Die traditionsreichsten börsennotierten Unternehmen Österreichs zeigen, dass Alter kein Nachteil ist. Viele dieser Gesellschaften verbinden Substanz, Stabilität und überraschende Ertragsdynamik – und bleiben damit relevante Fixpunkte im österreichischen Kapitalmarkt.
Porr, Wienerberger und UBM: Die drei ältesten Unternehmen der Wiener Börse
Die ältesten kontinuierlich notierenden Gesellschaften sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint sie eine robuste Aufstellung und eine langfristig solide Entwicklung.
Porr: Steigendes Ebit und verbesserte Analystenschätzungen
Das Bauunternehmen konnte sein Ebit von 95,2 Mio. Euro (2021) auf 158,4 Mio. Euro (2024) erhöhen. Laut MarketScreener wurden die Prognosen für 2027 zuletzt angehoben. Zwischen 2025 und 2026 soll der Gewinn pro Aktie von 2,87 auf 3,61 Euro steigen. Beim Kurs von 30,55 Euro ergibt sich ein geschätztes 2027er‑KGV von 8,5 – ein im Branchenvergleich günstiger Wert.
Wienerberger: Profiteur eines Infrastrukturzyklus
Der Baustoffkonzern zählt zu den Dauerläufern der Wiener Börse. Bei einem Kurs von 27,02 Euro liegt das erwartete Kurs/Cash‑Flow‑Verhältnis 2027 bei 6,9, das KGV bei 7,8. Analysten rechnen mit einem Ertragssprung, insbesondere bei einem möglichen Infrastrukturboom in Europa und den USA.
UBM Development: Rückkehr in die Gewinnzone
Der Immobilienentwickler fokussiert auf Deutschland und Österreich; die Pipeline besteht bereits zu 60 % aus Wohnimmobilien. Nach zwei Verlustjahren wird 2025 wieder ein positives Ergebnis erwartet. Deutlich stärkere Gewinnanstiege sehen Analysten für 2026 und 2027.
Semperit: Transformation und zyklische Belastungen
Die viertälteste börsennotierte AG in Wien hat sich von Gummiprodukten hin zu Industrieanwendungen transformiert. Aufgrund der Unsicherheiten rund um US‑Einfuhrzölle wurde die Ebitda‑Prognose leicht nach unten angepasst. Ab 2026 erwarten Analysten wieder spürbare Umsatz- und Ergebnissteigerungen.
Linz Textil und Heid: Solide Fundamentaldaten, aber geringe Liquidität
Linz Textil
- Segment: Standard Market Auction
- Marktkapitalisierung: 72 Mio. Euro
- Umsatz 2024: 69 Mio. Euro
- Ebit: 2,9 Mio. Euro
- Eigenkapitalquote per 30. Juni: 85 %
Maschinenfabrik Heid
- Marktkapitalisierung: 5,4 Mio. Euro
- Letzter Kurs (15. September): 1,38 Euro
- Operativ kaum aktiv, Fokus auf Finanzanlagen und Beteiligungen
- Handel extrem illiquide
Manner: Tradition, Markenstärke und steigender Cashflow
Der Süßwarenhersteller Manner zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung:
- Umsatzanstieg 2019–2024: 206,9 → 288,4 Mio. Euro
- Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit: 11,3 → 44 Mio. Euro
- Auch im 1. Halbjahr 2025 steigen die Erträge weiter
Nach einer längeren Seitwärtsphase könnte der Aktienkurs aufgrund der Fundamentaldaten wieder Impulse erhalten.
Stadlauer Malzfabrik: Besitzgesellschaft mit stabiler Struktur
- Marktkapitalisierung: 29,1 Mio. Euro
- Sehr illiquider Handel
- Funktioniert primär als Besitzgesellschaft für die Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH
Die IPO‑Welle der 1980er‑Jahre
Die zweite Hälfte der 1980er brachte eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts.
Lenzing (IPO 1985)
Der Faserhersteller zeigt traditionell zyklische Ertragsschwankungen und befindet sich aktuell in einer herausfordernden Marktphase.
Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank (IPO 1986)
Alle drei Institute sind bis heute an der Wiener Börse gelistet und gelten als stabile Regionalbanken mit konservativen Geschäftsmodellen.
Versorger aus der Privatisierungsphase
Zu den bedeutendsten Privatisierungs‑Listings zählen:
- OMV
- Verbund
- EVN
Sie prägen bis heute den österreichischen Leitindex.
