes Übernahmeangebot zu beschleunigen. „Es besteht das Risiko, dass die Commerzbank unbeabsichtigt in eine strategische Falle tappt. Ich empfehle der Commerzbank, ihre Aktienrückkäufe komplett auszusetzen und bei ihren Ausschüttungen vorerst ausschließlich auf Dividenden zu setzen“, meint Roy Adams von der US-Investmentfirma Metronuclear, die 500.000 Commerzbank-Aktien hält.
Fundamental ist die Aktie gut bezahlt
Dazu kommt, dass eine wachsende Zahl von Analysten das kräftige Renditewachstum mit dem Höhenflug der Aktie weitgehend eingepreist sieht. So hat Kian Abouhossein von JPMorgan gerade sein Kursziel von 30 auf 33 Euro erhöht. Zugleich sieht er die Effekte jetzt als fair bewertet und sieht sie nur noch als Halteposition. Die Kursziele aller Analysten, die den Wert covern, liegen zwischen 22 und 35 Euro.
Bewertungstechnisch wird es für die Aktie mit einem 2026er-KGV von elf langsam dünn. Wer bereits investiert ist, sollte die bisherigen Buchgewinne genau durchrechnen. Liegen diese bei 50 % und darüber, empfiehlt es sich, bis zur Hälfte der bislang eingegangenen Positionen glattzustellen.
Kommt es tatsächlich zu einem Übernahmeangebot, erhöht sich die Rendite. Floppt die Transaktion, sollten die Gewinne aus den verkauften Aktien die zu erwartenden Kursverluste der „Coba“-Aktie mehr als kompensieren.
Foto: Commerzbank
