Afrika: die Wachstumsraten sprechen für den Kontinent
Mit einzelnen Fonds oder ausgewählten Aktien an neuen Zukunftsmärkten partizipieren.
Michael Kordovsky. Afrika bleibt trotz globaler Flaute ein Wachstumsblock. Der IWF erwartet für Subsahara-Afrika 2025 rund 4,1 % BIP-Wachstum und 4,4 % für 2026. Danach werden bis 2030 Wachstumsraten von 4,4 bis 4,6 % prognostiziert – verglichen mit 3,1 bis 3,2 % in der Weltwirtschaft. Gleichzeitig sollte sich in dieser Region die Staatschuldenquote von 2024 bis 2030 von rund 59 auf 53 % des BIP reduzieren.
Besonders dynamisch sind Länder wie Ruanda mit knapp 9 % Wachstum im vergangenen Jahr und einer Projektion von im Schnitt 7,2 % in den Jahren 2025 bis 2030, Côte d‘Ivoire mit rund
6,6 % Wachstum sowie Tansania, Uganda, Benin und Togo mit mittelfristigen Wachstumsraten um 5 bis 7 %. Nigeria sollte bis 2030 um rund 4 % p.a. wachsen, während in Südafrika nicht zuletzt infolge begrenzter Verfügbarkeit von Strom nur mit moderaten Zuwächsen zu rechnen ist. Laut Länderdaten.info liegt das Median-Alter von Nigeria bei 19,3 Jahren, in Südafrika bei 30,4 und in Ägypten bei 24,4 Jahren. In Angola, Benin und Uganda liegt es sogar unter 18. Diese demografische Struktur ist gesund und entlastet die Staatshaushalte.
Infrastruktur, Rohstoffe und Freihandel
Ruanda, Kenia, Tansania und Uganda profitieren beispielsweise von stark steigenden Investitionen in Infrastruktur, Energie und Dienstleistungen, während Côte d‘Ivoire, Ghana und Senegal als politisch relativ stabile Reformländer mit wachsender Mittelschicht gelten.
Kenia hat enormen Nachholbedarf, und als idealer Zielwert werden in Medien erforderliche Infrastrukturausgaben von 8 bis 9 % des BIP kolportiert. Aktuell wird beispielsweise der Handelsweg zwischen Kwa Jomvu und Mariakani ausgebaut, um die Kapazität von einer zweispurigen auf eine vier- oder sechsspurige Doppelautobahn zu erhöhen. In Nordafrika modernisieren vor allem Ägypten und Marokko ihre Häfen, Stromnetze und Industriezonen und ziehen vermehrt Fertigung und Nearshoring an.
Binnenmarkt mit 1,3 Milliarden Menschen
Handelspolitisch entstand 2021 mit der African Continental Free Trade Area (AfCFTA) ein Binnenmarkt mit 1,3 Milliarden Menschen in 55 Ländern. Die AfCFTA könnte die Realeinkommen bis 2035 um 7 % erhöhen bzw. bis zu umgerechnet 390 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen. Gegenüber dem Status-quo vor der Freihandelszone sollte bis 2035 das gesamte Exportvolumen um 29 % steigen, so die Ergebnisse einer von der Weltbank 2020 veröffentlichten Studie mit dem Titel: „The African Continental Free Trade Area: Economic and Distributional Effects“.
Rohstoffseitig ist Afrika ein Hebel der globalen Dekarbonisierung. Laut African Ministerial Conference on the Environment (AMCEN) verfügt der Kontinent über 30 % der weltweiten Reserven an kritischen Mineralien: über 92 % der Reserven an Platingruppenmetallen (Südafrika, Zimbabwe), 56 % der Kobaltreserven (DRC, Südafrika, Zambia, Madagaskar), 54 % des Mangans und 36 % des Chroms. Namibia gehört mit einem Anteil von rund 10 % zu den bedeutendsten Uranproduzenten der Welt und Zimbabwe war 2021 bereits der siebtgrößte Lithium-Produzent.
Wie kann man investieren?
Es gibt nur wenige „Afrika-Fonds“ und auch einschlägige ETFs. In der Regel ist Südafrika mit Abstand am stärksten gewichtet, weshalb hier Alternativen mit noch möglichst ausgewogener Streuung und geringerem Südafrika-Anteil selektiert werden: Ein interessanter ETF, der auf fünf Jahre 9,7 % p.a. im Plus liegt, ist der „Amundi Pan Africa UCITS ETF“, der 30 Werte enthält und Südafrika mit rund 34 % gewichtet, gefolgt von Marokko (24 %) und Kanada (wegen der Minentitel 22 %) und Ägypten (9 %). Eine weitere Möglichkeit wäre der „Robeco Afrika Fonds“, der Südafrika mit 46 % gewichtet, aber gefolgt von Ghana (10 %), Nigeria und Ägypten (je ca. 9 %), Kenia (7 %) und Mauritius.
Und Aktien?
Beispiele relativ liquider „Afrika-Aktien“ mit Notiz an einer westlichen Börse wären hingegen:
Airtel Africa etwa betreibt Mobilfunk und Mobile Money in 14 Ländern und ist ein direkter Profiteur von Demografie und Urbanisierung. Der Konzern meldete im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres fast 26 % Umsatzwachstum und eine Cashflow-Steigerung von knapp 42 %.
Jumia Technologies ist als E-Commerce-Unternehmen in elf afrikanischen Ländern aktiv, betreibt ein umfangreiches Logistiknetzwerk und einen eigenen Zahlungsdienst. Noch zeigt das Geschäftsmodell eine starke Volatilität und die Gewinnzone ist noch nicht in Reichweite.
Die Commercial International Bank ist eine der größten ägyptischen Bankengruppen und im Firmen- und Privatkundengeschäft sowie im Investmentbanking tätig.
Endeavour Mining wiederum betreibt mehrere Goldminen in Côte d’Ivoire, Burkina Faso und Senegal und ist einer der größten Goldproduzenten Westafrikas, der von steigenden Goldpreisen profitieren sollte.
Und Helios Towers PLC besitzt und betreibt Telekommunikationstürme und Infrastruktur in afrikanischen Märkten. Analysten erwarten in den kommenden Jahren ein kontinuierliches Wachstum.
Foto: Ahsan Rahman Khan
