Semperit will zurück auf den Wachstumspfad
Nach Übernahmeangebot: 137. o. HV könnte auch die letzte gewesen sein.
(30.04.2026) Die Rahmenbedingungen seien 2025 für Semperit „alles andere als einfach gewesen“, betonte CEO Manfred Stanek zu Beginn der 137. ordentlichen Hauptversammlung. Vor allem am Jahresanfang habe es große Zurückhaltung auf Kundenseite gegeben, das zweite Halbjahr habe sich aber positiv entwickelt. Dies zeige, welches Potenzial in Semperit steckt, sobald sich die Auslastung verbessert.
Strategisches Ziel sei „profitables Wachstum“, angestrebt werde ein Umsatz von 1 Milliarde Euro, so Stanek – ein Betrag, der eine „entscheidende wirtschaftliche Schwelle“ für Semperit bedeute: ab dann gebe es eine hohe Auslastung, und das sei der „zentrale Hebel des Geschäftsmodells“. Das Wachstum stellte auch Finanzvorstand Helmut Sorger in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Dass bereits kleine Umsatzbewegungen einen überproportionalen Ebitda-Effekt haben, lasse sich aus den Zahlen des Vorjahres ableiten: So habe der Umsatzrückgang um 14 % im ersten Halbjahr zu einem um 52 % niedrigeren Ebitda geführt, während ein gegenüber 2024 um 5 % gestiegener Umsatz im zweiten Halbjahr ein um 31 % höheres Ebitda ermöglicht habe.
Für heuer erwartet Stanek eine Rückkehr auf den Wachstumspfad; Ziele seien ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und ein operatives Ebitda von 95 Millionen Euro (Vorjahr: 83,6 Millionen Euro). Kosteneinsparungen sollen dabei die Margen unterstützen, der Fokus liege auf Kostendisziplin und Kapazitätsauslastung, ergänzt Sorger. Allerdings könnten die aktuell erhöhten Unsicherheiten zu Preissteigerungen und Engpässen bei Rohstoffen sowie zu dämpfenden Effekten auf die Nachfrage führen, warnt Stanek. Mittelfristige Treiber seien aber die deutsche Infrastrukturoffensive, die steigenden Verteidigungsausgaben der EU und der Wiederaufbau der Ukraine.
B&C-Angebot: Kein Kommentar
Schon zu Beginn war klar: Vom Podium würde es keine Auskünfte zum Übernahmeangebot der B&C Holding (15 Euro/Aktie) geben: Stanek und AR-Vorsitzender Thomas Cord Pinzhorn, seit 2022 auch Vorstandsmitglied bei der B&C Board AG, erklärten, die (vorgeschriebenen) Stellungnahmen von Vorstand und Aufsichtsrat würden „spätestens am 4. Mai“ – und damit eine Woche nach der HV – veröffentlicht. Ein Aktionär stellte dennoch die für Streubesitzaktionäre entscheidenden Fragen nach dem Buchwert je Aktie (Sorger: 20,20 Euro) und den meldepflichtigen Aktionären (Sorger: per Ende 2025 B&C Gruppe 58,5 %, De Krassny GmbH 10,07 %, der Rest ist Streubesitz).
Rico-Übernahme im Fokus
Ob die im Jahr 2023 erworbene Rico Group Ursache dafür war, dass die SEA-Division (Engineered Applications) im Vorjahr deutlich schwächer abgeschnitten hat als Industrial Applications (SIA), und ob der Rico-Firmenwert von 50 Millionen Euro werthaltig ist, wollte IVA-Vorstandsmitglied Michael Knap wissen. Rico sei strategisch ein „perfekter Fit“, so Stanek. Es gebe starkes Wachstumspotenzial, Auftragsstand und Auftragseingang lagen über dem Vorjahresniveau. Sorger ergänzte, man habe die Investition sorgfältig geplant und Rico erfülle die Erwartungen. Allerdings habe der Markt von einem Verkäufermarkt zu einem ausgeglichenen oder sogar zu einem Käufermarkt gedreht. Die regelmäßig vorgenommenen Impairment-Tests würden die Werthaltigkeit des Firmenwerts bestätigen.
Reges Aktionärsinteresse
Weitere Fragen von Knap betrafen die Auswirkungen der US-Zölle (Stanek: Es gebe durch diese einen gewissen Kostendruck, aber keine strukturelle Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit, man habe im Vorjahr 1,8 Millionen Euro US-Zölle bezahlt und werde eine Rückforderung versuchen), die Pläne zum Defense-Bereich (Stanek: Semperit werde hier in klar definierten Nischen tätig werden, derzeit gehe es um den Aufbau von Know-how; mittelfristig soll Defense ein wichtiges Thema werden) und den hohen Effektivsteuersatz von mehr als 60 % (Sorger: es handle sich um einen „rechnerischen Wert“ und „dort, wo wir Gewinne erzielen, zahlen wir Steuern“).
Zur Frage der Marktposition antwortete Sorger, Semperit habe bei Handläufen für Rolltreppen einen weltweiten Marktanteil von 35 %. Chief Industrial Officer Gerfried Eder ging auf die Schäden durch ein Hochwasser in Thailand ein: Es sei zu einer 9-wöchigen Betriebsunterbrechung gekommen, die Schäden seien versichert. In Forschung und Entwicklung seien gruppenweit 181 Mitarbeiter tätig, Semperit verfüge aktuell über 38 „Patentfamilien“. Und zum Einsatz von Recycling-Material erläuterte Eder, man setze hier Synthetikgummi aus Europa und den USA, Ruß aus Europa und recycelten Stahl aus China ein.
Eine Dividende wurde nicht vorgeschlagen. Zum Tagesordnungspunkt „Wahlen in den Aufsichtsrat“ wurden Prinzhorn und Marion A. Weissenberger-Eibl wiedergewählt.
Autor: Marius Perger
Foto: Semperit Holding AG
