Pfisterer sorgt für Hochspannung an der Börse
Die Aktie des Komponentenherstellers für Stromnetze begeistert nach dem IPO die Anleger.
Stefan Riedel, München. Mit fast 150 % Kursplus seit dem IPO im Mai ist die Pfisterer-Aktie (ISIN: DE000PFSE212) in diesem Jahr das absolute Highlight unter den aktuell sechs Börsengänge an der Frankfurter Börse. Mit der Börsenpremiere im Nebenwertesegment Scale (bei gleichzeitiger Orientierung an den strengeren Transparenzregeln des Prime Standard, Anm.) schlug das im schwäbischen Winterbach ansässige Familienunternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Eigentümerfamilie Pfisterer löste die Nachfolgefrage, indem der Enkel des Firmengründers sich aus dem Unternehmen zurückzog, aber weiter rund 46,2 % der Aktienanteile hält, die künftig in eine Stiftung eingebracht werden sollen.
Zugleich fließt ein Großteil des Nettoemissionserlöses von rund 85 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigungskapazitäten und in neue Technologien. Im Zentrum steht die neue Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, kurz HVDC. Diese spielt eine zentrale Rolle für den internationalen Stromtransport aus erneuerbaren Quellen. Pfisterer hat die Typprüfung für das 320-kV-HVDC-Kabelsystem bestanden und wird damit zum weltweit ersten unabhängigen Anbieter von Kabelzubehör für HVDC-Systeme.
Nischenchampion im Stromnetz
Verbaut werden die elektrischen Verbindungs- und Isolationslösungen von Pfisterer unter anderem in Windkraftanlagen, Umspannwerken, Zügen und Erdkabelanlagen. Das Unternehmen sieht sich als Nutznießer der weltweiten Investitionen in Stromnetze, sei es beim Bau von neuen Stromleitungen oder bei der Erneuerung der bestehenden Netze. „Das Marktumfeld für unsere spezialisierten Lösungen bleibt äußerst günstig. Unsere strategische Positionierung entlang der gesamten energetischen Wertschöpfungskette liefert hervorragende Ergebnisse“, zeigte sich Ko-Vorstandschef Johannes Linden vor zwei Wochen auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt gegenüber Investoren optimistisch.
Nachfrage boomt
Wie gut es bei Pfisterer läuft, untermauern die jüngsten Quartalsergebnisse. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres kletterte der Umsatz um 14,5 % auf 326,6 Millionen Euro. Im dritten Quartal schaffte Pfisterer dabei ein Umsatzplus von 25,5 % auf 113,1 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 338,7 Millionen Euro einen neuen Rekordwert. Während der operative Gewinn auf Ebit-Basis um 33,5 % auf 47,6 Millionen Euro zulegte, ging es mit dem Konzerngewinn um 67,2 % auf 35,2 Millionen Euro nach oben.
Für die Zukunft erwartet das Management ein anhaltendes Umsatzwachstum von rund 15 %, angetrieben durch die Expansion in den HVDC-Märkten sowie das nachhaltige Wachstum im Nahen Osten und in Europa. Die Analysten gehen davon aus, dass sich das Gewinnwachstum nach dem Sprung im laufenden Geschäftsjahr für 2026 und 2027 in den mittleren zweistelligen Bereich halbiert, das Ganze bei einer auf 15 % steigenden operativen Marge.
Zwei Branchenexperten empfehlen die Aktie zum Kauf, einer plädiert für Halten.
Klar ist: Die Messlatte für die Aktie liegt mittlerweile hoch. Im operativen Geschäft muss sich Pfisterer den schwankenden Energiepreisen und in Zukunft auch dem zunehmenden Wettbewerbsdruck bei den Hochspannungskomponenten stellen. Vor diesem Hintergrund wird die Luft für die Aktie in Kursregionen oberhalb von 80 Euro langsam dünner.
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