Sind Goldminenaktien bereits zu teuer?

Die Goldhausse bescherte Branchenaktien starke Gewinne. Der Aufschwung ist laut Experten noch intakt.

Raja Korinek. Die Goldhausse kennt kein Halten. Am Montag, den 13. Oktober, schoss die Notierung über die Marke von 4.000 US-Dollar je Unze. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump eine Anhebung der US-Zölle auf chinesische Exporte auf 100 % angekündigt. Die Sorge vor einer weiteren Eskalation ist groß, der Bedarf an einem sicheren Hafen ebenso.

Einen ersten Preisschwung gab es 2019, der jedoch Mitte 2022 einen Rückschlag erlitt. Denn die Notenbanken, etwa in der Eurozone sowie in den USA, hoben die Zinsen kräftig an, um der aufkeimenden Inflation nach dem Pandemieende zu kontern. Generell gilt: Je höher die Verzinsung ist – insbesondere nach Abzug der Inflation –, desto mehr lohnt sich eine Veranlagung, etwa in solide Staatsanleihen im Vergleich zu einem zinslosen Goldinvestment.

Die Rolle der Zinsen
Anfang 2024 begann dann der große Ausbruch, für den es mehrere Gründe gibt. Die Zinsen wurden vor allem in der Eurozone wieder gesenkt. Die geo- sowie die handelspolitischen Konflikte begannen sich zu verschärfen. Auch die Käufe der Notenbanken sind wesentlicher Treiber. Benjamin Louvet, Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management, meint: „Physisches Gold macht erstmals seit 1996 einen größeren Anteil der Reserven aus als US-Staatsanleihen. Die Abkopplung vom US-Dollar schreitet voran, weil viele der Institutionen verstärkt diversifizieren“.

Von dem Aufwind haben Goldminenaktien kräftig profitiert. Für Andreas Böger, Fondsmanager des Erste Stock Gold-Fonds, ist die Entwicklung nachvollziehbar: „Die Produktionskosten liegen im Schnitt bei 1.500 bis 2.000 US-Dollar je Unze. Bei dem aktuellen Preisniveau lukrieren zahlreiche Produzenten eine hohe Gewinnspanne.“

Noch immer günstige Bewertungen
Auch die Bewertungen, gemessen am erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis der großen Minengesellschaften seien zwar auf durchschnittlich 15 gestiegen, jedoch immer noch günstig. „In früheren Hausse-Phasen lagen die Bewertungen um einiges höher“, konstatiert Böger. Er verweist auf einen weiteren Aspekt. So sei die Marktkapitalisierung – grob gerechnet die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs – aller an der Börse notierten Goldminenkonzerne bei rund 700 Milliarden US-Dollar. Jene allein von Microsoft liegt bei 3,8 Billionen US-Dollar.

Auch gingen zahlreiche Konzerne disziplinierter mit ihrem Cashflow um. „Während der vergangenen Hausse, die 2000 begann, wurden teils kostspielige Übernahmen getätigt.“ Als der Goldpreis danach fiel, wurden solche Transaktionen zu einem Verlust. Inzwischen gehe man weitaus vorsichtiger vor. Obendrein werde Geld für Kapitalmaßnahmen, so etwa Aktienrückkäufe, eingesetzt. Aktuelles Beispiel ist Agnico Eagle Mines – die Aktie ist zudem Teil des Fonds. Gemeinsam mit Kinross Gold und Anglogold Ashanti zählen solche Konzerne zu den großen, etablierten Branchen-Player.

Doch auch in kleinere Unternehmen wird investiert, etwa in OceanaGold mit Sitz in Kanada. Das Unternehmen fördert jährlich rund 490.000 Unzen des gelben Edelmetalls. Das Volumen könnte in den kommenden ein bis zwei Jahren auf gut 620.000 Unzen steigen. „Das wäre ein ansehnliches Wachstum“, gefällt Böger die Perspektive. Wie lange insgesamt die Goldhausse anhalten wird, lässt sich freilich schwer prognostizieren. Auf Zwischenkorrekturen müssten sich Anleger allemal einstellen, fügt Böger mahnend hinzu. Wie bei allen Investments sind jedenfalls auch hier Verluste möglich.

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