Großes Risikopotenzial durch US-Autokredite

Noch wenig beachtet brodelt in den USA eine neue Subprime-Krise.

(27.03.2026). Abseits spektakulärer Einschnitte durch die aktuelle weltpolitische Lage lauert rund um den gewichtigsten Wirtschaftszweig der Vereinigten Staaten seit Monaten weiteres Ungemach. Und es ist wohl dem erfolgreichen Aktienjahr 2025 zu verdanken, dass ein potenzieller Brandherd am US-Autokreditmarkt nicht schon im vergangenen Herbst aufloderte.

Allerdings wies die britische Tageszeitung The Guardian bereits am 17. Oktober in einem Beitrag auf womöglich dramatische Folgen durch Ungleichgewichte in dieser Geschäftssparte hin und bezeichnete die Lage als „Alarmzustand“, der für die gesamte US-Wirtschaft Folgen haben könnte.

Erst die Spitze eines Eisbergs?
Die im September erfolgte Insolvenz der, auf Subprime-Kredite für US-Gebrauchtwagen spezialisierten, texanischen Tricolor Holdings (25.000 Gläubiger wurden in Mitleidenschaft gezogen) nur als Einzelunfall um betrügerische Aktivitäten anzusehen, scheint in diesem Zusammenhang als zu kurz gegriffen. Gegenüber dem Guardian gab Jamie Dimon die eindrückliche Warnung aus: „Ist erst eine Kakerlake zu sehen, sind weitere nicht fern.“ Der CEO von JPMorgan Chase bezog sich auf den großen Umfang an Kfz-Finanzierungen, die über Jahre leichtfertig an nicht kreditwürdige Verbraucher vergeben wurden.

Auch nach Angaben des Branchenverbands Allied Finance Adjusters nehmen die Spannungen um notleidende Autokredite (Subprime-Darlehen) zu, infolgedessen auch die Anzahl der Autopfändungen. Zur Einordnung: Autokredite mit minderer Bonität machen zwar nur einen Bruchteil des gesamten Autokreditgeschäfts mit einem Volumen von 1,7 Billion US-Dollar (1,42 Billionen Euro) aus. Doch nähren sich Befürchtungen, die Zunahme notleidender Autokredite offenbare darüber hinaus Probleme einkommensschwacher Haushalte auf den Kreditmärkten. So hat der Ökonom Brett House von der Columbia Business School betont: „Schwierigkeiten bei der Autokreditvergabe werden oft als Vorbote für sich verschärfende Umstände der Wirtschaft angesehen. Denn Amerikaner mit niedrigerem Einkommen bedienen Kfz-Kreditzahlungen vorrangig.“ Somit könne der Schluss gezogen werden, die finanzielle Haushaltslage sei enorm angespannt.

Daten bestätigen Liquiditätsknappheit
Nach Angaben des Guardian sind rund 100 Millionen US-Amerikaner ins Autokreditgeschäft involviert. Die Fremdfinanzierung habe bei Neuwagen 85 % und bei Gebrauchtfahrzeugen 55 % erreicht. Nach Wohn-Hypotheken und Studentenkrediten stellten Autokredite den drittgrößten Konsumkreditmarkt in den USA dar. In den zurückliegenden Jahren hätte sich zudem der Zeitraum, der für die rechnerische Begleichung der Darlehen aufgewendet werden muss, verlängert. Nach Daten des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens COX Automotive waren bis 2020 dafür noch 23 Wochengehälter notwendig. 2023 mussten bereits 44 Wochengehälter aufgewendet werden und die Tendenz steige.

Unterdessen liege die monatliche Höhe der Kfz-Privatkredite im Durchschnitt bei 750 US-Dollar (646 Euro). Mit 1,73 Millionen beschlagnahmten Autos sei zudem 2024 (Daten für 2025 stehen noch aus) die Zahl gegenüber 2022 um 43 % gestiegen. Die Ratingagentur Fitch beziffert den Anteil an Autokreditnehmern mit geringer Bonität (mindestens 60 Tage mit Zahlungen im Verzug) unterdessen auf 6,5 %. Brancheninsider sehen eine offensive Nutzung von Kreditmodifikationen, um Zahlungsrückstände zu verkürzen, Zwangsvollstreckungen abzuwenden und Zeit zu gewinnen.

Carvana-Aktie als Negativ-Indikator
Der jüngste Kursrutsch (-35 % seit Mitte Jänner) der davor emporgeschossenen Aktien des US-Online-Gebrauchtwagenhändlers Carvana (er bietet auch Finanzierungen an), stellte zuletzt ein negatives Omen für den Sektor dar. Mehrfach stand das Unternehmen in der Kritik, Autokredite an Personen mit schlechter Bonität (Subprime-Kreditnehmer) zu vergeben.

Autor: Roman Steinbauer
Foto: Adobe Stock / Daria / mit KI generiert