Investmentfonds: Thesaurierend oder ausschüttend?
Planbare Einnahmen stehen dem Vorteil des Zinseszinseffekt gegenüber.
(13.03.) Wer sein Geld in Investmentfonds veranlagt, steht früher oder später vor einer grundlegenden Entscheidung: ausschüttend oder thesaurierend? Hinter diesen beiden Varianten verbirgt sich mehr als nur eine technische Feinheit. Es geht um Liquidität, Steuern und psychologische Effekte, schreiben die Experten des Steiermärkische Sparkasse Private Banking im jüngsten Marktkommentar. Am allerwichtigsten sei jedoch die passende Strategie für die jeweilige Lebensphase, bei der eine fachliche Beratung oft sehr nützlich ist.
Zwei Wege
Ausschüttende Fonds zahlen Erträge regelmäßig an die Anlegerinnen und Anleger aus – meist jährlich oder halbjährlich. Thesaurierende Fonds hingegen behalten diese Erträge im Fondsvermögen und investieren sie automatisch wieder. Das Geld bleibt also „im System“ und erhöht den Wert der Fondsanteile. Beide Varianten sind in Österreich weit verbreitet – bei klassischen Publikumsfonds ebenso wie bei ETFs.
Der Reiz regelmäßiger Auszahlungen
Für viele Privatanleger haben ausschüttende Fonds einen klaren Vorteil: planbare Einnahmen. Gerade in der Pension oder als Ergänzung zum laufenden Einkommen können regelmäßige Ausschüttungen attraktiv sein. Das Kapital bleibt investiert, dennoch fließt Geld aufs Konto. Auch psychologisch wirken Ausschüttungen oft befriedigend. Während Kursgewinne nur „am Papier“ existieren, sind überwiesene Erträge real greifbar.
Allerdings hat diese Variante auch Nachteile. Wird das ausgeschüttete Geld nicht wieder angelegt, geht ein Teil des Zinseszinseffekts verloren. Langfristig kann das die Vermögensentwicklung bremsen. Auf die Ausschüttungen fallen in Österreich in der Regel sofort Steuern an.
Thesaurierung: Die stille Kraft des Zinseszinses
Thesaurierende Fonds reinvestieren die Erträge automatisch, wodurch das Fondsvermögen kontinuierlich wächst – und mit ihm der Wert der Anteile. Gerade bei langen Anlagehorizonten kann dieser Mechanismus einen deutlichen Unterschied machen.
Für Berufstätige in der Ansparphase – etwa beim Vermögensaufbau oder für die Altersvorsorge – sind thesaurierende Fonds daher oft die bevorzugte Wahl. Sie erfordern keinen zusätzlichen Aufwand für die Wiederveranlagung und entfalten den Zinseszinseffekt optimal. Ganz ohne steuerliche Auswirkungen bleibt jedoch auch diese Variante nicht.
An einem sehr vereinfachten Rechenbeispiel einer Veranlagung von 10.000 Euro auf zehn Jahre zeigt sich der Unterschied: Ein Fonds, der die Erträge wiederveranlagt (thesaurierend), erzielt bei einer durchschnittlich angenommenen Rendite von 5 % nach Steuern einen Gewinn von rund 4.275 E. Bei einem ausschüttenden Fonds mit denselben Eckdaten beläuft sich der Gewinn auf 3.625 E.
Die steuerliche Behandlung
In Österreich fällt für die Erträge bei Fonds die KESt (Kapitalertragsteuer) von derzeit 27,5 % an. Entscheidend ist: Auch bei thesaurierenden Fonds werden Erträge steuerlich erfasst – selbst, wenn diese nicht ausbezahlt werden.
Die depotführende Bank führt die Steuer automatisch ab, auch auf so genannte „ausschüttungsgleiche Erträge“. Das bedeutet: Der steuerliche Vorteil einer vollständigen Steuerstundung bis zum Verkauf, wie er in manchen anderen Ländern besteht, ist in Österreich eingeschränkt.
Dennoch bleibt der Zinseszinseffekt innerhalb des Fonds erhalten, da nur die Steuer abgeführt wird, nicht aber das gesamte Ertragspotenzial entnommen wird.
Welche Variante?
Die Frage, ob man sich für Ausschüttungen oder die Wiederveranlagung entscheidet, hängt stark von der persönlichen Situation ab. In der Ansparphase bieten thesaurierende Fonds oft Vorteile durch automatisches Wachstum. In der Entnahmephase können ausschüttende Fonds regelmäßige Einnahmen sichern. Selbstverständlich sind auch Mischstrategien – vor allem bei größerem Vermögen – eine Option.
„Ausschüttend oder thesaurierend?“ ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern von Zielsetzung und Lebensphase. Während thesaurierende Fonds den langfristigen Vermögensaufbau effizient unterstützen, bieten ausschüttende Fonds laufende Liquidität und psychologische Sicherheit.
Für österreichische Anleger gilt: Die steuerlichen Rahmenbedingungen sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Wer investiert, sollte daher nicht nur auf Rendite und Kosten achten, sondern auch auf die Struktur des Fonds – und im Zweifel den Rat eines Beraters einholen.
Autor: Steiermärkische Sparkasse Private Banking
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