Aktien mit Luft viel nach oben
Etliche Enttäuschungen könnten im kommenden Jahr zu den Gewinnern zählen.
Patrick Baldia. Der ATX hat heuer ordentlich an Fahrt aufgenommen und nicht nur ein neues Jahreshoch erreicht, sondern mit rund 4.900 Zählern auch den höchsten Stand seit 2007 (!). Seit Jahresbeginn eine Performance von rund 30 % zu Buche. Würden die Dividendenzahlungen mitberücksichtigt werden, würde sich das Plus sogar bei knapp 40 % belaufen. Kurz: Der ATX hatte schon mal schlechtere Jahre.
Einen maßgeblichen Anteil an der guten Entwicklung des heimischen Leitindex hatten heuer die hochgewichteten Banktitel. Seit Jahresbeginn ist etwa der Kurs der RBI-Aktie um mehr als 60 % gestiegen. Erste Group und Bawag folgen mit rund 50 bzw. 40 %. Stark unterwegs waren auch die Versicherungen. Uniqa und VIG können seit Anfang 2025 ein Plus von 65 bzw. 47 % vorweisen. Für Wolfgang Matejka, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Matejka & Partner Asset Management, haben die heimischen Financials heuer auch davon profitiert, dass der regulatorische Gegenwind geringer ausgefallen ist.
Voestalpine und Strabag top
Absolute ATX-Top-Performer sind seit Jahresbeginn jedenfalls Voestalpine und Strabag mit 86 bzw. 74 %. So weit, so gut. Auch wenn Experten für die Höhenflieger optimistisch gestimmt sind, könnte es für Anleger spannender sein, sich jenen Werten zuzuwenden, die heuer bislang enttäuscht haben bzw. nicht die Erwartungen erfüllt haben. Dazu zählt etwa Wienerberger (YTD-Performance: -4,5 %). „Trotz Top-Management und strategischer Positionierung kann sich das Unternehmen nicht aus dem Zyklus befreien“, sagt Matejka zum Börsen-Kurier. Ein weiterer Kandidat: Verbund (YTD-Performance: -11 %). Der Versorger wäre eigentlich ein Profiteur von steigenden Gaspreisen, hat allerdings zuletzt mit den Kraftwerken Limberg I und III ein ziemliches Problem bekommen.
Zumtobel: Profiteur der Konjunkturhilfen?
Für Zumtobel schaut es nach Einschätzung von Matejka „eher positiv“ aus. „CEO Alfred Felder geht richtig zur Sache, stellt etwa 40 % der Kosten in Frage“, so der Fondsmanager. In einem halben Jahr könne die Lage schon anders ausschauen. Matejka glaubt nämlich, dass der Leuchtenhersteller auch von den Konjunkturprogrammen in Deutschland profitieren könnte. Ebenfalls auf der Rechnung hat er die Agrana. „Das Unternehmen könnte 2026 wie ein Phönix aus der Asche steigen, wenn sich die Restrukturierungen von 2025 bemerkbar machen“, hält er fest. SBO (YTD-Performance: -11 %) sollten ebenso wie die OMV (+24,5 %) vom steigenden Energiebedarf des boomenden Tech-Sektors – Stichwort: Rechenzentren – profitieren.
Wer auf ein Comeback von Lenzing hofft, muss sich allerdings wohl noch gedulden. Nach aktuellem Stand sehen Experten keinen Sondereffekt, der die hohen Finanzverbindlichkeiten aus der Welt schaffen könnte. „Bei dem schwer angeschlagenen Unternehmen hat man kaum Fortschritte gesehen“, so Alois Wögerbauer zum Börsen-Kurier. Für den Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft stellt sich die Frage, ob sie überhaupt den Boden erreicht hat.
Für Matejka müssen die Eigentümer einen „großen Teil der Verantwortung für die schlechte Entwicklung der vergangenen Jahre tragen müssen“. „Die hohen Investitionen hätten konsequenter zurückgefahren werden müssen“, sagt er abschließend.
Foto: Wienerberger / Robert Oberbichler
