Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse im Langfrist‑Check

Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse zeigen Stabilität, Substanz und teils überraschend Dynamik.

14.10.2025 Altbewährt, aber keineswegs altmodisch

Die traditionsreichsten börsennotierten Unternehmen Österreichs zeigen, dass Alter kein Nachteil ist. Viele dieser Gesellschaften verbinden Substanz, Stabilität und überraschende Ertragsdynamik – und bleiben damit relevante Fixpunkte im österreichischen Kapitalmarkt.

Porr, Wienerberger und UBM: Die drei ältesten Unternehmen der Wiener Börse

Die ältesten kontinuierlich notierenden Gesellschaften sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint sie eine robuste Aufstellung und eine langfristig solide Entwicklung.

Porr: Steigendes Ebit und verbesserte Analystenschätzungen

Das Bauunternehmen konnte sein Ebit von 95,2 Mio. Euro (2021) auf 158,4 Mio. Euro (2024) erhöhen. Laut MarketScreener wurden die Prognosen für 2027 zuletzt angehoben. Zwischen 2025 und 2026 soll der Gewinn pro Aktie von 2,87 auf 3,61 Euro steigen. Beim Kurs von 30,55 Euro ergibt sich ein geschätztes 2027er‑KGV von 8,5 – ein im Branchenvergleich günstiger Wert.

Wienerberger: Profiteur eines Infrastrukturzyklus

Der Baustoffkonzern zählt zu den Dauerläufern der Wiener Börse. Bei einem Kurs von 27,02 Euro liegt das erwartete Kurs/Cash‑Flow‑Verhältnis 2027 bei 6,9, das KGV bei 7,8. Analysten rechnen mit einem Ertragssprung, insbesondere bei einem möglichen Infrastrukturboom in Europa und den USA.

UBM Development: Rückkehr in die Gewinnzone

Der Immobilienentwickler fokussiert auf Deutschland und Österreich; die Pipeline besteht bereits zu 60 % aus Wohnimmobilien. Nach zwei Verlustjahren wird 2025 wieder ein positives Ergebnis erwartet. Deutlich stärkere Gewinnanstiege sehen Analysten für 2026 und 2027.

 

Semperit: Transformation und zyklische Belastungen

Die viertälteste börsennotierte AG in Wien hat sich von Gummiprodukten hin zu Industrieanwendungen transformiert. Aufgrund der Unsicherheiten rund um US‑Einfuhrzölle wurde die Ebitda‑Prognose leicht nach unten angepasst. Ab 2026 erwarten Analysten wieder spürbare Umsatz- und Ergebnissteigerungen.

Linz Textil und Heid: Solide Fundamentaldaten, aber geringe Liquidität

Linz Textil

  • Segment: Standard Market Auction
  • Marktkapitalisierung: 72 Mio. Euro
  • Umsatz 2024: 69 Mio. Euro
  • Ebit: 2,9 Mio. Euro
  • Eigenkapitalquote per 30. Juni: 85 %

Maschinenfabrik Heid

  • Marktkapitalisierung: 5,4 Mio. Euro
  • Letzter Kurs (15. September): 1,38 Euro
  • Operativ kaum aktiv, Fokus auf Finanzanlagen und Beteiligungen
  • Handel extrem illiquide

Manner: Tradition, Markenstärke und steigender Cashflow

Der Süßwarenhersteller Manner zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung:

  • Umsatzanstieg 2019–2024: 206,9 → 288,4 Mio. Euro
  • Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit: 11,3 → 44 Mio. Euro
  • Auch im 1. Halbjahr 2025 steigen die Erträge weiter

Nach einer längeren Seitwärtsphase könnte der Aktienkurs aufgrund der Fundamentaldaten wieder Impulse erhalten.

Stadlauer Malzfabrik: Besitzgesellschaft mit stabiler Struktur

  • Marktkapitalisierung: 29,1 Mio. Euro
  • Sehr illiquider Handel
  • Funktioniert primär als Besitzgesellschaft für die Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH

Die IPO‑Welle der 1980er‑Jahre

Die zweite Hälfte der 1980er brachte eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts.

Lenzing (IPO 1985)

Der Faserhersteller zeigt traditionell zyklische Ertragsschwankungen und befindet sich aktuell in einer herausfordernden Marktphase.

Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank (IPO 1986)

Alle drei Institute sind bis heute an der Wiener Börse gelistet und gelten als stabile Regionalbanken mit konservativen Geschäftsmodellen.

Versorger aus der Privatisierungsphase

Zu den bedeutendsten Privatisierungs‑Listings zählen:

  • OMV
  • Verbund
  • EVN

Sie prägen bis heute den österreichischen Leitindex.

🏛️ Die 20 ältesten Unternehmen der Wiener Börse

Die 20 ältesten in Wien gelisteten Unternehmen (Quelle: Wiener Börse)

ISIN Name Erstnotiz
AT0000609607 Porr AG 08.04.1869
AT0000831706 Wienerberger AG 15.04.1869
AT0000815402 UBM Development AG 10.04.1873
AT0000785555 Semperit AG Holding 27.09.1890
AT0000723606 Linz Textil Holding AG 28.07.1890
AT0000690151 Maschinenfabrik Heid AG 04.05.1906
AT0000728209 Josef Manner & Comp. AG 14.05.1919
AT0000797303 Stadlauer Malzfabrik AG 13.03.1922
AT0000644505 Lenzing AG 19.09.1985
AT0000624705 BKS Bank AG 01.07.1986
AT0000625108 Oberbank AG 01.07.1986
AT0000625504 BTV Vier Länder Bank AG 01.07.1986
AT0000743059 OMV AG 03.12.1987
AT0000641352 CA Immobilien Anlagen AG 20.04.1988
AT0000746409 Verbund AG 06.12.1988
AT0000741053 EVN AG 27.11.1989
AT0000767306 Rath AG 20.12.1989
AT0000640552 Burgenland Holding AG 14.05.1990
AT0000762406 Frauenthal Holding AG 10.06.1991
AT00000VIE62 Flughafen Wien AG 15.06.1992

 

Autor: Michael Kordovsky