Iran-Krieg macht Clean Energy wieder attraktiver

Erleben Investments in erneuerbare Energien in Folge hoher Ölpreise eine Renaissance?

10.04.2026. Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zeigen drastisch, wie abhängig die Weltwirtschaft weiterhin von fossilen Energieträgern ist. Die Abwandlung eines berühmten Goethe‑Zitats bringt es auf den Punkt: „Nach Öl und Gas drängt, am Öl und Gas hängt doch alles.“ Mit der Sperre der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Energiearterien der Welt – und dem Angriff auf die Gasverflüssigungsanlage Ras Laffan in Katar sind die Preise für Öl und Gas sprunghaft gestiegen. Rund 20 Prozent der globalen Öl‑ und LNG‑Transporte liefen bis zum Iran‑Konflikt durch diese Meerenge. Die Folgen sind weltweit spürbar.

Teure Energie: Die unmittelbaren Auswirkungen

Die Preissteigerungen treffen Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen:

  • Tanken wird teurer, weltweit.
  • Industrie und Produktion leiden unter höheren Energiepreisen.
  • Inflationäre Effekte werden mit Verzögerung sichtbar.
  • Selbst Elektroautofahrer profitieren nur kurzfristig – rund 30 Prozent des europäischen Stroms stammen weiterhin aus fossilen Quellen.

Der Konflikt wird damit nicht nur Energie, sondern auch Wohlstand kosten.

Ruf nach Alternativen: Clean Energy rückt wieder in den Fokus

Mit steigenden Preisen wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Clean Energy – insbesondere Photovoltaik, Windkraft und Wärmepumpen – erlebt einen deutlichen Nachfrageanstieg.

Beispiele aus dem DACH‑Raum:

  • Eon meldet seit Beginn des Iran‑Konflikts eine Verdoppelung der Nachfrage nach Photovoltaik‑Anlagen.
  • Enpal verzeichnet 70 Prozent mehr Anfragen als im Vormonat.

Die geopolitische Lage wirkt damit wie ein Katalysator für Investitionen in erneuerbare Energien.

Clean Energy im Marktcheck: Warum die Branche zuletzt schwächelte

Trotz langfristiger Wachstumsperspektiven hatten viele nachhaltige Energieunternehmen in den vergangenen drei Jahren mit Gegenwind zu kämpfen:

  • Gestiegene Zinsen machten Projekte weniger rentabel.
  • Viele kleinere Hersteller hatten die Abkehr von Nullzinsen nicht einkalkuliert.
  • Förderbedingungen und Einspeisevergütungen verschlechterten sich.
  • Der Kapitalmarkt entzog Clean‑Energy‑Titeln zeitweise massiv Vertrauen.

Finanzexperte Robert Zepnik bringt es auf den Punkt: Viele Unternehmen hätten die Zinswende „nicht am Radar“ gehabt – mit spürbaren Folgen für Wirtschaftlichkeit und Rendite.

Trendwende: Clean‑Energy‑Investments holen wieder auf

Die jüngsten Daten zeigen eine klare Erholung:

  • In der Ein‑Jahres‑Betrachtung holen viele Solar‑, Wind‑ und Clean‑Energy‑Fonds sichtbar auf.
  • Die YTD‑Performance 2026 bestätigt diesen Trend.
  • Seit Beginn des Iran‑Konflikts am 28. Februar zeigt sich ein deutlicher Rebound.

Während klassische Indizes wie S&P 500, EuroSTOXX 50 und sogar Gold Verluste verzeichneten, konnten sich nachhaltige Energieinvestments vergleichsweise stabil behaupten.

So kletterte der Kurs des Pictet – Clean Energy Transition Fonds (ISIN: LU0280435388) binnen weniger Tage um fast sechs Prozent in die Höhe.

Fazit: Clean Energy wird zur strategischen Notwendigkeit

Die geopolitischen Ereignisse verdeutlichen, wie verletzlich die globale Energieversorgung bleibt. Gleichzeitig zeigen sie, dass Clean Energy nicht nur ein ökologisches, sondern zunehmend ein ökonomisches und geopolitisches Sicherheitsprojekt ist.

  • Erneuerbare Energien reduzieren Abhängigkeiten.
  • Sie stabilisieren langfristig Energiepreise.
  • Sie bieten Anlegern Chancen in einem strukturell wachsenden Markt.

Die aktuelle Krise könnte damit zum Wendepunkt werden – hin zu einer Energiezukunft, die weniger von Krisenregionen und fossilen Preisschocks abhängig ist.

Autor: Andres Dolezal
Foto: Adobe Stock / Adam 21