Aurubis-Aktie begeistert die Märkte

Der Metallrecycler hat sich mit den laufenden Investitionen langfristig sehr gut positioniert.

Stefan Riedel. Der Hamburger Kupferrecycler Aurubis (DE0006766504) wird 2025 als eines seiner besten Börsenjahre verbuchen. Nachdem die Aktie im Sommer richtig Fahrt aufgenommen hat, summieren sich die Kursgewinne seit Jahresanfang auf rund 55 %. Als erste Reaktion auf die Geschäftszahlen für das am 30. September beendete Geschäftsjahr 2024/25 erreichte sie ein neues Allzeithoch.

Höhere Metallpreise beflügeln

Das Geschäft von Aurubis profitiert von der robusten Nachfrage für Kupferprodukte und den steigenden Verkäufen von Schwefelsäure, die aus der Kupferverarbeitung entsteht. Zugleich drückten die gesunkenen Schmelz- und Raffinierlöhne ebenso auf die Margen wie die niedrigeren Erlöse aus dem Recyclinggeschäft. Aufgrund der positiven Bewertungseffekte durch die gestiegenen Metallpreise kletterte der Konzerngewinn um 30 % auf 539 Millionen Euro. Der operative Gewinn sackte dagegen um 14 % auf 355 Millionen Euro ab, landete aber im eigenen Prognosekorridor von 330 bis 370 Millionen Euro in der Mitte. Die Dividende für 2024/25 will Aurubis um zehn Cent auf 1,60 Euro je Aktie erhöhen.

Nach Fertigstellung der zweiten Produktionsstufe kann das US-Werk in Richmond in Georgia jährlich rund 180.000 Tonnen an Metallen recyceln – und in Zukunft 170 Millionen Euro pro Jahr zum Ebitda beitragen. Trotzdem bleibt Vorstandschef Toralf Haag mit der Einschätzung „Wir erwarten ein solides Geschäftsjahr 2025/26“ beim Ausblick vorsichtig. In Zahlen ausgedrückt erwartet er einen operativen Vorsteuergewinn zwischen 300 und 400 Millionen Euro und eine operative Kapitalrendite von 7 bis 9 %, also nur im besten aller Fälle einen Wert oberhalb der 8,8 % von 2024/25.

Gestiegene Bewertung

Mit einem 2027er-KGV von 15 bei einem erwarteten deutlichen Gewinnrückgang im laufenden Geschäftsjahr wird die Luft für die Aktie langsam dünn. Unter den acht Analysten, die Aurubis covern, gibt es mittlerweile nur noch eine Kaufempfehlung. Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank hat nach den jüngsten Zahlen sein Kursziel zwar von 115 auf 123 Euro angehoben. Seine Empfehlung, die Aktie weiter zu halten, begründet er mit drei Argumenten: „Das herausfordernde Marktumfeld bleibt eine Belastung auf der Konzentrat-Seite. Im Recyclinggeschäft drücken geringere Margen. Darüber hinaus sind die weiterhin hohen Investitionstätigkeit mit entsprechenden Anlaufkosten sowie steigende Abschreibungen zu beachten.“

Langfristig sehr gut positioniert

Die bis 2027 geplanten Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro, von denen Aurubis nach eigenen Angaben schon über 75 % umgesetzt hat, werden sich langfristig auszahlen. Diese Projekte sollen ab dem Geschäftsjahr 2028/29 einen jährlichen Ebitda-Beitrag von etwa 260 Millionen Euro leisten. Und auch der weltweit steigende Metallbedarf spielt der strategischen Ausrichtung von Aurubis auf das Multimetall-Recycling in die Karten. So gehen aktuelle Marktstudien davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren der globale Bedarf für Kupfer um 22 % und für Zinn um 40 % steigen wird.

Im laufenden Geschäftsjahr geht es für Aurubis im operativen Geschäft vor allem darum, die Entwicklung bei den Schmelz- und Raffinierlöhnen im Blick zu behalten und durch strikte Kostenkontrolle die anvisierten Profitabilitätsziele zu erreichen. Neue Aktienkäufe drängen sich auf dem aktuellen Kursniveau nicht auf.