Attraktive Dividendentitel
Üppige Renditen in Wien werden seltener, aber es gibt sie noch.
Michael Kordovsky. In Österreich werden Dividenden oft großzügig ausgeschüttet. Laut dem „AK Dividenden Report 2025“ vom Juni 2025 lag – in Bezug auf die Gewinne des Jahres 2024 – die durchschnittliche Ausschüttungsquote der 20 ATX-Unternehmen bei 52.
Dividende ist nicht gleich Dividende
Die Höhe der Dividende sagt aber nichts über die Qualität der Ausschüttung aus. Dividenden sollten langfristig durch Nettogewinn und Cashflow gedeckt sein. Auch sollte zwischen regulären und unregelmäßig anfallenden Bonus-Dividenden unterschieden werden. Wer so vorgeht, gewinnt ein realistisches Bild.
Geschäftsmodelle mit regelmäßig wiederkehrenden Einkünften wie bei Post, Telekom, Energieversorgung, Banken und Versicherungen, aber auch jenen aus defensiven Bereichen wie Nahrungsmittel und Pharma begünstigen Dividendenkontinuität, die bei zahlreichen Zyklikern nicht gegeben ist. Eine gewisse Herausforderung auf der Suche nach Dividendenrenditen stellen die jüngsten Kursanstiege der Wiener Börse dar, denn allein der ATX liegt auf Jahressicht 47 % im Plus. Dividendenrenditen von mehr als 4 % werden deshalb seltener.
Wo es noch attraktive Renditen in Wien gibt
Ein Vorzeigeunternehmen in puncto Dividendenkontinuität ist die OMV, die (mit Ausnahme 1993) seit 1987 für jedes Geschäftsjahr eine Dividende ausgeschüttet hat. Im Rahmen ihrer progressiven regulären Politik strebt sie sogar jährliche Dividendenerhöhungen an. Zusätzlich winken noch variable Dividenden. Zwar führten Wertminderungen von Explorations- und Produktions-Vermögensgegenständen dazu, dass im Jahr 2025 der den Aktionären zustehende Gewinn um 27 % auf 1.017 Millionen Euro rückläufig war, doch der freie Cashflow konnte um 7 % auf 2.461 Millionen Euro gesteigert werden. Wirft man einen Blick auf den Analystenkonsens von MarketScreener, dann sollten in den kommenden Jahren bei soliden Gewinnen durchaus Dividendenausschüttungen von mehr als 4,30 Euro pro Aktie (vgl. mit 4,75 Euro für 2024) möglich sein. Bei einem Kurs von 52,40 Euro entsprächen 4,30 Euro einer Rendite von 8,2 %.
Weitere Klassiker
Die Telekom Austria wiederum, die in den ersten neun Monaten 2025 infolge niedrigerer Investitionen und eines verbesserten operativen Ergebnisses einen Anstieg des Free Cashflows um 52 % verzeichnete, hat seit 2018 für jedes Geschäftsjahr die Dividende gesteigert. Die Ausschüttung war in den Geschäftsjahren 2016 bis 2024 immer durch Ergebnis und Free Cashflow gedeckt. Zwar rechnet der Analystenschätzungskonsens bis 2027 mit weiter steigenden Gewinnen und Dividenden, aber selbst bei einer gleichbleibenden Ausschüttung von 0,40 Euro je Aktie beträgt die Dividendenrendite bei einem Kurs von 9,58 Euro satte 4,2 %.
Ein Dividendenklassiker mit stabilen Einnahmen durch ein wachsendes Paketgeschäft und ein Bankenstandbein (Bank99) ist die heimische Post. Unter Annahme einer gleichbleibenden Ausschüttung von 1,83 Euro läge die Dividendenrendite bei einem Kurs von 34,60 Euro bei 5,3 %. In den Jahren 2015 bis 2024 verzeichnete der operative Free Cashflow ein Wachstum von 5,2 % p.a. Die Ausschüttung war in diesem Zeitraum jedes Jahr durch den operativen Free Cashflow gedeckt.
Eine starke Dividendenwachstumsdynamik zeigt zuletzt die Bawag Group. Die Ausschüttung pro Aktie wuchs von 2021 bis 2024 von 3 auf 5,5 Euro. Die Wachstumsdynamik hält weiter an. Allein in den ersten neun Monaten 2025 stieg das Ergebnis je Aktie um 21 % auf 7,98 Euro und die Dividendenpolitik strebt eine Ausschüttungsquote von 55 % des Nettogewinns an. Selbst bei einer nur moderaten Dividendenanhebung auf 5,70 Euro läge die Dividendenrendite bei einem Kurs von 138,30 Euro bei 4,1 %.
Foto: Wiener Börse / Nik Pichler
