Vermögensaufbau mit Dividendenfonds

Die Rendite muss nicht nur aus den Kursgewinnen der Aktien kommen.

Michael Kordovsky (30.01.2026). Dividenden wirken auf den ersten Blick banal. Ein Unternehmen schüttet einen Teil des Gewinns aus, Anleger erhalten laufende Erträge. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist aber nicht die Höhe der aktuellen Dividendenrendite entscheidend, sondern die Kontinuität. Nur wer Dividenden über viele Jahre stabil zahlen und idealerweise steigern kann, liefert jene Ertragsqualität, die sich in Krisen als Puffer erweist und langfristig auch die Gesamtrendite stützt.

Warum Ertragskontinuität so wichtig ist
Hohe Dividendenrenditen entstehen häufig dann, wenn Kurse bereits gefallen sind. Das kann ein Warnsignal sein: Der Markt preist sinkende Gewinne oder eine unsichere Ausschüttung ein. Für Anleger zählt daher weniger „hoch“, sondern „haltbar“. Kontinuierliche Dividenden sind meist Ergebnis robuster Geschäftsmodelle, solider Bilanzen und disziplinierter Kapitalallokation. Genau das sind Eigenschaften, die in schwachen Marktphasen tendenziell helfen, Drawdowns zu begrenzen.

Stabile Dividenden-Aristokraten
Obwohl derzeit infolge der anhaltenden Technologieaktienhausse Indexschwergewichte die Performance-Statistik prägen und so manche Value-Aktien vorübergehend etwas „alt“ aussehen lassen, zeigte sich bei den 92 Aktien des S&P Global Dividend Aristocrats zumindest eine gewisse Stabilität – bei gleichzeitig günstiger Bewertung. Der Index misst die Performance jener Aktien mit der höchsten Dividendenrendite innerhalb des S&P Global Broad Market Index (BMI), sofern die Unternehmen eine Dividendenpolitik verfolgen, bei der Ausschüttungen seit mindestens zehn aufeinanderfolgenden Jahren erhöht oder zumindest konstant gehalten wurden. Die Fundamentaldaten überzeugen: Das Forward-KGV liegt bei 12,6, die indikative Dividendenrendite bei 5 %. Die Zehnjahresperformance lag bei 8,54 % p.a. (per 31.12.25). Die aktuellen Bewertungsniveaus stellen hier bereits eine gewisse Kursabsicherung nach unten dar.

Vorsicht Falle!
Nicht jede Hochdividendenstrategie outperformt immer. Gerade eine reine „Yield-Jagd“ kann in Value-Fallen führen. Der Mehrwert entsteht häufig dort, wo Dividendenqualität (Stabilität, Deckung durch Cashflow, Bilanzkraft) mit Bewertung und Risikokontrolle kombiniert wird.

Was sie leisten – und wo Risiken liegen
Dividendenfonds bündeln solche Qualitätskriterien in einem Produkt. Das kann praktisch sein, weil Manager oder Indexregeln Unternehmen mit schwacher Ausschüttungsqualität aussortieren und eine breite Streuung liefern. Gleichzeitig gibt es typische Risiken:

• Sektor-Klumpenrisiken: Viele Dividendenstrategien sind strukturell in Finanzwerte, Energie, Basiskonsum oder Versorger übergewichtet.

• Zinssensitivität: In Phasen stark steigender Anleiherenditen verlieren „Bond Proxies“ (Versorger, Immobilienaktien) oft an Attraktivität.

Langfristig bewährte Dividendenfonds und ETFs
Ein „bestes“ Produkt gibt es nicht. Sinnvoller ist eine Auswahl etablierter, breit investierender Strategien, die in Europa verfügbar sind und einen klaren Prozess haben. Mit einer Fünfjahresperformance von 18,7 % p.a. per Ende Dezember 2025 erscheint der „VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF“ attraktiv. Er deckt 100 Positionen ab, verfügt mit nur 23 % US-Anteil über eine ausgewogene Länderallokation und weist ein Portfolio-KGV von lediglich 14,2 auf. Top-Positionen sind Exxon Mobil, Verizon Communications, Nestlé, Pfizer und Roche.

Der „SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF“ wiederum liegt per 23. Jänner insgesamt immerhin knapp über 50 % im Plus.

Als Fonds interessant erscheint auch der „DWS Top Dividende LD“, der bei einer ausgewogenen Ländergewichtung Taiwan Semiconductor, Agnico Eagle Mines, Johnson & Johnson, Shell PLC und NextEra Energy am stärksten gewichtet.

Mit einem Plus von 54 % in den vergangenen fünf Jahren ist auch der „Fidelity Funds – Global Dividend Fund A-ACC-Euro“ ein Thema. Er investiert in dividendenstarke Qualitätsunternehmen mit ansteigenden Erträgen, stabilen Cashflows, einfachen, verständlichen Geschäftsmodellen und wenigen oder gar keinen Verbindlichkeiten in der Bilanz. ESG-Aspekte fließen in den Investmentprozess ein. Zu den Top-Positionen zählen u.a. Taiwan Semiconductor, Roche, Unilever und Novartis.

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