ams Osram: Aktionäre honorieren den Umbau
Starker Zugriff auf die Anteilscheine des Unternehmens an der SIX Swiss.
Roman Steinbauer. Die Abschlankung bei ams Osram schreitet voran. Der steirisch-bayerische Technologiekonzern steckt mitten in einer finanziellen und operativen Umstrukturierung sowie Straffung des Produktsortiments. Dies wurde bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag zu den Ergebnissen des 4. Quartals und des Gesamtjahres 2025 von CEO Aldo Kamper sowie von CFO Rainer Irle einmal mehr deutlich. Kamper betonte eingangs: „Es ist genau hinzusehen. Ohne die Dollar-Schwäche wird der positive Trend noch deutlicher.“ Der Finanzvorstand wiederum prognostizierte nach diesem „Übergangsjahr“ eine baldige Rating-Aufstufung. Konnte doch die jährliche Zinslast auf 150 Millionen Euro reduziert werden.
Worte, die Aktionäre hören wollten
Nach der virtuell gehaltenen Veranstaltung um den (dramatisch anmutenden) Umbau des Unternehmens die entscheidende Frage des Tages– auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters – gleich vorweg: „Wann werden wir schwarze Zahlen sehen?“ Die Antwort Irles folgte schnell, spontan, aber bestimmt wirkend: „Wenn wir die Finanzierungskosten weitgehend reduziert haben – in diesem Jahr werden wir es noch nicht schaffen.“ Doch implizierte dies, dass 2027 die Talsohle endgültig durchschritten sein könnte. Irle räumte dazu ein, es würden heuer immerhin noch Abfindungskosten belastend wirken.
Mit dieser Aussage wurde an die Investoren (neben dem verbesserten Zahlenwerk) aber eine außerordentliche Nachricht gesendet, die umgehend an der Börse Niederschlag fand. So zog die Notiz der Aktien an der SIX Swiss Exchange – bei hohen Handelsumsätzen – an diesem (sonst mauen) Börsentag um 8,4 % deutlich an.
Abschütteln der Zinslast, Liquidität sichern
Hohe Verbindlichkeiten zu reduzieren, steht somit weiter im Brennpunkt des Geschehens. Erst am 21. Jänner wickelte das Unternehmen einen Teilrückkauf ausstehender Wandelanleihen mittels eines Angebots mit Fälligkeit 2027 ab (Höhe: 760 Millionen Euro; Kupons von 2,125 %; ISIN: DE000A283WZ3).
Nach der Veräußerung des nicht-optischen Analog-Automotive-, Industrie- und Medizin-Sensorgeschäfts um 570 Millionen Euro an den deutschen Infineon-Konzern (wirksam im 2. Quartal 2026; stand für Erlöse von rund 220 Millionen Euro) sei für die strategische Neu-Ausrichtung nun zusätzlich finanzielle Flexibilität geschaffen worden. Des Weiteren bringe ein neu aufgelegtes Sparprogramm mit dem Titel „Simplify“ Effizienzsteigerungen und betriebliche Straffungen, das bis 2028 eine Kostenreduktion um 220 Millionen Euro herbeiführen soll.
Einordnung der Produktstrategie
Wo derzeit die Stärken der ams Osram liegen, sollen laut Kamper die Kompetenz und Investitionen weiter ausgebaut werden. So richte sich die Konzentration ab sofort auf die zukunftsträchtige „Digital Photonics“-Sparte als Hauptgeschäftsstrang. Dieser Komplex steht für die Digitalisierung der Lichterzeugung durch Pixel-Emitter und Sensoren in Kombination mit intelligenter Elektronik. Bereits aktuell sieht sich die Gesellschaft bei intelligenten optischen Halbleitern für Lichtemission und Sensorik in führender Position. Das nach eigener Darstellung „breiteste Portfolio modernster optischer Halbleitertechnologien“ der Branche – von optischen Emittern samt Treiber- und Power-ICs bis zu optischen Sensoren und Sensormodulen – bekomme somit einen klaren Vorrangstatus. Am traditionellen Automobil-Lampengeschäft (verlaufe stagnierend bis stabil) halte das Management deswegen fest, um mit dem steten Free-Cashflow der Sparte das Wachstum im Halbleitergeschäft zu unterstützen. Dazu werde es laut Kamper aus Kostengründen teils Auslagerungen bei Produktfamilien von deutschen Standorten ins Werk nach Malaysia geben. Für den Standort Graz-Premstätten äußerte Kamper wörtlich: „Die Größenordnung wird bestehen bleiben.“
Kurzausblick und Zielsetzung – Vision 2030
Bei einer fiktiven Annahme eines Wechselkurses von 1,19 USD/Euro wurden seitens Irle für das laufende Quartal Erlös-Schätzungen in einer Spanne von 710 bis 810 Millionen Euro prognostiziert, während die Ebitda-Marge 15 % (+/- 1,5 %) erreichen soll. Für das Geschäftsjahr 2030 und darüber hinaus sei laut dem Vorstand ein Langfrist-Zielkorridor definiert worden. Das Umsatzwachstum im Halbleitergeschäft soll sich sodann im mittleren bis hohen einstelligen Bereich bewegen. Das Ebitda werde einen Anteil von 25 % erreichen, der Free Cashflow 200 Millionen Euro betragen.
Prognose Gesamtjahr 2026
Angesichts der Veräußerungen von Teilsparten und der Annahme eines schwächeren US-Dollars rechnet das Unternehmen im Jahresvergleich mit einem moderaten Rückgang der Umsätze. Das bereinigte Ebitda werde durch Einmal-Effekte im Zusammenhang mit Desinvestitionen, höheren Edelmetallpreisen und weiteren Faktoren belastet.
Foto: Fredrik Prince (ams-osram employee)
