Knorr-Bremse hat sich neu aufgestellt

Der Weltmarktführer erhöht dank Verschlankungen und Zukäufen wieder das Wachstumstempo.

Stefan Riedel, München (23.01.2026). Mit Knorr-Bremse (DE000KBX1006) kommen viele Menschen täglich in Kontakt. Das Unternehmen aus dem Münchener Norden kommt bei den Bremssystemen für Schienenfahrzeuge auf einen globalen Marktanteil von 50 %. Bei den Bremsen für Lkws, Busse, Anhänger und Landmaschinen sind es 30 %. Und seitdem das im Sommer 2023 verabschiedete Wachstumsprogramm Früchte trägt, hat sich die im MDax gelistete Aktie in den letzten zwei Jahren wieder langsam nach oben gearbeitet.

Neuausrichtung greift
„Wir müssen Knorr-Bremse nicht neu erfinden, aber wieder auf Kurs bringen“, gab Vorstandschef Marc Llistosella die strategische Richtung vor. In der Praxis ging es darum, drei Maßnahmen umzusetzen: Kosten senken, Tochtergesellschaften veräußern und im Segment Bahntechnik über Akquisitionen international expandieren. Die Investitionen und Portfoliobereinigungen kosteten Knorr-Bremse 2024 Umsatz und Gewinn.

2025 zeigte die Tendenz im Laufe der einzelnen Quartale aber wieder klar nach oben. Im dritten Geschäftsquartal legte der Umsatz um 2,7 % auf fast 1,9 Milliarden Euro zu. Noch besser sieht es beim Auftragseingang aus, der um 5,2 % auf fast 2 Milliarden Euro stieg. Damit verfehlte Knorr-Bremse zwar die Prognose, erreichte aber bei der operativen Ebit-Marge mit einer Verbesserung von 12,3 auf 13,3 % den höchsten Wert seit 16 Quartalen.

Jahreszahlen versprechen Spannung
Wenn Knorr-Bremse am 19. Februar die Jahreszahlen präsentiert, geht es zum einen darum, ob die eigenen Prognosen realisiert wurden. Das Management erwartet 7,8 bis 8,1 Milliarden Euro Umsatz, eine operative Ebit-Marge zwischen 12,5 und 13,5% nach 12,3% im Vorjahr und dazu 700 bis 800 Millionen Euro Free Cashflow, was im optimistischen Szenario die 730 Millionen Euro von 2024 deutlich übertreffen würde. Besonders spannend werden jedoch die Aussagen zum künftigen Wachstumskurs. „Wir passen 2025 unsere Strukturen an, sodass wir nächstes Jahr verstärkt das Thema nachhaltiges Wachstum und Expansion adressieren können“, hatte sich Finanzvorstand Frank Weber dazu bei den letzten Quartalszahlen geäußert.

Wachstum durch Zukäufe
Ein Zukauf spielt dabei eine wichtige Rolle. 500 Millionen Euro hatte Knorr-Bremse im Juli 2025 für die Schweizer Duagon-Gruppe auf den Tisch gelegt. Duagon ist auf Hardware und Software für sicherheitsrelevante Anwendungen vor allem in der Bahnindustrie spezialisiert. Knorr-Bremse erhofft sich hier Synergien für die Bahnsparte, für die beiden Töchter Selectron und KB Signaling in der Signaltechnik und bei Bremssystemen. Rund 175 Millionen Euro Umsatz und eine operative Ebit-Marge von 16 %, also über dem aktuellen Konzern-Durchschnitt, soll Duagon 2026 einbringen, und dann ab 2028 jährliche Synergieeffekte von 5 bis 10 Millionen Euro.

Defensives Investment
Bleibt die Bewertung der Aktie, die sich mit rund 59 % Anteilen mehrheitlich im Besitz der Familienstiftung des langjährigen, 2021 verstorbenen Konzernlenkers Heinz-Hermann Thiele befindet. Das 2026er-KGV von mehr als 20 lässt hier noch Luft nach oben für ein Unternehmen, das mit einer führenden Position in einer Marktnische bis 2026 auf der Gewinnseite um mehr als 25 % wachsen soll. Wer sich auf der Suche nach einem Qualitätstitel mit niedriger Verschuldung und nachhaltigem Geschäftsmodell befindet, trifft mit Knorr-Bremse eine gute Wahl.

Foto: Knorr Bremse