Iran-Krieg macht Clean Energy wieder attraktiver

Erleben Investments in erneuerbare Energien in Folge hoher Ölpreise eine Renaissance?

(10.04.2026). Nach Öl und Gas drängt, am Öl und Gas hängt doch alles. Diese Abwandlung des berühmten Zitats aus Goethes Faust bringt eine der globalen Folgen des Iran-Konflikts auf den Punkt. Seit die Straße von Hormus, die Meerenge zwischen Iran und Oman, für den Schiffsverkehr gesperrt ist, stiegen die Preise für fossile Energieträger sprunghaft an. Denn durch diesen Flaschenhals führten bis vor den Iran-Konflikt jeweils etwa ein Fünftel der globalen Öl- und (Flüssig-)Gastransporte. Der Angriff auf Ras Laffan in Katar, der weltweit größten Verflüssigungsanlage für Gas, verschärft die Krise zusätzlich und vermutlich längerfristig.

Tanken spürbar teurer

Tanken wurde unmittelbar teurer. Doch nicht nur Benzin und Diesel an den Zapfsäulen rund um den Globus kosten mehr Geld. Öl und Gas sind auf der ganzen Welt eine zentrale Energiequelle für so gut wie jeden Industriezweig. Steigen sie im Preis, verteuern sich mit einiger Verzögerung alle erzeugten Waren. Der Iran-Konflikt wird uns alle Geld – um nicht zu sagen Wohlstand – kosten. Das scheint sicher. Elektroautofahrer können sich nur kurzfristig freuen. Knapp 30 % des europäischen Stroms werden aus fossilen Brennstoffen, insbesondere Gas, erzeugt. Auch beim Strom ist von baldigen Preissteigerungen auszugehen.

Ruf nach billiger Energie

Neben den Rufen nach Spritpreisbremsen werden auch die Rufe nach dem verstärkten Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik wieder lauter. „Grüne“ Energiequellen können Menschen und Wirtschaft von fossilem und klimaschädlichem Öl und Gas unabhängiger machen.

Wie das Handelsblatt schreibt, berichtet der Energiekonzern Eon, dass sich die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen seit Beginn des Iran-Konflikts verdoppelt hat. Der deutsche Photovoltaik- und Wärmepumpenanbieter Enpal spricht von um 70 % gestiegenen Anfragen im Vergleich zum Vormonat. Möglicherweise bescheren die aktuellen geopolitischen Konflikte auch Investments in regenerative Energieformen einen Aufschwung.

Schwierige Marktphase

Nachhaltige Aktieninvestments im Sektor „Clean Energy“ haben sich in den vergangenen drei Jahren oftmals unerfreulich entwickelt. Sie finden sich vielfach am unteren Ende von Performance-Rankings. Geschuldet ist das nicht nur dem schwindenden Zuspruch, sondern auch den gestiegenen Kreditzinsen. „Dass Null-Zinsen irgendwann ein Ende haben werden, hatten wohl viele Unternehmen nicht am Radar, so auch etliche der im Vergleich kleinen und mittleren Hersteller und Betreiber der Branche“, vermutet Robert Zepnik, ein auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierter Finanzexperte. Höhere Zinsen machten die Wirtschaftlichkeit und damit Rendite vieler Projekte zunichte. Auch einige für „grüne“ Energien förderliche Rahmenparameter, wie Einspeisevergütungen, Netzkosten und Förderungen, hatten sich zu deren Ungunsten verändert.

Rückkehr der Performance

In der Ein-Jahres-Betrachtung kann die Performance ausgewählter Aktienfonds mit Fokus auf Solar, Wind und saubere Energien sichtbar aufholen. Die kurzfristige YTD-Betrachtung seit Jahresbeginn 2026 bestätigt diese Entwicklung. Besonders sichtbar wird der „Rebound“ nachhaltiger „Green/Clean Energy“-Aktienfonds seit Beginn des Iran-Konflikts am 28. Februar. Während Indizes wie S&P 500 und EuroSTOXX 50 ebenso wie Gold starke Verluste einfuhren, konnten sich die „grünen“ Investments vergleichsweise gut behaupten.

Autor: Andres Dolezal
Foto: Adobe Stock / Adam 21