Aktien, die noch günstig sind

Wir haben Biotech- und Pharmaaktien mit Aufholpotenzial für Sie analysiert.

Michael Kordovsky. Zollunsicherheit bei europäischen Pharmafirmen und Donald Trumps Forderung nach Preissenkungen belasteten die Stimmung. Die Branche erlebt eine „neue Realität“, die aber in zahlreichen Aktienkursen bereits eingepreist ist. Ein Indiz dafür: Der 64 Werte enthaltende World Pharmaceuticals, Biotechnology and Life Sciences Index (USD) weist per 31. Oktober mit 15,7 ein niedrigeres Forward-KGV auf als der MSCI World (20,6) aus.

So findet man Aspiranten
Neben einem niedrigen KGV und im Falle von roten Zahlen hohen Cash-Reserven ist ein Blick auf den Chart sehr wichtig. Gemäß dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ sollte auf eine idealerweise mehrjährige, zumindest aber monatelange Seitwärtsbewegung geachtet werden. Ist bereits ein Ausbruch erfolgt, kann auf den fahrenden Zug aufgesprungen werden, sofern etwas Neues bevorsteht, sprich erfolgversprechende Umstrukturierungen im Gange oder besondere Medikamente in der Pipeline sind.

Die ganz großen Klassiker: Biontech und Pfizer
Nach dem Abflauen des Corona-Impfbooms läuft Biontech seitwärts. Das Fundament bleibt stark: 16,7 Milliarden Euro liquide Mittel versus 21,6 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Mehr als 20 Onkologie-Studien in Phase II/III sichern Pipeline-Potenzial. Das Unternehmen hat zuletzt seine Umsatzprognose angehoben und die Chancen stehen gut, dass bis 2028 besondere Krebsmittel des Unternehmens auf den Markt kommen.

Eine längere Seitwärtsbewegung auf niedrigerem Niveau zeigt auch der Kurs von Pfizer, die Unsicherheit durch einen Deal mit der US-Regierung reduzierte, indem sie Medienberichten zufolge, die Medikamentenpreise in den USA an die niedrigsten Preise anderer Industrienationen anpasst. Pfizer hat ein Kostensenkungsprogramm laufen, das von 2024 bis Ende 2027 Nettoeinsparungen von umgerechnet 6,3 Milliarden Euro bringen sollte. Hinzu kommen eine Reihe vielversprechender Krebsmittel in Phase III. Das Unternehmen rechnet für 2025 mit einem bereinigten Gewinn je Aktie 2,61 bis 2,74 Euro, was einem KGV von rund 8,1 entspricht. Das Unternehmen hat in den vergangenen vier Quartalen die Gewinnprognosen der Analysten im Schnitt um 35 % übertroffen.

Weitere günstige Bewertungen
Der Aktienkurs des erfolgreichen Onkologie-Unternehmens Exelixis befindet sich in einem Aufwärtstrend. Ein aktuelles Highlight kommentiert Michael M. Morrissey, Präsident und CEO von Exelixis in der Aussendung vom 4. November: „Das Cabozantinib-Franchise entwickelte sich weiterhin überdurchschnittlich gut und verzeichnete ein anhaltendes Wachstum bei Nierenzellkarzinomen und neuroendokrinen Tumoren, wo Cabometyx seine Position als führende orale Therapie für neue Patientenanteile im Second-Line- und späteren Setting ausbauen konnte.“ Die Analysten von Zacks rechnen 2026 mit 15 % Gewinnanstieg pro Aktie, und das für 2026 geschätzte KGV liegt bei 13,2.

Auf niedrigem Niveau nachhaltig nach oben aufbrechen könnte der Kurs von Sanofi, deren Flaggschiff-Produkt, Dupixent (Behandlung von Neurodermitis, COPD und Asthma) im dritten Quartal 26,2 % Umsatzwachstum verzeichnete. Der Gewinn pro Aktie sollte laut Analystenschätzungen von 7,74 Euro im Jahr 2025 bis 2029 auf 11,04 Euro wachsen. Bei einem Kurs von 85,6 Euro liegt das für 2027 geschätzte KGV bei 9,5.

Nach langjähriger Durststrecke wieder im Aufwärtstrend ist auch der bedeutende Anbieter von Medikamenten gegen HIV und Hepatitis C, Gilead Sciences, der per 6. November laut Zacks-Konsens mit einem für 2026 geschätzten KGV von 14,5 bewertet ist.

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