China: Wann springt die Konjunktur wieder an?
Der Börsen-Kurier analysiert Frühindikatoren und aktuellen Entwicklungen im Reich der Mitte.
Michael Kordovsky. Chinas Konjunktur zeigt zum Jahresende 2025 ein widersprüchliches Bild. Industrie, Export und einzelne Frühindikatoren stabilisieren sich, während der Immobiliensektor, Investitionen und die Preisentwicklung weiter bremsen. Von einem klaren Wendepunkt kann noch nicht gesprochen werden, doch die Datenlage deutet auf eine allmähliche Bodenbildung hin.
Der wichtigste Frühindikator, der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, lag im November bei 49,2 Punkten und damit zwar weiter im Schrumpfungsbereich, aber zumindest 0,2 Punkte höher als im Oktober. Die Produktion erreichte 50 Punkte (das ist die Expansions- bzw. Kontraktions-Grenze, Anm.) und auch die Veränderung der Auftragseingänge verbesserte sich. Besonders interessant: Die Hochtechnologieindustrie notiert laut der chinesischen Statistikbehörde (NBS) in einem Teilindex von 50,1 seit zehn Monaten über der Expansionsschwelle, der Index für kleine Unternehmen kletterte gegenüber dem Vormonat um satte zwei Prozentpunkte auf 49,1 Punkte und damit auf ein Sechsmonatshoch. Die Markterwartungen blieben stabil mit leichter Aufwärtstendenz. Außerhalb des Produktionsbereichs signalisiert ein wichtiger Einkaufsmanagerindex hingegen eine Abschwächung.
Durchwachsene Konjunkturdaten
Quer durch die Realwirtschaft setzt sich das Muster fort. Die Industrieproduktion größerer Betriebe stieg im Oktober um 4,9 % gegenüber dem Vorjahr, im Zeitraum Jänner bis Oktober um 6,1 %. Die Einzelhandelsumsätze legten im Oktober real um 2,9 % zu, kumuliert seit Jahresbeginn um 4,3 %. Das deutet auf eine Verbrauchernachfrage hin, die wächst, aber weit von früheren Dynamiken entfernt bleibt.
Bremsklotz Immo-Sektor
Problematisch bleibt die Investitionstätigkeit. Die Bruttoanlageinvestitionen lagen in den ersten zehn Monaten des heurigen Jahres 1,7 % unter dem Vorjahresniveau, obwohl die Investitionen außerhalb des Immobiliensektors noch um 1,7 % zulegten. Der Immobiliensektor bleibt damit der wichtigste Bremsklotz der Konjunktur und belastet Beschäftigung und Stimmung der Haushalte, denn die Investitionen in die Immobilienentwicklung brachen in den ersten zehn Monaten 2025 um 14,7 % ein. Die Investitionen in die Produktionswirtschaft wuchsen hingegen um 2,7 %.
Robuster Außenhandel
Der Außenhandel entwickelte sich hingegen robuster und erwies sich als Stütze. Chinas Exporte stiegen in den ersten elf Monaten um 6,2 %. Damit behauptet das Land seine dominante Rolle in den globalen Lieferketten trotz politischer Spannungen und neuer Handelsbarrieren.
Spielraum für Notenbank
Das Preis- und Zinsumfeld signalisiert keinen Überhitzungsdruck. Die Verbraucherpreise lagen im November 0,7 % über Vorjahr und die Kerninflation (Verbraucherpreissteigerung „ex“ Energie und Nahrungsmittel) lag bei 1,2 %, während die Produzentenpreise gleichzeitig um 2,2 % sanken. Die negative Teuerung auf Herstellerebene verweist auf anhaltenden Konkurrenzdruck. Die Notenbank hat damit Spielraum für weitere Liquiditätsspritzen und eine vorsichtige Lockerung.
Experten vorsichtig optimistisch
Internationale Organisationen haben ihre BIP-Prognosen zuletzt angehoben. Der IWF rechnet für 2025 mit 5,0 % und für 2026 mit 4,5 % Wachstum (eine Aufwärtsrevision um 0,2 bzw. 0,3 %-Punkte). Makroökonomische Konjunkturmaßnahmen und geringer als erwartete Zölle auf chinesische Exporte ermöglichten die Aufwärtskorrektur. Die OECD erwartet ebenfalls 5 % für 2025, ist aber bezüglich der weiteren Entwicklung vorsichtig: 2026 und 2027 sollte demnach Chinas BIP nur noch um 4,4 bzw. 4,3 % wachsen. Doch Geldpolitik und Fiskalpolitik sollten 2025 unterstützen.
Ob daraus ein belastbarer Aufschwung wird, hängt von drei Faktoren ab: Erstens einer konsequenten Bereinigung im Immobiliensektor, einschließlich geordneter Abwicklung schwacher Entwickler. Zweitens einer Stärkung der Konsumnachfrage über sozialpolitische Maßnahmen, Subventionen und Programme zum Austausch langlebiger Konsumgüter. Drittens stabilen Rahmenbedingungen für den Privatsektor, der seit Jahren unter Regulierungsschocks leidet.
Fazit
China bewegt sich damit am Ende des Jahres 2025 in Richtung Stabilisierung. Für 2026 erscheint ein realistisch enges Wachstumsband zwischen 4 und 5 % – kein Boom, aber ausreichend, um ein weltwirtschaftlich schwaches Umfeld abzufedern und Chinas Rolle als globaler Stabilitätsanker zu bestätigen.
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