Österreichs Finanzwerte gehören ins Portfolio

Banken und Versicherer sind Ertragsbringer mit anhaltend hoher CEE-Fantasie.

(22.05.2026). Der Wiener Finanzsektor hat den breiten Markt zuletzt klar geschlagen. Während der ATX auf 52 Monate knapp 34 % im Plus liegt, brachte es der ATX FIN mit Erste Group, RBI und Bawag sowie mit VIG und Uniqa auf rund 50 %. Steigende Zinsen stützen Margen und Kapitalerträge, hohe Immobilienpreise halten den Wohnbaukreditbedarf aufrecht, und Zentral- und Osteuropa bleibt für Finanzwerte ein Markt vor der Haustüre.

Banken: Gewinne, Zinsen und Sonderfälle

Die Erste lieferte für das vergangene Jahr 2025 gute Zahlen. Der Zinsüberschuss stieg um 3,5 % auf 7,8 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss um 8,6 % auf 3,2 Milliarden Euro und das Periodenergebnis um 12,3 % auf 3,5 Milliarden Euro. Die Polen-Expansion verstärkte im ersten Quartal 2026 den Wachstumsschub. Das Betriebsergebnis verzeichnete ein Plus von 48,7 %. Allerdings bremsten im Zuge der Erstkonsolidierung erhöhte Wertberichtigungen für das gesamte erworbene Portfolio vorübergehend die Gewinndynamik.

Trotzdem stieg das den Eigentümern des Mutterunternehmens zuzurechnende Periodenergebnis um 18,2 %. Die Kreditausfälle bleiben niedrig, die CET-1-Quote liegt bei soliden 14,5 %. Im Zuge des zur Gänze aus Eigenmitteln finanzierten Kaufes der Erste Bank Polska schraubt das Institut für 2025 die Dividende je Aktie auf 0,75 Euro zurück.

Doch der Analystenkonsens von MarketScreener bleibt positiv: Von 2026 bis 2028 sollte der Gewinn je Aktie von rund 9,50 auf 11,72 Euro steigen, was bei einem Kurs von 97 Euro ein für 2028 geschätztes KGV von günstigen 8,3 wäre. Und ab 2026 halten die Analysten wieder Dividendenrenditen von mehr als 4 % für möglich.

Perle fürs Portfolio
Die Bawag Group zählt generell zu den Wachstumsperlen mit hoher Effizienz. Von 2017 bis 2025 stieg der Gewinn pro Aktie um 12 % p. a. (CAGR). Die Dividendenausschüttung konnte für die Geschäftsjahre 2017 bis 2025 von 0,58 auf 6,25 Euro je Aktie gesteigert werden, während die Cost-Income-Ratio (CIR) im gleichen Zeitraum von 47 auf 36 % zurückging.

Die heute paneuropäische und US‑amerikanische Bankengruppe ist durch eine Reihe von Akquisitionen gewachsen. 2025 steigerte sie bei einem um 40 % höheren Nettozinsertrag von 1.837 Mio Euro den Nettogewinn um 13 % auf 860 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2028 peilt das Institut einen Nettogewinn von über 1,2 Milliarden Euro an. Trotz Expansion blieb 2025 die Quote notleidender Kredite unverändert bei 0,8 %. Die CET-1-Quote liegt mit 14,2 % im soliden Bereich.

Moody‘s stuft das Emittenten-Rating der Bawag Group mit A1 und positivem Ausblick ein. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet von 2026 bis 2028 mit einem Gewinnanstieg je Aktie von 12,41 auf 16,39 Euro, woraus bei einem Kurs von 145 Euro ein für 2028 günstiges erwartetes KGV von 8,8 resultiert. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt 4,3 %.

RBI trotz Russland gut
Der Raiffeisen Bank International bleibt der risikoreichere Ertragswert. Ex Russland stieg der Konzerngewinn 2025 um 48 % auf 1,44 Milliarden Euro. Die Kernerträge legten, getrieben durch beschleunigtes Kreditwachstum, um 3 % auf 6,19 Milliarden Euro zu. Die Nettozinsspanne konnte sich mit 2,95 Prozentpunkten fast auf Vorjahresniveau halten.

Die positive Entwicklung setzte sich außerhalb Russlands im ersten Quartal 2026 operativ fort: Das Betriebsergebnis ohne Russland stieg um 12 %. Hingegen belasten deutlich geringere Betriebserträge in Russland, höhere Bankenabgaben sowie gestiegene Risikokosten das Konzernergebnis. Doch mit einer harten Kernkapitalquote von 14,9 % außerhalb Russlands ist die RBI gut aufgestellt.

Der aus 13 Analysten bestehende Konsens von MarketScreener hat jedenfalls seit Ende Jänner seine Gewinnprognosen deutlich nach oben geschraubt. In den kommenden Jahren sollten sich die Gewinne je Aktie auf hohem Niveau halten und das für 2028 erwartete KGV liegt auf Basis eines Kurses von 46,14 Euro bei 6,9, was auf einen Abschlag für das Russland-Risiko zurückzuführen ist. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt rund 3,5 %.

Versicherer: Prämienwachstum und Dividendenhistorie

Die Vienna Insurance Group (VIG) hat seit 1994 jedes Jahr eine Dividende bezahlt. Von 2015 bis 2024 stieg diese von 0,60 auf 1,55 Euro, und für 2025 wird eine Anhebung um 12 % auf 1,73 Euro vorgeschlagen. Ermöglicht wurde das bisherige Dividendenwachstum durch entsprechende Gewinnzuwächse je Aktie – so etwa um 21,8 % p. a. in den Jahren 2021 bis 2025.

Versicherungstechnisch hat das Unternehmen gut gewirtschaftet, was durch deutlich geringere Unwetterschäden unterstützt wurde. In der Folge war die Netto Combined Ratio von 93,4 auf 90,1 % rückläufig. Gleichzeitig stiegen die von der VIG verrechneten Prämien um 7,1 %, wobei Polen und Rumänien auffällig positiv abschnitten.

Das Ergebnis je Aktie konnte um 33,7 % auf 6,46 Euro gesteigert werden. Ein großer Meilenstein in der Expansion ist die geplante und von der EU-Kommission genehmigte Übernahme der Nürnberger Beteiligungs-AG. Analysten rechnen von 2025 bis 2028 mit einem Gewinnwachstum je Aktie von 10,9 % p. a. und auf Basis eines Kurses von 67 Euro liegt das für 2028 geschätzte KGV noch immer bei günstigen 7,6.

Auch Uniqa mit starkem Jahr

Die Prämien der Uniqa stiegen 2025 um 8,2 % auf 8,36 Milliarden Euro. Haupttreiber waren Schaden und Unfall mit plus 10 % sowie Krankenversicherung mit plus 6,3 %. International legten die Prämien um 9,8 % zu. Die bessere Netto Combined Ratio ermöglichte einen Anstieg des Konzernergebnisses um 22,2 % auf 424,8 Millionen Euro. Ein Dividendenanstieg um 20 % auf 0,72 Euro je Aktie bedeutet auf Basis eines Kurses von 17,04 Euro eine Dividendenrendite von 4,2 %. Der Schätzungskonsens von MarketScreener erwartet in den kommenden Jahren weitere Steigerungen beim Gewinn je Aktie und bei der Dividende. Das für 2028 geschätzte KGV liegt aktuell bei akzeptablen 10,4.

Autor: Michael Kordovsky
Foto: Bawag Group AG