Airline-Aktien unter Beschuss
Geopolitische Krisenzeiten bieten aber auch immer wieder Einstiegskurse.
(13.03.). Einmal mehr wird die Luftfahrtbranche durch Krisenherde und drastisch anziehende Spritkosten in Mitleidenschaft gezogen. Die Abschläge der Notizen weiteten sich innerhalb der ersten beiden Märzwochen teils bis auf 30 % aus.
Und wiederum zeigt sich: An den Aktienmärkten vollziehen sich in diesem Segment Kurseinbrüche in weitaus schärferem Tempo als es gewöhnlich bei Titeln klassischer Industriezweige vorkommt. Kalkulationen, inwieweit die zurzeit abrupt hochschießenden Kerosinpreise sowie die einbrechende Reisenachfrage in vielen Regionen bisher veranschlagte operative Gewinnmargen des Sektors beeinträchtigen, werden so gut wie täglich nachjustiert – und seitens diverser Finanzanalysten Gewinnprognosen in rascher Abfolge auch gekappt.
Schätzte der Branchen-Dachverband, die International Air Transport Association (IATA), die Ertragsspanne für 2025 im Median noch auf 6,6 %, rückt diese Quote für heuer vorerst in die Ferne. Denn auch ein weiterer Einfluss droht Kostenbelastungen zu steigern. So weisen Fluglinien durchwegs hohe Fremdkapitalquoten aus. Aktuell von besonderer Relevanz ist dies deshalb, da höhere Ölpreise die Aussicht auf anziehende Inflationsraten und nachfolgend somit höhere Zinssätze schüren.
Neue Chancen im Visier der Kurzfrist-Anleger
Anteilhaber an Fluglinien hatten (vor allem in den USA) in der Vergangenheit nicht nur eine höhere Anzahl an Insolvenzen zu verdauen als der Durchschnitt anderer Geschäftssparten. Der Bewegungscharakteristik der Aktien der Luftfahrtgesellschaften haftet stets ein hoher Beta-Faktor von zumindest 1,3 an. Dieser Indikator, ein Maß für die Volatilität bzw. die Schwankungsanfälligkeit eines Wertpapiers im Vergleich zum Gesamtmarkt (die Zahl 1 steht für marktkonform), weist klar auf das erhöhte Kursrisiko in der Sparte hin. Durch die Kampfpreis-Strategie und knappen Gewinnmargen trifft dies zwar umso mehr auf die Valoren der „Billig-Airlines“ wie Norwegian, Wizz Air, Ryanair oder EasyJet zu. Aber auch der Erwerb der Titel von Großkonzernen wie der International Airlines Group (IAG, Verbund von British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling), Air France-KLM, Lufthansa, Turkish Airlines, American, Southwest oder United Airlines erfordert ein erhöhtes Quantum an Risikobereitschaft. Gerade aber die Eigenschaft des hohen Drehmoments der Notizen deckt wiederum die Ansprüche jener Investoren ab, die von genauen Beobachtungen und Gewinnrevisionen zu profitieren gedenken. Führen doch Aufhellungen mitten im Krisenmodus oft ebenso rasch zu abrupten, positiven Neueinschätzungen.
Attraktiv bewertet – sofern Erträge nicht einbrechen
Die US-Datenplattform StockAnalyses beleuchtet das Aktiensegment der Airlines in einer erstellten Kategorie, die alle 18 börsennotierten Unternehmen in den Vereinigten Staaten umfasst. Insgesamt weisen die Gesellschaften aktuell eine Marktkapitalisierung von 170,4 Milliarden US-Dollar (144,8 Milliarden Euro) auf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wirkt nach den jüngsten Kurseinbrüchen auf Basis vorangegangener Ergebnisse mit durchschnittlich 12,3 äußerst attraktiv. Bescheiden nimmt sich hingegen die Dividendenrendite mit 1,45 % aus. 2025 lag die Gewinnmarge der Branche in den USA bei 4,83 %, und somit unter dem globalen Wert. Weitaus am aktivsten werden an der NYSE die Luftfahrt-Titel der American Airlines gehandelt, deren Börsenumsätze an vielen Tagen höher sind als jene der weiteren 17 Mitbewerber zusammen.
Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / indyntk / Generiert mit KI
Im Artikel vorgestellte Aktien
| Name | ISIN |
| International Airlines Group (AIG) | ES0177542018 |
| Norwegian Air Shuttle | NO0010196140 |
| Wizz Air | JE00BN574F90 |
| Ryanair | IE00BYTBXV33 |
| EasyJet | GB00B7KR2P84 |
| Air France-KLM | FR001400J770 |
| Lufthansa | DE0008232125 |
| Turkish Airlines (Turk Hava Yollari) | US90010R1095 (ADR) |
| American Airlines | US02376R1023 |
| Southwest Airlines | US8447411088 |
| United Airlines | US9100471096 |
