Standort Deutschland: Besser als sein Ruf?
Standort unter Druck, aber gefragt. Land bleibt für Investoren attraktiv.
(15.05.2026).
Standort unter Druck und trotzdem gefragt. Die Bundesrepublik bleibt für internationale Investoren attraktiv.
(15.05.2026). Der lange gepflegte Mythos vom unerschütterlichen Wirtschaftsstandort Deutschland bekommt zunehmend Risse. Während andere Länder schneller digitalisieren, günstiger produzieren und entschlossener investieren, verliert Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis der aktuellen Kearney‑Investorenumfrage: Deutschland hält weiterhin Platz fünf unter den weltweit attraktivsten Standorten – und könnte sich laut Prognose in den kommenden Jahren sogar verbessern.
„Internationale Investoren haben Deutschland auch in schwachen Jahren im Blick behalten. Neu ist, dass sie wieder an die wirtschaftliche Dynamik des Standorts glauben“, betont Teresa Schawe, Partnerin und Managing Director bei Kearney. Für die jährlich erhobene Studie befragt die Beratung Topmanager aus über 500 globalen Großunternehmen, welche Länder sie als besonders attraktive Investitionsziele einschätzen. An der Spitze liegen weiterhin die USA, Kanada, Japan und China.
Investorenvertrauen steigt – trotz struktureller Probleme
Besonders auffällig ist der Optimismus‑Indikator von Kearney: 48 % der Befragten blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den kommenden drei Jahren, nur 9 % pessimistisch. Weltweit wird Deutschland damit lediglich von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Japan übertroffen.
Zwischen Aufbruch und Strukturkrise
Auch der deutsche Maschinenbau sendet nach vier Jahren negativer Umsatzprognosen erste Hoffnungssignale. Laut dem PwC‑Maschinenbau‑Barometer hat sich der Anteil der Optimisten zwischen Jänner und März fast verdoppelt, und auch die Umsatzprognose für die Branche hellt sich auf. Von einer echten Trendwende könne jedoch keine Rede sein: Die Kapazitätsauslastung bleibt historisch niedrig, der Kostendruck dominiert, und die Investitionsbereitschaft verharrt auf schwachem Niveau.
ifo‑Institut warnt vor langfristigen Risiken
Viele Ökonomen sehen die Lage ähnlich ambivalent. Eine neue Studie des ifo Instituts zeigt, dass eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, schwache private Investitionen und eine innovationsarme Wirtschaftsstruktur die langfristigen Wachstumsperspektiven gefährden.
Seit 2019 sinken die privaten Investitionen – deutlich länger als in üblichen Konjunkturzyklen. Die Autoren fordern daher tiefgreifende Reformen, allen voran eine umfassende Bildungsoffensive, um die Qualität des Schulsystems zu verbessern und insbesondere Kinder aus bildungsfernen Haushalten gezielt zu fördern.
Autor: Christian Euler, Frankfurt
Bild: Joshua Kettle für Unsplash
