Schlüsseltechnologien als Chance
Unternehmen, die entsprechende Lösungen anbieten, finden sich in vielen Branchen.
Patrick Baldia. Dass die Welt mit großen Herausforderungen konfrontiert ist, ist schwer zu bestreiten – angefangen mit Handelsbarrieren und Zöllen über Energieversorgungssicherheit und militärische Bedrohungen bis hin zu digitalen Risiken wie Cyberangriffen. Eine entscheidende Rolle kommt in diesem Zusammenhang kritischen Schlüsseltechnologien zu. Sie bestimmen, wie souverän, innovativ und widerstandsfähig ein Land sein kann. Für Anleger stellen Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette kritischer Schlüsseltechnologien Lösungen anbieten, wiederum eine spannende Investitionschance dar.
„Unterinvestitionen in Energie, Verteidigung und digitale Netze treffen auf neue geopolitische Risiken; jetzt ist die Zeit, Resilienz systematisch über Schlüsseltechnologien aufzubauen“, sagt Madeleine Ronner, Fondsmanagerin bei der DWS. Mit dem von ihr gemanagten „DWS Invest Critical Technologies“ (ISIN: LU1891278043) investiert sie in Unternehmen, die genau in dem Bereich tätig sind. Zu den kritischen Schlüsseltechnologien zählt die Expertin Robotik und fortschrittliche Fertigung, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Halbleiter, Energie und Infrastruktur sowie Verteidigung und Raumfahrt.
Portfolio breit aufstellen
Herausfordernd für Anleger ist, dass sich im Anlageuniversum kritischer Schlüsseltechnologien viele Newcomer finden, die noch nicht profitabel sind. „Wir investieren daher in die Teile der Wertschöpfungskette, bei denen die Gewinne bereits heute ankommen“, so Ronner.
Das könnten zum Beispiel Unternehmen sein, die Kabelmanagement- oder Kühllösungen für Rechenzentren anbieten. Wichtig sei es, sich auch abseits der bekannten „Gewinner“-Aktien nach interessanten Themen und Unternehmen umsehen, um ein Portfolio breiter aufzustellen.
Stark vertreten im Anlageuniversum kritischer Schlüsseltechnologien sind jedenfalls Unternehmen aus den USA. Läuft man da nicht Gefahr, zu teuer zu kaufen? „Wir sehen den US-Markt sehr konstruktiv“, hält Ronner fest. Das Bewertungsniveau bereitet zwar auch ihr Sorgen, „aber wenn das Gewinnwachstum anhält, gleicht sich das weitgehend aus“, so die Expertin.
Stichwort Gewinnwachstum. Der positive Trend hält trotz des wirtschaftlich herausfordernden Umfelds weiter an, wie auch die kürzlich begonnene US-Berichtsaison bislang gezeigt hat. Auch die Prognosen für 2026 stimmen: In den kommenden zwölf Monaten sollte sich das Gewinnwachstum im S&P 500 auf 10 % belaufen.
Europa vor den USA
So konstruktiv man bei der DWS auch für den US-Aktienmarkt sein mag, bevorzuge man dennoch Europa, so die DWS-Expertin. In Deutschland würden ihr vor allem Infrastruktur-Rüstungsaktien gefallen. „Trotz der deutlichen Kursanstiege in den vergangenen Monaten sehen wir, dass in diesen Bereichen noch nicht alles eingepreist ist.“
Das spiegelt auch ihr Portfolio, wo Renk Group und Rheinmetall aktuell die größten Positionen sind, gefolgt von Nvidia und Broadcom, zwei Werten aus dem Halbleiterbereich. Mit Leonardo, BAE Systems und Saab gehören im Übrigen drei weitere Rüstungsaktien zu den zehn größten Werten in ihrem Fonds. Ein weiterer heißer Tipp für Anleger: Energie- und Stromversorger. Denn vor allem die stark steigende Zahl an Datencentern treibt den Energiebedarf in die Höhe.
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