Kommt die Jahresendrallye?

Trotz Verschnaufpause des ATX rechnen Experten mit einem schönen Jahresausklang.

Patrick Baldia. Mit einem Plus von rund 27 % seit Jahresbeginn erlebt der ATX heuer wieder ein richtig starkes Jahr. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, schwacher Konjunktur und anhaltend hoher Inflation konnte er vor allem große globale Indizes wie Dax, Nasdaq Composite, S&P 500 oder Stoxx Europe deutlich in die Schranken weisen. Seit einigen Wochen befindet sich der heimische Leitindex jedoch mehr oder weniger in einer Seitwärtsbewegung. Bei den Anlegern drängen sich zunehmend Fragen auf: „War‘s das schon?“, „Werden künftig wieder kleinere Brötchen gebacken?“, oder: „Kommt es doch noch zur Jahresendrallye?“

„Dass der ATX seit einigen Wochen eine Verschnaufpause einlegt, ist völlig in Ordnung“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Schließlich wären viele Wiener Titel heuer auch zu schnell und zu stark gestiegen. „Der Markt hat bei einigen Titeln einfach zu viel Hoffnung eingepreist“, urteilt der Manager des „3 Banken Österreich-Fonds“ (ISIN: AT0000662275). Das beste Beispiel ist Frequentis. Das heimische Tech-Unternehmen hat seit Anfang 2025 ein Kursplus von fast 170 % (!) verzeichnet. Und wie andere Höhenflieger der ersten Jahreshälfte, verzeichnete die Aktie zuletzt Kursrückgänge.

„Trotz aller Gegenwinde bleibt der Wiener Markt attraktiv“, sagt auch Manfred Sibrawa, Manager des „Amundi Austria Stock“ (AT0000857412), und verweist auf die im internationalen Vergleich niedrigen Bewertungen und attraktiven Dividenden. Zudem befinde man sich hierzulande erst wieder auf dem Niveau der Finanzkrise von 2008, während andere Märkte deutlich weiter wären. „In den kommenden Monaten sehe ich keinen größeren Grund zur Sorge“, zeigt sich der Experte im Gespräch mit dem Börsen-Kurier optimistisch.

Anlegerstimmung im neutralen Bereich
„Wir sind für die kommenden Wochen grundsätzlich sehr positiv auf den Wiener Markt eingestellt“, glaubt auch Roland Zauner, Manager des „Kepler DACH Plus Aktienfonds“ (AT0000647680), an die Fortsetzung des positiven Trends. Für eine Jahresendrallye spreche nicht zuletzt auch die Saisonalität bzw. dass das vierte Quartal üblicherweise gut ausfiel. Zauner weist allerdings darauf hin, dass die Lage auch von der Stimmung der Anleger abhängig sei, die er zuletzt im „neutralen Bereich“ sah.

Nicht von der Hand weisen möchte Zauner jedoch, dass viele ATX-Unternehmen heuer eher schwache Zahlen berichtet haben. “Viele tun sich mit den hohen Energiepreisen schwer”, sagt er zum Börsen-Kurier. Auch Sibrawa verweist auf die “inhomogene Kursentwicklung” des Wiener Marktes. So würden einige Titel aus dem Industrie- oder Versorgerbereich deutlich – teilweise sogar zweistellig – im Minus liegen. Andererseits würde besonders der Technologiesektor, aber auch Bau-, Infrastruktur- und Stahlunternehmen eine beeindruckende Entwicklung zeigen. Gerade in den Bereichen sind auch die Portfolios der drei Experten stark positioniert.

Und wie geht es 2026 weiter?
„Ich erwarte, dass der ATX 2026 eine Performance im hohen einstelligen Bereich erzielt“, wagt Wögerbauer eine Prognose. Ein Grund für seinen Optimismus: 2026 sollten an der Wiener Börse die ersten Effekte des deutschen Konjunkturprogramms zu spüren sein. Nicht nur deshalb sei die aktuelle Verschnaufpause des ATX kein Grund zu verkaufen. „Grundsätzlich ist es besser, wenn man langfristig investiert bleibt“, so Zauner. Nachsatz des Kepler-Experten: „Wenn man die Rücksetzer vermeiden will, wird man auch die Erholung verpassen.“

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