Euro-Stablecoin von europäischen Banken startet
Zwölf europäische Großbanken entwickeln digitale Währung auf Blockchain-Basis.
Patrick Baldia (20.03.). Das rasante Wachstum der Stablecoins in den vergangenen Jahren setzt sich auch 2026 weiter fort. Aktuell liegt die globale Marktkapitalisierung der Kryptowährungen, die 1:1 an traditionelle Währungen wie US-Dollar oder Euro gebunden sind und sich daher weniger volatil entwickeln als etwa der Bitcoin, bei einem Allzeithoch von rund 315 Milliarden US-Dollar. Tendenz: weiter stark steigend. Experten rechnen damit, dass der weltweite Markt bis 2030 ein Volumen von bis zu 4 Billionen US-Dollar oder mehr erreichen könnte.
Regulierung als Treiber
Getrieben wird das boomende Interesse der Investoren, vor allem der Institutionellen, von der Schaffung einschlägiger regulatorischer Rahmen, hält Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships & Ecosystems bei der RBI, gegenüber dem Börsen-Kurier fest. Ende 2024 trat etwa in der EU die MiCA-Verordnung, die für Transparenz und Rechtsicherheit, was Emissionen, Handel und Anlegerschutz betrifft, sorgt, in Kraft. Im Sommer 2025 folgte in den USA der Genius Act. „Das neue regulatorische Framework ist auch für traditionelle Banken ein Booster“, meint Wolf.
RBI mit an Bord
Die RBI ist Gründungsmitglied von Qivalis, einem Konsortium aus zwölf europäischen Großbanken mit dem Ziel, einen Euro-Stablecoin zu entwickeln. Wie Qivalis-CEO Jan-Oliver Sell ankündigt, soll der Start im Sommer erfolgen, derzeit läuft noch das Lizenzierungsverfahren. Bei in Euro denominierten Stablecoins handelt es sich jedenfalls um eine absolute Nische. Der Anteil der USD-Pendants – die zwei größten sind im Übrigen Tether und USD Coin – an der weltweiten Marktkapitalisierung liegt bei rund 99 %. Der Euro-Stablecoin soll also auch die digitale Souveränität der EU stärken und vor einem fragmentierten Markt schützen.
Stablecoins: Digital, schnell und günstig
Wie Sell erklärt, stellen Stablecoins eine digitale, schnelle, kostengünstige Ergänzung bzw. Alternative zum bestehenden Portfolio an Zahlungsdienstleistungen dar und dienen der langfristigen Absicherung des Kerngeschäfts traditioneller Banken. Zu den Use Cases zählt der Experte unter anderem Cross-Border-Zahlungen oder die Abwicklung organisierter Vermögenswerte.
Die Funktionsweise
Erwirbt etwa ein Kunde, sprich eine Bank oder ein lizenziertes Finanzinstitut, eine bestimmte Anzahl an Stablecoins von einem Emittenten, wird dieser den gleichen Betrag in einer Fiat-Währung seinen Rückstellungen hinzufügen. Will der Kunde seine Stablecoins wieder einlösen, zahlt ihn der Emittent aus und zieht die Token aus dem Verkehr.
Transaktionen auf Basis von Stablecoins könnten auch mit Smart Contracts kombiniert werden. Dabei handelt es sich um Programme, die auf der Blockchain basieren und bestimmte Handlungen automatisch erfüllen, ohne dass dazu Vertragsparteien notwendig wären. Der dafür erforderliche Code liegt unveränderlich und für jeden einsehbar auf der Blockchain.
RBI rechnet 2026 mit vier Krypto-Trends
Neben Anwendungsfällen für Stablecoins, arbeitet die RBI im Rahmen ihrer Digitalstrategie an der Tokenisierung traditioneller Assetklassen, wie etwa Anleihen, Zertifikate oder Edelmetalle sowie anderer bisher illiquider Assets, wie beispielsweise Immobilien. „Dabei kann es sich je nach Ausgestaltung um MiCA-regulierte Kryptowerte oder um klassische Finanzinstrumente handeln, die etwa MiFID2 unterliegen“, erklärt Wolf. Gemeinsam hätten sie, dass Stablecoins einen wichtigen Baustein für die Abwicklung darstellen.
Wolf rechnet 2026 mit vier entscheidenden Trends im Krypto-Bereich. Neben einem deutlichen Anstieg der B2B-Zahlungen, die über Stablecoins abgewickelt werden, gehört dazu das stärkere Zusammenwachsen der Kryptowelt mit KI und agentenbasierter KI. Künftig könnten etwa KI-Agenten eigenständig Zahlungen durchführen, Handelsstrategien umsetzen oder Portfolios verwalten. Ebenfalls heuer soll der elektronische Identitätsnachweis eID eine sichere Authentifizierung für Online-Services ermöglichen, um Betrug und Identitätsdiebstahl vorzubeugen. Gleichzeitig soll über mehrere Initiativen dem Risiko vorgebeugt werden, dass Quantencomputer künftig derzeit sichere Verschlüsselungen knacken können.
Autor: Patrick Baldia
Foto: Unsplash / Woliul-Hasan
