Österreichs High-Tech-Aktien im Check

Der Börsen-Kurier hat sich die Unternehmen und deren Chancen angeschaut.

Michael Kordovsky. Während an der Nasdaq bei den Technologie-Blue-Chips für 2026 geschätzte KGVs im Bereich von 25 bis 30 niemanden erschrecken, erscheinen einzelne österreichische Technologieunternehmen regelrecht „ausgebombt“. Doch das hat seine Gründe: Die Unternehmen sind kleiner skaliert als die US-Giganten, haben teilweise mit relativ hohen Kosten zu kämpfen und zuletzt kam noch ein schwacher US-Dollar hinzu.

ams Osram mit Belastungen
Im Falle von ams Osram belastet zusätzlich noch eine hohe Verschuldung. Im Sommer hat Fitch das langfristige Emittenten-Ausfallsrating des Unternehmens von B+ auf B herabgestuft (mit Ausblick stabil). Die Begründung lag auch darin, dass die wichtigsten Kreditkennzahlen wie Bruttoverschuldungsquote und auch die Free-Cashflow-Marge gegenüber dem Rating schwach waren.

Positiver Ausblick bei AT&S
Besser sind die Perspektiven beim Leiterplattenhersteller AT&S, der unter anderem im Zuge einer Kooperation mit Intel von einer höheren Nachfrage nach IC-Substraten profitieren sollte. Zudem sollte sich bald die Rentabilität verbessern – wir schrieben darüber bereits in der Ausgabe vom 2. Oktober.

Fabasoft mit Wachstum
Ein österreichisches Software-Unternehmen, das im Cloud-Bereich wächst, ist Fabasoft. Der Spezialist ist primär in der DACH-Region aktiv und war in der Lage, vom Geschäftsjahr (endet am 31.3.) 2019/20 bis 2024/25 bei einer Umsatzsteigerung von 11,2 % p.a. den Cashflow um 10,4 % zu steigern. Laut Schätzungskonsens von MarketScreener sollte der Gewinn pro Aktie in den kommenden zwei Jahren von 0,81 auf 1,06 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 16,10 Euro ein für 2027/28 erwartetes KGV von günstigen 15,2 resultiert.

Austriacard mit Wachstumsschub
Regelrecht „ausgebombt“ ist der Kurs der Austriacard Holdings, die gemeinsam mit Dell Technologies die „GaiaB Appliance“, eine Generative-KI-Lösung zur Automatisierung von Geschäftsprozessen und Unternehmensabläufen entwickelt. Austriacard ist auf Zahlungslösungen, Identifikation, Smart Cards, Personalisierung, Digitalisierung und sicheres Datenmanagement spezialisiert.

Der Aktienkurs geriet infolge einer Abwärtsrevision der Ertragsprognose des Managements unter Druck. Ein Umsatzrückgang von 16 % im ersten Halbjahr 2025 ist auf eine Normalisierung des türkischen Zahlungskartenmarktes, einen vorübergehenden Rückgang der Metallkartenverkäufe an Fintechs in Europa sowie auf administrative Verzögerungen bei einzelnen vertraglich vereinbarten Digitalisierungsprojekten im öffentlichen Sektor in Griechenland zurückzuführen. Die Folge: Umsatzverschiebungen ins Jahr 2026, das dann einen Wachstumsschub bringen sollte. Laut MarketScreener liegt das mittlere Kursziel der Analysten bei 7,22 Euro verglichen mit einem Kurs von 5,10 Euro, auf dessen Basis das für 2026 geschätzte KGV lediglich bei 8,2 liegt.

Frequentis und der Drohnenhype
Frequentis erhielt einen Kursschub, da das Unternehmen eine wichtige Rolle in der Ausstattung der Luftraumüberwachung spielt – insbesondere im aktuellen Umfeld der gehäuften Drohnensichtungen. Der Konzern, der in der Lage war, den Gewinn pro Aktie von 0,82 Euro im Jahr 2017 auf 1,66 Euro in 2024 zu steigern, verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 folglich auch einen Auftragsschub.

Allerdings ist der Kurs mit einem Plus von rund 240 % in den vergangenen zwölf Monaten schon heiß gelaufen und eine Konsolidierung wäre natürlich, denn auf Basis eines Kurses von 90 Euro liegt – trotz allen Wachstums – das für 2027 erwartete KGV bereits bei 32,8.

Kontron noch günstig bewertet
Interessant erscheint die auf IoT-Lösungen spezialisierte Kontron, die durch Fokussierung auf rentablere Aufträge eine deutliche Verbesserung erzielen konnte. Das Management hob den Ausblick an und wirft man einen Blick auf den aktuellen Schätzungskonsens, dann sollte der Gewinn pro Aktie von 2025 bis 2027 von 2,18 auf 2,44 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 26,34 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von günstigen 10,8 resultiert.

Die Analysten heben ihre Gewinnprognosen zuletzt wieder tendenziell an und es bestehen bei anhaltend positiven Einschätzungen gute Chancen auf mittelfristige Kursgewinne.

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