Konjunktur: Die kommenden Wochen sind entscheidend
Sorgt der Iran-Krieg für eine Verlangsamung, eine Abkühlung oder gar eine Rezession?
Michael Kordovsky (20.03.2026). Noch sind langfristig höhere Energiepreise nicht in Stein gemeißelt, da eine Reihe strategischer Maßnahmen zur Entspannung an der Preisfront ergriffen werden kann. Zuletzt hat etwa die IEA strategische Reserven im Rekordausmaß freigegeben und sogar eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland ist kein absolutes Tabu mehr.
Aber Märkte reagieren sensibel auf eingesetzte und erwartete Veränderungen. Mittlerweile liegt die Forward Rate im 3-Monats-Euribor für Dezember 2026 bereits zwischen 2,40 und 2,50 %. Das impliziert bereits zwei Leitzinsanhebungen der EZB im laufenden Jahr. Noch kurz vor dem Iran-Krieg lag der 3-Monats-Euribor bei 2,013 %. Bis zum 13. März erfolgte ein Anstieg auf 2,157 %. In diesem Zeitraum verteuerte sich ein Fass der Ölsorte Brent um knapp 44 %.
Starker Anstieg im März erwartet
Laut vorläufigen Daten von Eurostat war die im HVPI der Eurozone mit 9,05 % gewichtete Energiepreiskomponente im Februar auf Jahresbasis noch um 3,2 % rückläufig, während sie auf Monatsbasis bereits um 0,6 % anstieg. Im Jänner verzeichneten die Energiepreise auf Monatsbasis noch einen Rückgang um 0,8 %. Entsprechend stark dürfte dann der Anstieg für März ausfallen.
Noch ist die (vorläufige) Inflationsrate im Euroraum im Februar auf niedrigem Niveau lediglich von 1,7 auf 1,9 % leicht angestiegen. Doch das droht sich nun schlagartig zu ändern. Mit steigenden Inputkosten und höheren Zinsen ist plötzlich die Wirtschaft mit höheren Kosten konfrontiert. Die Folge ist ein zurückhaltendes Investitionsverhalten auf breiter Front und ein vorsichtiges Einkaufsverhalten des Groß- und Einzelhandels, während es in der Industrie aus Angst vor Lieferkettenunterbrechungen zu größeren Vorratskäufen von Rohstoffen kommen kann, die ihrerseits ein inflationäres Szenario verstärken.
Alte Konjunkturdynamiken
Noch ist der Zeitraum seit Kriegsausbruch zu kurz, um klare Aussagen zu tätigen. Möglicherweise hat bereits das Vorfeld dieses Szenarios eine leicht bremsende Wirkung entfaltet. Doch lassen wir nachstehend die Fakten aktueller Einkaufsmanager-Indizes sprechen.
Der von S&P Global erstellte „HCOB Eurozone Composite PMI“ basiert auf Umfragen unter rund 5.000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen im Euroraum und stieg im Februar von 51,3 Punkten im Vormonat auf ein Drei-Monatshoch von 51,9 Punkten. Er signalisiert damit den 14. Wachstumsmonat in Folge. Gleichzeitig verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist gegenüber Jänner und erreichten den höchsten Wert seit Mai 2024. Anders war das Ergebnis des von der EU-Kommission veröffentlichten „Economic Sentiment Indicator“ (ESI), der im Euroraum und der EU gegenüber dem Vormonat leicht rückläufig war und sich unter dem langfristigen Trend befindet. Eine Stimmungsverschlechterung zeigte sich im Februar in der EU vor allem im Servicesektor, in geringerem Ausmaß auch in der Industrie und am Bau.
In den USA fiel im Februar der „S&P Global US Services PMI Business Activity Index“ von 52,7 auf 51,7 Punkte und somit auf den niedrigsten Wert seit April 2025. Wirft man einen Blick auf den S&P Global US Manufacturing PMI, dann sieht man hier das schwächste Wachstum seit sieben Monaten. Allerdings hat sich das BIP-Wachstum in den USA bereits zuvor vom dritten auf das vierte Quartal 2025 von 2,3 auf 2,0 % verlangsamt – eine leichte Wachstumsverlangsamung, die u.a. auf den Government Shutdown zurückzuführen war.
Fazit: In der EU und in den USA kann aus diesen Daten noch keine konjunkturelle Wirkung des Iran-Konflikts abgelesen werden.
Welche Signale kommen aus China?
Die jüngsten Einkaufsmanager-Index-Daten zeigen eine Diskrepanz zwischen offiziellen Staatsdaten und privaten Umfragen. Der offizielle NBS-Einkaufsmanager-Index fiel im Februar weiter von 49,3 auf 49 Punkte und war somit den zweiten Monat in Folge im Kontraktionsbereich, bedingt durch Produktionspausen während des verlängerten Neujahresfestes. Hingegen stieg der sogenannte „RatingDog China General Manufacturing Index“ im Februar von 50,3 auf 52,1 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Dezember 2020. Dies deutet darauf hin, dass kleinere exportorientierte Privatunternehmen deutlich optimistischer sind als staatliche Großbetriebe. Tatsächlich wuchsen in der Jänner-Februar-Periode 2026 die Exporte im Vorjahresvergleich um 18,3 %. In China hat sich der Iran-Konflikt in diesen Daten demnach nicht niedergeschlagen.
Time-Lags beachten
Ölschocks wirken sich zeitverzögert über höhere Zinsen, geändertes Investitionsverhalten der Betriebe und vorsichtigeres Konsumverhalten negativ auf die Wirtschaft aus. Anfänglich werden aber noch strategische Ölreserven im Falle von Knappheit eingesetzt und Betriebe arbeiten alte Aufträge ab. Sollte der Iran-Krieg weiter anhalten und die Ölpreise auch noch in zwei bis drei Monaten über 100 US-Dollar pro Barrel liegen, dann ist weltweit mit einer spürbaren konjunkturellen Abkühlung zu rechnen. Im Falle massiv erhöhter Öl- und Gaspreise, die über ein Jahr lang anhalten, ist selbst eine globale Rezession nicht mehr auszuschließen.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: AdobeStock / Treety
