Scout24 – für Anleger nicht günstig, aber äußerst renditehaltig

Der Dax-Neuling hat mit seiner Immobilienplattform ein robustes und wachstumsstarkes Geschäftsmodell entwickelt.

Stefan Riedel. Das Geschäftsmodell der seit September im Dax gelisteten Scout24 SE (DE000A12DM80) ist schnell erklärt. Die 1998 gegründete Firma aus München bringt auf ihrer Onlineplattform Eigentümer und Vermieter von Immobilien mit Käufern und Mietern zusammen. Als Anzeigenprotal ist Scout24 hier zusammen mit Immobilienwelt Marktführer in Deutschland.

Diversifikation treibt die Marge

Die stabilen Erträge mit der Kernplattform ImmoScout24 und die Preissetzungsmacht bei Produktpaketen wie Makler-Abos schieben die Profitabilität immer weiter nach oben. Dazu kommen zusätzliche Services für Eigentümer und Makler. Mit der Summe dieser Angebote, die wiederkehrende Erlöse generieren, schafft es Scout24, die Umsätze pro Kunde zu erhöhen. „Scout24 überzeugt mit stabilen Plattformerlösen, einem robusten Abo-Fundament und wiederkehrenden Cashflows“, begründet Marcus Diebel von JP Morgan sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 146 Euro.

Zehn der 15 Branchenexperten, die Scout24 covern, empfehlen die Aktie zum Kauf und verweisen dabei auf die stetig wachsenden Erträge. Während der Konzernumsatz zwischen 2019 und 2024 um 57 % auf 566,3 Millionen Euro stieg, schnellte der operative Gewinn im selben Zeitraum um fast 140 % auf 253,3 Millionen Euro nach oben. Nach dem erwarteten Gewinnsprung von mehr als 40 % in diesem Jahr erwarten die Analystenschätzungen für die nächsten zwei Geschäftsjahre ein durchschnittliches Gewinnplus im mittleren zweistelligen Prozentbereich.

Nach dem starken ersten Halbjahr hat das Management die Jahresprognose für 2025 angehoben: Scout24 erwartet 14 bis 15 % Umsatzwachstum und einen Anstieg der Ebitda-Marge um bis zu 70 Basispunkte. 2024 waren es 61,5 %. Die beiden größten Geschäftsfelder Wohnimmobilien und Gewerbeimmobilien arbeiten dabei gleich profitabel.

Neue Wachstumsfelder

Weitere Einnahmen will sich Scout24 nach den Worten von Ralf Weitz mit Künstlicher Intelligenz erschließen. „Wir transformieren uns vom Anzeigenportal zu einem vernetzten Ökosystem. Dabei revolutionieren wir alle Prozesse rund um Immobilien mit modernsten KI-Lösungen“, gibt der seit 15 Jahren im Unternehmen arbeitende und seit März 2025 an der Konzernspitze stehende Vorstandschef die Richtung vor. Firmenkunden können mit speziellen KI-Produkten schnell Videos erstellen oder Bilder verbessern. Die Privatkunden unterstützt KI etwa bei der Objektsuche.

Akquisitionen ergänzen das organische Wachstum: Die im Dezember 2024 übernommene Bulwiengesa AG aus München, ein auf die Beratung und Analyse der Immobilienbranche spezialisiertes Unternehmen, betreibt die Datenbank Riwis, die seit 1990 Daten zu Wohn- und Gewerbeimmobilien sammelt. Um im attraktiven und zugleich fragmentierten spanischen Immobilienmarkt Fuß zu fassen, hat Scout24 weiters im September die zwei spanischen Immobilienplattformen Fotocasa und Habitaclia für 153 Millionen Euro gekauft.

Die Börse reagierte negativ, weil einige Branchenkenner den Kaufpreis als zu hoch einschätzten. Langfristig orientierten Anlegern bietet der aktuelle Kursrücksetzer gute Einstiegskurse. Das optisch stattliche 2026er-KGV ist angemessen für ein Unternehmen, das in seiner Branche operative Topmargen von zuletzt 63 % einfährt.

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