Der Chemiesektor erwacht zu neuem Leben
In jeder Ausgabe des Börsen-Kurier analysieren wir die Aktien einer Branche.
23.4.2026
Warum europäische Chemieaktien trotz schwacher Konjunktur wieder gefragt sind
Eine schwache Wirtschaft und hohe Energiekosten gelten für die Chemiebranche als zentrale Belastungsfaktoren. Doch nun zeigen sich trotz des Iran‑Krieges Anzeichen einer Erholung. So konnten europäische Chemiekonzerne zuletzt Preiserhöhungen durchsetzen, die unter anderem wegen geopolitischer Spannungen notwendig waren. Das wiederum stützt die Margen. Anleger steigen daher wieder selektiv in Chemiewerte ein. Ein weiterer Vorteil: Die Überkapazitäten wurden abgebaut.
7 wichtige europäische Chemieunternehmen und Kursentwicklung im Check
Bayer: Kursplus in einem Jahr: 83 Prozent
Die Aktie von Bayer AG (ISIN: DE000BAY0017) hebt unter den Chemiewerten derzeit besonders stark ab. Der Bayer‑Kurs ist in den letzten Monaten vor allem deshalb gestiegen, weil sich das rechtliche Risiko im Glyphosat‑Komplex verringert hat und gleichzeitig positive Studiendaten aus der Pharmasparte neue Hoffnung auf künftiges Wachstum geweckt haben.
BASF: +20 Prozent seit April 2025
Der Branchenriesen BASF (DE000BASF111) hat in den vergangenen zwölf Monaten ordentlich Gas gegeben. Die Aktie kam von einem sehr niedrigen Niveau (52‑Wochentief ca. 40,75 €). Einer der Gründe für den Rebound der Chemie-Aktie: Die Gewinne pro Aktie haben sich nach schwachen Jahren wieder stabilisiert (EPS 2024: 1,45 €, 2025: 1,80 €, 2026e: 3,48 €). Das signalisiert eine operative Erholung. Was bei Anlegern ebenfalls gut ankommt: BASF zahlt weiterhin eine hohe Dividende – die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 5,06 %. Das macht die Aktie besonders in volatilen Marktphasen attraktiv. Sie notiert nur wenig unter ihrem 52‑Wochen‑Hoch, was zeigt: Investoren haben wieder Vertrauen in das Unternehmen. Laut Citigroup-Analyse vom Dezember 2025 gilt BASF als Favorit.
Evonik: + 17 Prozent in sechs Monaten
Der Spezial-Chemie-Produzenten Evonik (DE000EVNK013) erzielte in den vergangenen sechs Monaten ein Kursplus von 17 Prozent. Nach Einschätzung von Analysten könnte damit jedoch vorerst die Luft draußen sein. Das durchschnittliche Kursziel des Chemie-Wertes laut finanzen.net liegt mit 16,60 Euro unter dem aktuellen Kurs.
Solvay: In einem Monat +15 Prozent
Die Aktie der belgischen Solvay (BE0003470755) hat im letzten Monat vor allem von einer technischen Erholung, mehreren starken Handelstagen und einer stabilen Nachrichtenlage profitiert.
Deutscher Chemiedistributor Brenntag: +26 Prozent in einem Monat
Auch die Entwicklung der Papiere des Chemiedistributors Brenntag (DE000A1DAHH0), Weltmarktführer in der Chemie-Distribution, sticht hervor. Im letzten Monat zog der Titel um 26 Prozent auf 59,70 Euro an (Stand 23.4.2026). Als strategische Holding fungierend, operiert Brenntag als Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und der weiterverarbeitenden Industrie. Die Gesellschaft bezieht hohe Volumina und gibt diese dann zeitlich bedarfsgerecht in benötigten Größen an Kunden der Nahrungsmittel‑, Mineralöl‑, Pharma‑ oder Körperpflegeindustrie weiter.
Lenzing: +21 Prozent in einem Monat
Lenzing, die Aktie des größten österreichischen Chemieunternehmens, legte im letzten Monat um gut 21 Prozent zu. Der Faserhersteller kämpft zwar weiterhin mit einer schwachen globalen Textilnachfrage und hohen Energiepreisen. Nach dem starken Kursrückgang wird die Aktie jedoch als günstig eingestuft; sie notiert trotz des Kurssprungs mit rund 24 Euro weiterhin nahe dem unteren Ende der 52‑Wochen‑Spanne. Analysten sehen zudem langfristiges Potenzial: Lenzing gilt als führender Anbieter nachhaltiger Cellulosefasern, und eine Erholung der Nachfrage könnte dem Titel wieder Auftrieb geben.
Henke: Hoffnungsschimmer nach Kurssturz
Der jüngste Bodenbildung des Kurses des Dividendenbringers Henkel (DE0006048408) macht Hoffnung. Deutsche‑Bank‑Analyst Tom Sykes senkte zwar das Kursziel von 77 auf 75 Euro, hält jedoch an seiner Kaufempfehlung fest. Hintergrund sind vor allem die finanziellen Auswirkungen der Olaplex‑Transaktion, die in den aktuellen Modellen zu geringeren Schätzungen führen. Allerdings gibt es auch positive Signale: Das Analysehaus AlphaValue hat seine Prognose für den Gewinn je Aktie (EPS) nach oben korrigiert. Die Experten begründen dies mit einer verbesserten Profitabilität in den operativen Bereichen und dem Rückenwind durch das laufende Aktienrückkaufprogramm (Quelle: aktiencheck.de).
Mit Chemie-Aktien ETF breit streuen
Eine breite Möglichkeit in Chemie-Aktien zu investieren, bietet auch ETFs. So bildet der iShares STOXX Europe 600 Chemicals ETF (DE) die größten Chemieunternehmen Europas ab. Dieser legte in den vergangenen drei Monaten um knapp 9 Prozent zu.
proi
Foto: Pixabay / analogicus
