2026 zwischen Zinssenkungen, KI-Superzyklus und neuen Chancen in Europa
Der Börsen-Kurier im Gespräch mit dem CIO von DNB Asset Management Knut Hellandsvik.
Red./ks. Gemeinsam mit dem CIO von DNB Asset Management blicken wir auf das begonnene Anlagejahr 2026. Er sieht vielfältige Chancen im Umfeld einer wieder anziehenden Weltwirtschaft.
Börsen-Kurier: Herr Hellandsvik, viele Anleger blicken mit Respekt auf 2026 – aufgrund von Geopolitik, Wachstum und Inflation. Wie ist Ihre Gesamteinschätzung?
Knut Hellandsvik: Die Weltwirtschaft geht aus Sicht vieler Vermögensverwalter mit erfreulichen Perspektiven in das Jahr 2026. Die Kombination aus geldpolitischer Entlastung, fiskalischen Impulsen und einer anhaltenden Investitionswelle im Bereich künstlicher Intelligenz könnte das Wachstum trotz geopolitischer Risiken stützen. Gleichzeitig verändern technologische Trends, Energiepolitik und neue geopolitische Prioritäten die Sektorlandschaft an den Kapitalmärkten spürbar.
Börsen-Kurier: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber, die die Weltwirtschaft 2026 tragen könnten?
Hellandsvik: Für 2026 wird eine robuste Entwicklung der Weltwirtschaft erwartet. Entscheidend dafür sind voraussichtlich Zinssenkungen in den wichtigsten Volkswirtschaften sowie umfangreiche staatliche Unterstützungsprogramme, insbesondere in den USA, der Eurozone und China.
Börsen-Kurier: Die Inflation bleibt in vielen Regionen ein zentrales Thema. Wie erwarten Sie die Entwicklung – und wie reagieren die Notenbanken?
Hellandsvik: Für das Inflationsgeschehen zeichnet sich ein allmähliches Nachlassen der Preisdynamik ab, auch wenn viele Volkswirtschaften das Zwei-Prozent-Ziel noch nicht vollständig erreichen dürften. Sinkende Energiepreise, geringere Tarifbelastungen und ein Abklingen der Dienstleistungsinflation sprechen für eine Entspannung. Belastend wirken hingegen weiterhin die Strompreise sowie steigende Kosten im Wohnungsmarkt. Die Notenbanken könnten dennoch genügend Spielraum sehen, um ihren geldpolitischen Kurs zu lockern.
Börsen-Kurier: Die Kursentwicklung bei KI-Schwergewichten war beeindruckend. Wie groß ist aus Ihrer Sicht die Gefahr einer Blase?
Hellandsvik: Die Börsenrallye rund um KI-Schwergewichte hat vielfach die Frage nach einer Blasenbildung aufgeworfen. Die hohen Bewertungen haben ihren Grund in starken Geschäftsmodellen, solidem Cashflow, robusten Bilanzen und hohen Margen. Kurzfristige Korrekturen bleiben denkbar, doch die Ausweitung der Wertschöpfungskette und zunehmende Monetarisierung der Technologie dürften den Sektor weiter stärken.
Börsen-Kurier: Wo sehen Sie 2026 die strukturellen Gewinner?
Hellandsvik: Mehrere Branchen gelten als strukturelle Gewinner des kommenden Jahres. Der Gesundheitssektor profitiert von demografischen Trends, wachsendem Wohlstand und technologischen Fortschritten. KI-gestützte Arzneientwicklung, präzisere Diagnostik und effizientere klinische Studien könnten den Sektor voranbringen — flankiert durch attraktive Bewertungen und steigende Fusions- und Übernahmeaktivitäten.
Börsen-Kurier: Die USA und China dominieren viele Zukunftsfelder. Wo sehen Sie dennoch Europas und Nordics Stärken?
Hellandsvik: Obwohl Märkte wie die USA und China nach wie vor dominieren, sieht der europäische und nordische Unternehmenssektor in mehreren Bereichen nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Dazu zählen industrielle Automatisierung, Elektrifizierung, Logistik, Unternehmenssoftware, Telekommunikationsinfrastruktur und Energieeffizienz. Auch die europäische Halbleiterindustrie bleibt wichtig, während der Verteidigungs- und Pharmasektor ebenso internationales Gewicht behält wie die Luxusgüterindustrie.
Börsen-Kurier: Zum Abschluss: Was macht 2026 für Anleger so interessant – und wo liegen die Chancen?
Hellandsvik: Das Jahr 2026 könnte sich zu einem wirtschaftlich freundlichen Umfeld entwickeln. Unterstützung kommt aus sinkenden Zinsen, staatlichen Anreizen, abnehmenden Handelshindernissen und einer nachhaltigen Investitionsdynamik. Inflation und geopolitische Risiken bleiben Herausforderungen, doch der strukturelle Aufschwung in Gesundheit, Technologie, Infrastruktur und erneuerbaren Energien eröffnet Anlegern vielfältige Chancen.
Foto: DNB AM
