Gefährliches Umfeld für Austro-AGs
(17.04.2026). Geopolitische Risiken stellen für die Unternehmen nicht zuletzt aus aktuellem Anlass wohl das größte geschäftliche Risiko dar. Mit dem Iran-Krieg ist die Straße von Hormus faktisch geschlossen – und damit eine ganz zentrale Exportroute. Normalerweise werden etwa 20 % des weltweiten Öl- und Erdgasaufkommens durch diese Passage transportiert. Der Preisschub bei Öl und Gas betrug in den vergangenen Wochen 60 %, erklärt Gabriel Felbermayr, Wifo-Chef, bei der aktuellen Konjunkturprognose. Dies wirkt sich unmittelbar auf Produktion und Investitionen aus und könne das Wachstum deutlich dämpfen.
Als Öl-, Gas- und Chemieunternehmen mit Aktivitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Nutzung der Straße von Hormus für den Öltransport ist die OMV direkt vom Krieg betroffen. „Aufgrund der Unsicherheit und Störungen im internationalen Handel sind die globalen Öl- und Erdgaspreise infolge der militärischen Aktionen deutlich gestiegen, weitere Volatilität wird erwartet. Die Finanzergebnisse der OMV könnten durch die Unfähigkeit, Lieferverträge zu erfüllen, sowie durch die Volatilität derivativer Finanzinstrumente beeinträchtigt werden“, so das Unternehmen. OMV fördert in den VAE rund 51.000 Barrel Rohöl täglich und ist über Borealis an Borouge beteiligt, das Polymerlösungen exportiert – die Straße von Hormus ist dabei die zentrale Route.
Rohstoffpreisvolatilität wirkt sich auch auf andere Märkte, insbesondere auf EU-Emissionszertifikate, aus und erhöht die finanziellen Risiken. Zudem besteht eine Netto-Long-Position in US-Dollar aus Ölverkäufen; per Ende 2025 waren rund 222 Millionen Euro bis 2027 abgesichert.
Hohe Energiekosten
Auch für den Baustoffhersteller Wienerberger stellen Energieversorgung und -kosten ein zentrales Risiko dar. 2025 betrugen die Energiekosten 384 Millionen Euro bzw. 8,4 % des Umsatzes, verteilt auf Erdgas (55 %), Strom (39 %) und Sonstiges. Rund 70 % werden durch Termingeschäfte oder Fixpreisverträge abgesichert. Höhere Energiepreise belasten zudem die Baukonjunktur, die auch in diesem Jahr laut Wifo kein Wachstum erleben wird. Das Hauptgeschäftsrisiko Wienerbergers liegt in der Abhängigkeit vom Bauzyklus, der wiederum von Zinsen und Konsumverhalten abhängig ist. Das Wifo hat nach dem Kriegsausbruch im Nahen Osten bereits das Konsumwachstum auf 0,3 % für dieses Jahr nach unten revidiert.
Fixe Verträge und Trockenheit
Beim Maschinenbauhersteller Andritz liegt neben Konjunktur und Geopolitik ein zentrales Risiko in Großprojekten mit Fixpreisen, bei denen Kostenüberschreitungen Margen stark belasten können. Andritz verweist im Jahresbericht darauf, dass in der Vergangenheit in diesem Bereich bereits signifikante Verluste entstanden sind. Erkenntnisse aus der Vergangenheit dienen als Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Risikomanagements.
Beim Energieversorger Verbund sind die Risiken anders gelagert: Das A+ Rating wurde 2026 unter anderem aufgrund der schlechten Wasserführung auf „CreditWatch negative“ gesetzt. Rund 90 % der Stromerzeugung stammen aus Wasserkraft. 2025 lag der Erzeugungskoeffizient aufgrund der Trockenheit und der daraus resultierenden schlechten Wasserführung deutlich unter dem Durchschnitt. Die Produktion sank um 24,2 % und die Effizienz der Produktion um über 20 %. Solche Schwankungen traten auch früher auf und glichen sich meist aus, erklärt der Verbund in seinem Jahresbericht. Zusätzlich stellen Stürme potenzielle Gefahren für Windanlagen dar und auch bei Photovoltaikanlagen können Extremwetterereignisse die Energieerzeugung beeinträchtigen, so der Verbund.
Autor: Christian Sec
Foto: Unsplash / Sasun Bughdaryan
