Die Stimmung in den USA kippt

Auch, wenn der Shutdown endet: Die Sorgen der US-Konsumenten liegen tiefer.

Jens Korte, New York. Es sind eigenartige Zeiten. Zuletzt trugen Investitionen in Künstliche Intelligenz mehr zum Wirtschaftswachstum in den USA bei als der Konsum. Dabei steht die Inlandsnachfrage traditionell für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung. Die gesamte Wirtschaftskraft der USA hängt grundsätzlich immer noch am US-Verbraucher. Deshalb ist es auch für die Wall Street nicht ganz unerheblich, ob der Supertanker auf Kurs bleibt. Die jüngsten Entwicklungen geben hier eine Antwort.

Die Stimmung schlägt um
Jüngste Daten zur Konsumentenstimmung haben fast den tiefsten Stand der Historie erreicht. Dieser Index wird erst seit den 1970er Jahren erhoben. Deshalb ist historisch ein großes Wort. Aber der Trend ist deutlich. Die Amerikaner sind nicht happy. Donald Trump führt das auf den Shutdown zurück. Es ist mit Sicherheit nicht hilfreich, dass hunderttausende Amerikaner seit Wochen auf Sozialhilfe oder andere Zahlungen warten. Aber die Sorge der Bevölkerung liegt tiefer. Laut Challenger Gray & Christmas, einem der bekanntesten Personalberater im Land, hat die Zahl der angekündigten Kündigungen den höchsten Stand seit 22 Jahren erreicht. Aufgrund des Shutdowns in Washington gibt es seit Wochen keine zuverlässigen Daten vom Arbeitsmarkt.

Kündigungen werden mehr
Wir sollten nicht zu viel in eine Erhebung hineininterpretieren. Aber es gibt sehr wohl einige Anzeichen, dass die Lage schwieriger wird. Während der Pandemie war es für viele Unternehmen extrem kompliziert, Mitarbeiter zu finden. Deshalb zögerten viele Arbeitgeber, Leute zu kündigen, als sich die Lage wieder entspannte. Doch diese Zurückhaltung scheint sich langsam aufzulösen.

Massenkündigungen gibt es bisher noch nicht, aber bei den Neueinstellungen sind die US-Konzerne vorsichtiger geworden. Laut Challenger spielt die neue, disruptive Technologie zudem eine ähnliche Rolle wie 2003, weshalb die Job-Lage schwieriger wird. Damals war es die Dot-com-Welle, heute ist es der KI-Hype. Ungeachtet dieser Trends wird das Leben für viele Amerikaner immer unerschwinglicher. Die Inflationsraten liegen zwar heute deutlich unter der Teuerung vor drei Jahren. Aber im Vergleich zu 2020 sind etwa Mieten oder Lebensmittelkosten um fast 30 % gestiegen.

Wall Street noch auf Kurs
Die Aktienmärkte haben das bisher gut abgefedert, weil ein relativ kleiner aber sehr zahlungskräftiger Teil der Bevölkerung das Wachstum am Laufen hält. Wenn jetzt die Wall Street abkühlen sollte, dann könnte auch der Schub der Wohlhabenden für die Wirtschaft nachlassen. Und dann könnte 2026 ein schwieriges Umfeld für Wirtschaft und Aktien werden.

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