Deutschlandfonds profitieren von Staatsinvestitionen

Auch nach der heuer starken Performance sind Experten positiv auf deutsche Aktien gestimmt.

Patrick Baldia. Die deutsche Konjunktur kommt weiter nicht richtig in Schwung. Erst kürzlich haben die Experten von Deutsche Bank Research die BIP-Wachstumsprognose für 2025 von 0,5 auf 0,2 % nach unten revidiert. Und auch die Prognose für das kommende Jahr wurde gesenkt. Anstatt einem Plus von 2 % rechnen die Analysten nun mit einem Anstieg von nur 1,5 %. „Angesichts der starken globalen Gegenwinde habe der finanzpolitische Expansionskurs der Bundesregierung die deutsche Wirtschaft – mit Ausnahme der Rüstungsindustrie – bisher nur schwach belebt“, meinen sie.

Der Dax hat sich von der mauen wirtschaftlichen Lage bislang relativ unbeeindruckt gezeigt und seinen seit längerem andauernden Höhenflug weiter fortgesetzt. Erst im Oktober ist der deutsche Leitindex auf ein neues Allzeithoch von 24.611 Punkten geklettert. Kurz vor Redaktionsschluss stand ein Plus von rund 18 % seit Jahresbeginn zu Buche. Da stellt sich die berechtigte Frage, wieviel Potenzial er weiterhin hat, vor allem nach der starken Performance in den Jahren 2023 mit +19 % und 2024 mit +20 %.

Bei der Commerzbank ist man jedenfalls weiter positiv auf den Dax gestimmt. Bis Ende 2025 prognostiziert Sören Hettler, Leiter Anlagestrategie Privatkunden, einen Stand von 27.500 Zählern. „Den deutschen Indizes hilft neben freundlicheren globalen Bedingungen und den staatlichen Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit das Infrastrukturpaket der Bundesregierung“, meint er. Im Dax dürften 2026 neben dem Industrie- und Verteidigungsbereich Technologieunternehmen und die Finanzbranche Auftrieb erfahren.

2026: Zweistelliges Gewinnwachstum möglich
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Andreas Wendelken, Fondsmanager für deutsche Aktien bei der DWS, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Die fiskalpolitischen Maßnahmen der neuen Bundesregierung, unter anderem in Form von Infrastrukturinvestitionen und Verteidigungsausgaben, sollten nach vorne blickend positive Impulse liefern und dem Wirtschaftswachstum in Deutschland zugutekommen.“ Davon könnten die Unternehmen profitieren und im kommenden Jahr ein zweistelliges Gewinnwachstum erzielen. Nachsatz des Fondsmanagers: „Ein solches Szenario könnte auch weiterhin unterstützend für die Kursentwicklung der Aktien sein.“

„Qualität und Ertragskraft vieler Dax-Unternehmen könnten die aktuelle Bewertung im internationalen Vergleich weiterhin rechtfertigen“, so Wendelken weiter. Gemessen an den Schätzungen für 2026 liege das KGV für den Dax derzeit bei etwa 16. Verglichen mit dem US-Markt wären deutsche Standardwerte damit aber nach wie vor günstig bewertet. Die attraktivsten Gelegenheiten macht der Experte beispielsweise ebenfalls bei Industrieunternehmen aus, die von den angekündigten Infrastrukturpaketen beziehungsweise geplanten Infrastrukturmaßnahmen und von der Erhöhung der Verteidigungsausgaben profitieren könnten. „Auch Small und Mid Caps könnten von den potenziell positiven Impulsen für die Wirtschaftsentwicklung profitieren“, so Wendelken.

Von der starken Entwicklung des deutschen Leitindex haben klarerweise auch Deutschland-Aktienfonds profitiert. Zu den aktuellen Top-Performern seit Jahresbeginn zählt mit einem Plus von rund 22 % etwa der von Wendelken verantwortete „DWS Aktien Strategie Deutschland“ (ISIN: DE0009769869).

Am besten unterwegs war im laufenden Jahr bisher der „MEAG ProInvest“ (ISIN: DE0009754119) mit einer Wertentwicklung von rund 28 % zuletzt. Und unter den Indexfonds waren vor allem der „Amundi DAX II UCITS ETF“ (LU02526 33754) sowie der iShares „Core DAX UCITS ETF“ (DE000 5933931) gute Performer.

Foto: Tobias Reich für Unsplash+