Gold als Sachwert
Rekordpreise und die Renaissance des Schmucks.
Lea Schweinegger (23.01.2026). Während die Feinunze derzeit bei mehr als 4.500 US-Dollar notiert, behauptet sich Goldschmuck zunehmend als emotionale und materielle Sachwertanlage. Ein Blick auf die Dynamik eines Marktes, der trotz Rekordpreisen nie aus der Mode kommt.
In der über hundertjährigen Geschichte des Börsen-Kurier gab es nur wenige Phasen, in denen Gold eine derart dominante Rolle spielte wie im Marktumfeld zu Beginn des Jahres 2026. Mit einem kräftigen zweistelligen Plus innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat das Edelmetall seine Funktion als „sicherer Hafen“ erneut unter Beweis gestellt und ist zu einem zentralen Baustein moderner Portfolios geworden. Während institutionelle Anleger vor allem auf börsengehandelte Produkte und Goldminen setzen, erlebt eine klassische Form des Goldbesitzes eine stille Renaissance: hochwertiger Goldschmuck.
Die Ökonomie des Glanzes
Was für professionelle Investoren Barren oder Münzen im Tresor sind, ist für viele Privatanleger das Erbstück oder die gezielte Investition in 18-karätigen Schmuck. Der wirtschaftliche Hintergrund ist klar: Unsicherheiten rund um Staatsverschuldung, Zinsentwicklung und geopolitische Konflikte haben den Goldpreis in Regionen geführt, die vor wenigen Jahren noch als unrealistisch galten. Langfristige Marktprognosen einzelner Analysten reichen deutlich über bisherige Rekordniveaus hinaus, wenngleich sie mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Schmuck als „tragbare Währung“
Für den österreichischen Markt mit seiner starken Affinität zu physischen Werten bedeutet das hohe Preisniveau eine Zäsur. Juweliere berichten von einem klar zweigeteilten Trend. Erstens gewinnt bei Neukäufen die Materialqualität an Bedeutung. Gefragt sind vor allem hohe Legierungen wie 750er Gold (18 Karat), da hier der reine Goldanteil einen wesentlichen Teil des Kaufpreises ausmacht. Zweitens erlebt historischer Schmuck eine Aufwertung. Der hohe Goldpreis macht sogenanntes „Alt- und Bruchgold“ zu einer liquiden Reserve. Viele ältere Stücke bestehen aus Rotgold, einer Goldlegierung mit erhöhtem Kupferanteil, die dem Metall seine warme Farbe verleiht und zugleich für hohe Stabilität sorgt.
Historisch wurden vor allem 333er-, 585er- und 750er-Legierungen verwendet. Während niedrigere Feingehalte vor allem im Alltags- und Gebrauchsschmuck verbreitet waren, steht 750er Rotgold für hochwertige Goldschmiedearbeiten mit hohem Verarbeitungswert. Schmuck aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde häufig in diesen Legierungen gefertigt, da sie langlebig, gut formbar und widerstandsfähig waren.
Für Anleger ist Rotgold daher doppelt interessant: Es verbindet klar kalkulierbaren Materialwert mit handwerklicher und historischer Substanz. Dass solche Stücke heute deutlich über dem reinen Schmelzwert gehandelt werden, zeigen aktuelle Auktionsergebnisse.
Beim Wiener Dorotheum erzielten historische Armbänder und Ketten aus der Zeit um 1900 zuletzt Zuschläge im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich. Auch im Auktionshaus Kinsky werden qualitätsvolle Goldarbeiten mit klarer Provenienz regelmäßig deutlich über Materialwert verkauft.
Nachhaltigkeit und Werterhalt
Ein zusätzlicher Faktor ist das wachsende Interesse an sogenanntem „Second Life Gold“. Recyceltes Gold ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern Standard in der gehobenen Goldschmiedekunst. Es trägt sowohl zur Ressourcenschonung als auch zu einer transparenten Wertschöpfungskette bei.
Fazit
Gold bleibt auch 2026 ein zentraler Teil im Depot. Ob als Münze, Barren oder meisterhaft gefertigter Schmuck – die Beständigkeit des Metalls überdauert Marktzyklen. Physisches Gold behauptet sich auch im digitalen Zeitalter als verlässlicher Wertspeicher.
Foto: KI-generierte Illustration
