Märkte glauben nicht an längeren Iran-Krieg

Zuletzt haben sich an den Börsen einige spannende Einstiegschancen ergeben.

(24.04.2026). Es ist kaum zu glauben: So sehr der Iran-Krieg die Börsen seit Anfang März auch beschäftigt hat, was sich in hoher Volatilität und wiederholten Kursrücksetzern manifestiert hat, so wenig haben sie unterm Strich seitdem verloren. In der vergangenen Woche hat etwa der Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien, ebenso wie gute Quartalszahlen, eine regelrechte Erholungs-Rallye an den Märkten ausgelöst. Nicht nur S&P 500 und Nasdaq kletterten auf neue Allzeithochs, auch der ATX erreichte eine neue historische Bestmarke bei rund 5.900 Punkten.

„Dass seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs vor allem die Öl- und Gaspreise gestiegen sind, war den Anlegern in Europa, den USA und auch in Asien offensichtlich relativ egal“, sagt Roland Zauner, Manager des „KEPLER D-A-CH-Plus Aktienfonds“, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, um im selben Atemzug in den Raum zu stellen, dass die Situation „vielleicht falsch eingeschätzt wird“. „Die Märkte glauben nach wie vor nicht, dass der Konflikt lange dauern wird.“

Gefahr: Massiver Inflationsanstieg

„Dauert der Krieg noch lange an, ist ein massiver Anstieg der Inflation zu erwarten“, so Zauner weiter. Auch in den USA würden die Preise früher oder später steigen. Allerdings würde auch im Falle eines baldigen Endes die Inflation nicht von heute auf morgen zurückgehen. „Was man nicht vergessen darf, ist, dass im Iran durch die Angriffe viel Infrastruktur zerstört wurde, darunter auch wichtige Anlagen der Erdöl- und Gasindustrie“, sagt Zauner. Nachsatz des Experten: „Bis alles wieder funktionsfähig ist, wird es lange dauern.“

An der Börse wurde die Risikobereitschaft der Anleger zuletzt auch durch robuste Unternehmensgewinne gestützt. Als zentrale Markttreiber erwiesen sich einmal mehr vor allem Technologie- und KI-Aktien. „Wir beobachten breite Umsatzzuwächse und ein Investitionsvolumen, das bereits heute historisch ist – bei gleichzeitig moderaten Bewertungen. Jene von US-Technologieaktien liegen inzwischen wieder auf dem Niveau des Gesamtmarktes“, sieht Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, in einem aktuellen Kommentar gute Chancen bei KI-bezogenen thematischen Anlagen.

Kurspotenzial an der Wiener Börse

Auch an der Wiener Börse haben sich in den vergangenen Wochen interessante Einstiegsgelegenheiten bei Aktien ergeben, die weniger gut unterwegs waren. Zu den Kaufempfehlungen mit niedrigem KGV und der größten Lücke zwischen aktuellem Kurs und Kursziel zählen bei der Erste Group derzeit etwa Kontron, Palfinger, UBM und VIG. Durchaus ansehnliches Kurspotenzial bieten auch Do & Co, Verbund und Strabag. Dass etwa beim heimischen Baukonzern, nachdem die Uniqa in der vergangenen Woche ein größeres Aktienpaket platziert hat, der Streubesitz auf 20 % gestiegen ist, schätzt Erste-Group-Analystin Martina Valenta in einer aktuellen Marktanalyse als „längerfristig positiv für die Aktie“ ein.

Zauner hat nach eigenen Angaben in den letzten Wochen für seinen Fonds nur wenige Trades getätigt. Unter anderem hat er eine Uniqa-Position aufgebaut und die OMV reduziert. Ebenfalls zugekauft wurde auch der italienische Gasversorger Italgas. Insgesamt habe zuletzt der Österreich-Anteil der Performance des KEPLER D-A-CH Plus Aktienfonds am meisten geholfen, während die deutschen und schweizerischen Positionen die Kursentwicklung belastet haben. „In der aktuellen Situation ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio gut beraten“, empfiehlt der Kepler-Experte Anlegern abschließen.

Autor: Patrick Baldia