Auktionen, Galerien und der Markt
Zwei Welten, ein Ziel: der Wert der Kunst. So funktioniert der Kunstmarkt.
Lea Schweinegger. Wer verstehen will, wie Preise in der Kunst entstehen, muss die unterschiedlichen Mechanismen von Galerien und Auktionshäusern kennen. Beide prägen den Markt – aber auf völlig verschiedene Weise.
Primärmarkt: Die Rolle der Galerie
Galerien bilden das Fundament des sogenannten „Primärmarkts“. Hier wird ein Werk erstmals verkauft – meist direkt nach seiner Entstehung. Die Galerie arbeitet eng mit den Künstlerinnen und Künstlern zusammen, entwickelt deren Karriere, organisiert Ausstellungen, trägt Kosten für Präsentationen, Kataloge oder Messen und fungiert zugleich als Berater, Kurator und Manager.
Der Preis eines Kunstwerks wird gemeinsam mit dem Künstler festgelegt – ein Fixpreis, der Stabilität garantiert. Grundlage ist häufig der sogenannte „Künstlerfaktor“ (Größe x Faktor), um Preisentwicklung und Marktwert transparent zu halten. Die Galerie erhält in der Regel eine Provision von 30 bis 50 %, die ihre Aufwendungen deckt. Preisstabilität ist hier entscheidend: Ein Unterbieten würde das gesamte System gefährden.
Sekundärmarkt: Bühne der Auktionen
Auktionshäuser agieren im Gegensatz dazu auf dem Sekundärmarkt – dem Wiederverkauf bereits im Umlauf befindlicher Werke. Hier bestimmen Angebot, Nachfrage und Emotionen den Preis. Er entsteht in Echtzeit durch das Bieten – volatil, öffentlich, oft spektakulär.
Das Auktionshaus bietet Expertise, Schätzungen und Logistik, lebt aber von der Dynamik des Augenblicks. Zuschläge können die Erwartungen weit übertreffen – oder deutlich darunterbleiben. Hinzu kommt ein Aufgeld, meist zwischen 20 und 30 %, das an das Auktionshaus geht. Die erzielten Preise sind öffentlich dokumentiert und gelten als Gradmesser des internationalen Marktwerts eines Künstlers.
Globale Player und heimische Größen
Weltweit dominieren einige Traditionshäuser die Branche – darunter Sotheby’s, Christie’s, Bonhams, Poly Auction, Holly International und andere. Sie setzen Maßstäbe bei Rekorden und Sammlertrends, insbesondere in den Sparten Alte Meister, Moderne und Zeitgenössische Kunst.
Auch Österreich spielt eine beachtliche Rolle
Das Dorotheum in Wien, gegründet 1707 unter Kaiser Joseph I., ist das älteste Auktionshaus Mitteleuropas und zählt heute zu den führenden im deutschsprachigen Raum. Mit einem Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro im Jahr 2022 und einem breiten Angebot – von Alten Meistern über Jugendstil bis zu Juwelen und Oldtimern – prägt es den Markt wie kein anderes Haus hierzulande. Besonders in der „Klassischen Moderne“ und der „Zeitgenössischen Kunst“ erzielt das Dorotheum regelmäßig Spitzenpreise für österreichische Künstler wie Martha Jungwirth oder Arnulf Rainer.
Das zweite große Wiener Haus, Auktionshaus im Kinsky, gegründet 1992 und beheimatet im barocken Palais Kinsky, gilt als Spezialist für österreichische Kunst, Jugendstil und Design. Mit einem Jahresumsatz von rund 23 Millionen Euro (2023) hat es sich als wichtigste Alternative zum Dorotheum etabliert und erzielt regelmäßig Rekordpreise für Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele und anderen Meistern der Wiener Moderne.
Zwei Systeme – ein Markt
Galerien und Auktionshäuser verfolgen unterschiedliche Ziele, doch beide sind unverzichtbar für den Kunstmarkt. Während Galerien Karrieren aufbauen und Werte langfristig stabilisieren, spiegeln Auktionshäuser den aktuellen Puls des Marktes wider. Gemeinsam bilden sie ein spannungsreiches System zwischen Beständigkeit und Spekulation – und zeigen, dass Kunst nie nur eine Frage des Geschmacks ist, sondern immer auch eine des Werts.
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