Hohe Unternehmensinsolvenzen 2026: Die Gründe
Was wird entscheidend für diese globale Entwicklung: Zinsenhöhe oder Wachstum? Eine Analyse.
(20.02.2026) Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt 2026 auf einem hohen Niveau, zeigt jedoch erstmals leichte Anzeichen einer Stabilisierung. Laut der aktuellen Prognose des Kreditversicherers Coface Kreditversicherung für jede Unternehmensgröße | Coface wird trotz sinkender Leitzinsen und geldpolitischer Entspannung weiterhin ein globaler Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 2,8 % erwartet – ein moderateres Wachstum als in den Vorjahren.
Finanzierungskosten als entscheidender Faktor
Die Nachhaltigkeit dieser Erholung hängt stark vom Zinsumfeld ab. Schon eine Erhöhung um 25 Basispunkte könnte die globale Insolvenzentwicklung wieder kippen und den Anstieg auf +4 bis +5 % treiben. Coface betont: Die Entwicklung der Insolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen – die Finanzierungskosten werden zum entscheidenden Faktor.
Besonders gefährdete Branchen
Besonders unter Druck stehen laut Coface Unternehmen aus der Bau-, Chemie- und Textilindustrie. In Europa sind zudem exportorientierte Sektoren wie der Automobilbau und seine Zulieferer besonders exponiert.
„Eher Verschnaufpause als eine Trendwende“
„Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende bringen. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen“, erklärt Markus Kuger, Head of Economic Research D‑A‑CH bei Coface. Die aktuelle Lage bleibt damit angespannt – und stark abhängig vom Zinsumfeld.
Fragile Stabilisierung trotz hoher Verschuldung
Auch Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich, spricht von einer „Stabilisierung auf hohem Niveau“, die jedoch „fragil“ bleibt. Die Unternehmensverschuldung ist weiterhin hoch, Kreditbedingungen haben sich zuletzt unerwartet verschärft, und die Margen stehen unter Druck. Besonders exponierte Branchen zeigen weiterhin deutliche Spannungsanzeichen.
H2:Unternehmensinsolvenzen in Europa: Länder im Überblick
In Europa bleibt der Ausblick eng an die Entwicklung der Finanzierungskosten gekoppelt. Coface erwartet für 2026:
- Deutschland: +1 %
- Frankreich: +2 %
- Vereinigtes Königreich: +2 %
- Italien: –2 % (bedingt durch Verfahrensreformen)
- Niederlande: +4 % (Rückkehr zum Vor‑Pandemie‑Niveau)
Diese Zahlen zeigen: Die Dynamik der Unternehmensinsolvenzen variiert stark – und folgt klar der Zinsentwicklung.
Finanzierungskosten als zentraler Treiber der Insolvenzentwicklung
„Der europäische Kontinent reagiert weiterhin äußerst empfindlich auf die Kreditkosten“, so Coface. Ein verhaltenes BIP‑Wachstum von unter 1 % und ein Zinsniveau, das trotz EZB‑Senkungen weiterhin über dem Durchschnitt von 2009–2022 liegt, werden 2026 zu einem moderaten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Österreich führen, erklärt Kuger.
Nordamerika: Auseinanderlaufende Entwicklungen
In Nordamerika erwartet Coface eine deutliche Divergenz:
- USA: +4 % – belastet durch abkühlende Konjunktur und Zollerhöhungen
- Kanada: –5 % – nach langem Wachstumszyklus deutlicher Rückgang
Die Insolvenzentwicklung folgt hier unterschiedlichen wirtschaftlichen Zyklen und politischen Rahmenbedingungen.
Fazit: Unternehmensinsolvenzen 2026 hängen am Zinstropf
Coface bringt es auf den Punkt: Die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen 2026 wird weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen. Die Finanzierungskosten werden damit zum entscheidenden Faktor für das kommende Jahr.
Autor: Emanuel Lampert
Foto: AdobeStock Andrey Profoto
