Der Kospi-Index schlägt sie alle
Südkoreas Börse auf dem Weg zum lukrativsten Handelsplatz des Jahres.
Roman Steinbauer. An die Entwicklung der Börse in Seoul reichen andere Indizes heuer bisher nicht heran. Stieg der Kospi 200 seit Jahresbeginn bis Mitte November doch um knapp 80 %. Vor allem nach den politischen Turbulenzen (am 4. April wurde Präsident Yoon Suk-yeol durch das Verfassungsgericht des Amtes enthoben, Anm.) stieg die Kauflaune der Investoren am Aktienmarkt gehörig an. Einen weiteren starken Impuls setzte es durch die südkoreanische Wirtschaftszeitung The Chosun Daily: Ein darin veröffentlichter optimistischer Ausblick durch die Investmentbank JPMorgan Chase trieb die Notizen führender Aktien des Landes weiter hoch.
Die US-Analysten verwiesen auf sich positiv entfaltende Reformen der Regierung, was eine Anhebung des Investment-Ratings von „neutral“ auf „übergewichten“ rechtfertige. JPMorgan sehe den Kospi-50-Index bis Ende 2027 auf mehr als 5.000 Punkten anziehen. Auch solle dafür die günstige Bewertung des Marktes zur Benchmark in Tokio oder Taipeh dafür sorgen.
Und doch gilt die Republik Südkorea, in deren Metropolen Seoul und Busan insgesamt über 13 der 52 Millionen Einwohner leben, keines-wegs als Musterland einer freien Marktwirtschaft. Der starke Einfluss diverser Familienclans in großen Unternehmen, der oft bis weit in die Spitzenpolitik reicht, gerät immer wieder in die Schlagzeilen. In kaum einem anderen hoch entwickelten Industrieland dominieren derart wenige Konglomerate über börsennotierte Gesellschaften, wie es in Südkorea der Fall ist.
Stimulus aus mehreren Richtungen
Doch bestehen in der ostasiatischen Republik aktuell Rahmenbedingungen, die scharenweise Kapital ins Land locken. Die starke Stellung global relevanter Anbieter in Hochtechnologiebereichen führt zu einer regen Nachfrage internationaler Fondsmanager.
Darüber hinaus zeigen sich weitere Aktien-Sektoren südlich des 38. Breitengrades der Halbinsel als treibende Kräfte der Börsenhausse: So florieren Titel traditionell starker Branchen wie der Seefracht-Sparte. Insbesondere wird die Fertigungskompetenz von Containerschiffen oder LNG-Carriern durch Anbieter wie die Korea Shipbuilding & Offshore Eng., Samsung Heavy Industries oder Hanwha Ocean weltweit geschätzt. Durch eine schwache Won-Währung gegenüber dem Euro und dem US-Dollar erfährt zudem die Auftragslage einen weiteren Schub.
Kooperationen in oberster Technologie-Liga
An vorderster Front entpuppen sich Aktien der Halbleiterkonzerne und deren Perspektiven als Triebfeder. So führte unter anderem das Wirtschaftsmagazin The Global Business Anfang Oktober die verkündete Partnerschaft von Samsung Electronics und Hynix mit dem US KI-Pionier OpenAI als Grund für den Fortbestand des Erfolgslaufs an. Soll diese Interessenbündelung doch nicht weniger als die Vorherrschaft in der globalen KI-Infrastruktur mit sich bringen. Dabei werde Samsung Electronics optimierte Halbleiterlösungen für OpenAIs „Stargate“-Initiative bereitstellen, zum anderen werde Samsung SDS (Data Systems) Datencenter für OpenAI entwickeln und AI-Services anbieten.
Starke Wirtschaftsdaten als Eckpfeiler
Südkoreas BIP-Wachstum gewann im dritten Quartal an Fahrt, während die Inflation nur moderat anzog. Die Exporterfolge schlagen sich unterdessen in einem stark ausgeweiteten Handelsbilanzüberschuss nieder. Nach einer sich bis Sommer 2024 hinziehenden Stagnation begünstigte die aufstrebende Wirtschaftsentwicklung dazu eine Aufstockung der Währungsreserven. Anhand der niedrigen Renditen langlaufender Staatsanleihen wird an den Finanzmärkten das hohe Vertrauen in die Bonität des Landes deutlich.
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